Rente aus Prämienkonto

Willkommen auf unserem neuen Geldblog. Jeweils am Dienstag und Donnerstag beantwortet der Geldberater Martin Spieler Ihre Geldfragen. Jeweils am Sonntag wird die Börsenkolumne von Armando Guglielmetti aufgeschaltet.

Sicher in Pension: Achten Sie bei einem Entnahmeplan auf Gebühren und Flexibilität. Foto: Getty Images

Sicher in Pension: Achten Sie bei einem Entnahmeplan auf Gebühren und Flexibilität. Foto: Getty Images

Die Allianz rät mir zur Eröffnung eines widerruflichen Prämienkontos mit 150’000 Franken, welches 2 Prozent Zins jährlich geben soll. Daraus erfolgt bei meiner Pensionierung ein Entnahmeplan, von dem ich mir monatliche Renten auszahlen lasse. Kosten: 3 Prozent einmalig auf 150’000 Franken. Soll ich abschliessen? M. K.

Erstens ist unklar, ob der Zins von 2 Prozent garantiert ist. 2 Prozent zahlt kaum jemand fix. Das Kapital müsste wohl angelegt werden. Wenn die Rendite nicht vertraglich gesichert ist, tragen Sie das Risiko. Zweitens ist zu prüfen, wie lange der Vertrag läuft. Der Entnahmeplan beinhaltet kaum eine Rente bis ans Lebensende, sondern nur während einer bestimmten Laufzeit. Diesen Punkt sollten Sie prüfen. Drittens müssten Sie abklären, wie flexibel Sie wären, falls sich Ihre Lebenssituation unerwartet verändern würde und Sie das Kapital für andere Zwecke einsetzen möchten oder müssten.

Ich gehe davon aus, dass ein Ausstieg mit hohen Kosten verbunden wäre.

Viertens sind die Steuerfolgen anzuschauen: Handelt es sich bei der Rendite um einen möglichen Kursgewinn? Dann wäre dieser steuerfrei. Wenn es aber klassische Zinsen wären, müssten diese versteuert werden. Eine Steuerbefreiung könnte über eine Vorsorgepolice erreicht werden. Fünftens ist für mich schleierhaft, wofür Sie Kosten von 3 Prozent leisten müssen. Dies sind immerhin 4500 Franken. Damit wäre ein Teil Ihrer Rendite weg.

Über diese Abklärungen hinaus empfehle ich Ihnen, von zwei Versicherungen eine Gegenofferte einzuholen. Als Alternative sollten Sie ebenfalls eine Offerte bei einer Bank einholen. Viele Banken bieten Entnahmepläne. Dabei investieren Sie einen Betrag in einen oder mehrere Fonds und vereinbaren nach einer Laufzeit, dass Ihnen jährlich oder monatlich ein Teilbetrag – analog einer Rente – überwiesen wird, bis das Geld aufgebraucht ist. Punkto Gebühren sind Entnahmepläne bei Banken meist günstiger, dafür tragen Sie das volle Anlagerisiko und fahren je nach Lösung steuerlich schlechter. Da es bei Ihrem Anlagevorhaben um einen sechsstelligen Betrag geht, würde ich nicht voreilig abschliessen, sondern mir die Mühe nehmen, Alternativen offerieren zu lassen und die garantierten Renditen, bei ähnlichem Risiko, abzüglich Gebühren und Steuern vergleichen.

EU-Austritt als Risiko für das Pfund

Ich besitze Aktien von Reckitt Benckiser. Soll ich verkaufen? Wie schätzen Sie das britische Pfund ein? M. V.

Noch gibt es wenig Grund, die Aktien von Reckitt Benckiser zu verkaufen, zumal der britische Konsumgüterkonzern seine Umsatzprognose kürzlich erneut angehoben hat und erfolgreich unterwegs ist. Ein erhöhtes Risiko sehe ich mittelfristig aber im britischen Pfund. Wenn es in Grossbritannien zu einer Abstimmung über den Verbleib des Landes in der EU kommt, müssen Sie sich auf stärkere Schwankungen bei der britischen Währung einstellen.

Sollte sich in der öffentlichen Diskussion eine Mehrheit für einen EU-Austritt abzeichnen, rechne ich mit Rückschlägen beim Pfund. Noch würde ich die Reckitt Benckiser-Titel behalten. Sobald der Abstimmungstermin feststeht, würde ich die Gewinne mitnehmen und zum Pfund auf Distanz gehen.

Eine gefährliche Wette auf den Ölpreis

Ich habe Seadrill-Aktien gekauft, weil sie früher 10 Prozent Dividende gegeben haben. Leider ist es mit der hohen Dividende vorbei. Beim Kurs bin ich 80 Prozent im Minus. Soll ich abwarten oder verkaufen? H. B.

Die an der Börse Oslo kotierte Seadrill Limited ist als Bohrfirma für die internationale Öl- und Gas-Industrie tätig. Wie die amerikanische Konkurrentin Transocean, welche noch in der Schweiz kotiert ist, aber sich von der Schweizer Börse zurückzieht, leidet Seadrill stark unter dem sinkenden Ölpreis. Persönlich bin ich skeptisch.

Ebenso wie Transocean würde ich Seadrill nicht halten, da ich bei diesen Titeln die Risiken als hoch einstufe. Ob und wie stark eine Erholung drin liegt, weiss ich nicht. Eine nachhaltige Erholung dürfte aber erst eintreten, wenn der Ölpreis wieder stark anzieht. Derzeit ist dies definitiv nicht in Sicht, zumal sich die Ölnotierungen auf einem Elfjahrestief bewegen.