Beiträge mit dem Schlagwort ‘Gartenphilosophie’

Leben und leben lassen

Balz Rigendinger am Freitag den 23. September 2016

Ende September, der Herbst ist da, wie war der Sommer? Der Bauer, der jede Woche vorbeikommt, beklagt schlechte Zwetschgen. Bei mir kamen die Bohnen nicht, die Kartoffeln blieben klein. Klagen kann man immer.

Aber der Sommer war gut.

Ich hatte weniger Zeit als auch schon. Mehr als das Nötigste an Rasenmähen und Jäten war meist nicht. Ein Grund für den Zeitmangel bestand darin, dass ich dem alten Schopf ein neues Dach gab, er ist jetzt viel heller, vor allem aber: trocken und untenrum immer noch hübsch alt.

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Neues Dach auf altem Schopf: Solche Projekte fressen immer mehr Zeit, als die zwei Tage, die man dafür kalkuliert hat.

So liess ich vieles im Garten leben. Das tat den Pflanzen gut. Man kann diese auch zu Tode hätscheln.

Ich fürchte, das passiert gerade mit der Avocado, deren Kern ich im Frühling ins Frühbeet gepflanzt habe. Sie ist gut gediehen, bis ich sie in den Topf nahm und zu hätscheln begann. Armes Tröpfchen im Töpfchen, hat jemand Tipps?

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Zu sehr gehätschelt: Diese Avocado wäre sicher viel lieber nicht täglich gegossen worden.

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Vermehrung im Verzug: Wer täglich einmal für zehn Minuten durch den Garten streift, wird auch solche Zeitbomben locker entschärfen.

 

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Wege des Wassers – Garten bewässern

Balz Rigendinger am Freitag den 12. August 2016
Garten bewässer - Schläuche

Garten bewässern: Blau geht in die Erde, grün kommt vom Regenfass, rechts der kommune Gartenschlauch. Elegant ist das nicht, aber sehr nützlich.

Diese Woche war mein bescheidenes Härdöpfelfeld bereit zur Ernte. Ich nahm die Grabgabel und wurde von einer Goldgräberstimmung erfasst: Ran an die gelben Knollen.

Den Garten bewässern – ein Beispiel

Weil ich also ziemlich viel Eifer entwickelte, dachte ich nicht mehr an die kleinen Bewässerungsschläuche, die ich im Frühling 20 Zentimeter unter der Oberfläche fachmännisch in die Erde gelegt hatte. Prompt zerstach ich einen. Ein guter Anlass, um an dieser Stelle einmal transparent zu machen, wie man als Hobbygärtner den Garten bewässern kann.

Garten bewässern - unterirdisch

Bewässerungsschlauf nach dem Härdöpfelstechen. Links die inzwischen wieder geflickte Stelle.

Mein erstes Gartenjahr im Eigenheim war letztes Jahr, das war – wie jeder weiss – geprägt von diesem Brutalo-Sommer mit Wochen von regenloser Hitze. Was schleppte man da Giesskannen, und bei mir kam all das Wasser aus dem Brunnentrog, den ich täglich morgens füllte und abends wieder leerte. 300 Liter im Tag, das war der Schnitt, und billig war das nicht, Leitungswasser eben.

Mit Wasser ökonomischer an die Wurzeln

Also begann ich mir im Winter Gedanken zu machen, wie man Wasser ökonomischer zu den Pflanzen bringen könnte.

Hier gilt es kurz eine Klammer zu öffnen: Als wir vor zwei Jahren den Bagger auf dem Grundstück hatten, wälzte ich die Idee, einen 2000-Liter-Regenwassertank in die Erde zu setzen, aber meine Partnerin winkte ab, das war ihr irgendwie zu mächtig für etwas, das unter der Erde schlummern würde. Klammer zu.

Zunächst stellte ich diesen Frühling also unter jeden der beiden Dachabläufe einen 300 Liter Wassertank. Einem der beiden verpasste ich einen Überlauf-Schlauch in den Brunnentrog, das setzte meine Gesamt-Regenwassersammelkapazität auf 900 Liter, was okay ist. Dann stolperte ich im Internet auf ein unterirdisches Bewässerungssystem, das mich überzeugte. Es bringt das Wasser direkt und tröpfchenweise zu den Wurzeln, kein Streuverlust durch Verdunstung, kein Rumspritzen mit dem Sprinkler, kein Giesskannen-Schleppen, einfach toll. Wem langweilig ist, empfehle ich dieses Video des Herstellers, er wird sich so schnell nicht mehr langweilen.

Garten bewässern - Regenfass und Brunnentrog

Regenfass (rechts) und Brunnentrog macht 600 Liter Regenwasser, immerhin.

Ich habe diese Anschaffung – auch wenn die Verlegung nicht frei von Pannen war – nie bereut.

Regenwassertank unterirdisch?

Natürlich ist ein solches Bewässerungssystem (ich kaufte die Profivariante) für einen Garten, der eine Grösse wie den meinen hat, etwas übertrieben. Ich kann mit diesem kleinen Fleck Irrationalität in meiner Biografie bisher recht gut umgehen. Denn einmal die Woche eine halbe Stunde den Garten bewässern, das reicht – und das wiederum scheint mir sehr vernünftig.

 

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Dicke Mulchschicht aus Hamsterhanf für den Oleander.

Ohne Mulchen läuft gar nichts

Gemulcht habe ich dennoch, das macht einfach Sinn: Eine Mulchschicht bremst die Bodenverdunstung ganz enorm, einerseits, weil sich die Oberfläche gar nicht so sehr aufheizt, andererseits, weil das verdunstende Wasser in der Schicht gefangen wird.

Hamsterhanf aus der Tierabteilung

Dieses Jahr mulchte ich nebst den Beeten auch ganz satt in den Töpfen, und ich staune: Die Oleander habe ich diesen Sommer noch nicht ein einziges Mal giessen müssen, die Erde war immer schön feucht. Sie hatten anfangs Sommer eine 4 cm Mulchschicht erhalten, etwas Rasenschnitt zunächst, und dann – weil es am billigsten ist – Hamsterstreu, also gehacktes Hanf. Das mutet ganz ähnlich an wie Schilfmulch, kostet aber weniger und ist überdies recht hübsch. Man findet es in der Tierabteilung jedes Do-It-Geschäfts.

Ich gebe dies den Töpfen und den Tomaten. Auf die Beete kommt kommuner Rasenschnitt und einfach alles, was ich jäte oder sonst auf dem Kompost landen könnte, sämtlicher Pflanzenabfall. Sofern er samenfrei ist, natürlich.

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Alles ist Mulch.

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Mulch ist alles.

Tod den Ameisen

Balz Rigendinger am Dienstag den 19. Juli 2016
Diese hier sind natürlich explizit nicht mitgemeint: Waldameisenhaufen, die Freude jedes Wanderers.

Diese hier sind natürlich explizit nicht mitgemeint: Waldameisenhaufen, die Freude jedes Wanderers.

Wir schreiben Dinge, die empfindliche Gemüter in Aufregung versetzen könnten und empfehlen diesen daher die nachfolgende Lektüre nicht.

Es muss am nassen Frühling liegen, den Ameisen geht es sehr gut. Sie breiten sich aus. Sind sie auch gut? Gewiss für irgendwas, aber nicht für den Garten, also auch nicht für uns Gärtner. Ich habe bereits an anderer Stelle dargelegt, mit welch triumphalem Spass meine Kinder vor kurzem ein Ameisennest ausgehoben haben. Seither habe ich drei weitere entdeckt, die Vernichtungsaktionen sind zur Routine geworden. Sie laufen so:

  1. Zwei Liter heisses Wasser kochen
  2. im Nest rumnodern, bis die Insekten ganz aufgeregt herumkrabbeln
  3. Das kochende Wasser über die ganze Krabbelei ergiessen
  4. Nach einer halben Stunde nachprüfen und den Rest erledigen

Hier nun zeigt sich der Gärtner also von seiner sonst eher verschwiegenen Seite, der brutalen. Aber ja, man zerschneidet auch Schnecken, tötet Blattläuse und eben: Man vernichtet Ameisen völkerweise.

Kürzlich hatte ich einen Kollegen zu Besuch, ein Gartenfreund mit grossem Wissen, er begutachtete meinen kleinen Apfelbaum und murmelte “Ameisen”, noch eher er nahe genug am Baum war, um die Diagnose zu überprüfen. Aber es stimmte. Man sieht einem Gewächs den Ameisenbefall von weitem an. Es geht dem Baum dann einfach nicht gut. Wie ausgetrocknet steht er da. Er wirkt gestresst. Wäre es ein Mensch, man würde ihm Akne, Krätze und Schlaflosigkeit anvermuten.

Dasselbe mit den Rosen: Eine Arbeitskollegin erzählt mir von einem Befall, der noch keine Rose zum Blühen gebracht hat. Wo sonst um diese Jahreszeit die Pracht ja fast schon abklingt oder zum zweiten Mal erscheint.

Und mit dem Salat: Ameisen an den Wurzeln, und der Salat welkt ärger als bei Dauerregen.

Mein Nachbar hat seine eigene Theorie, er vermutet im Ameisenvolk eine Art genetischen Code. Er stellte fest, dass neue Völker in seinem Haus die Wege von Völkern gehen, die er vor Jahren ausgerottet hatte. Das kann auch an Duftspuren liegen. Letztlich zeugt seine Vermutung aber nur von der Verzweiflung, die jeder kennt, der schon Ameisennester im Haus hatte.

Die Kollegin mit den Rosen ging gleich mit Gift dahinter. Das kommt bei meinem Salat oder im Tomatenbeet nicht infrage, die Schadstoffe würden übers Gemüse in den Körper gelangen, und dazu sind sie nicht gedacht.

Es gibt Gärtner, die in den Ameisen nicht nur Schädliches sehen. Sie appellieren daran, sie mit holzwollegefüllten Blumentöpfen umzusiedeln. Man stelle die Töpfe auf ihre Wege, die Insekten lässen sich darin nieder, dann könne man sie wegtragen.

Ausserdem helfe Lavendel, Zitrone oder einiges, was auch sonst stark rieche, das werde von den Tierchen gemieden. Ein Kollege hat es im Ferienbungalow mit Deospray versucht, direkt auf die Strasse gegossen. Es half gut, für zwei Tage. Immerhin, für Zelt und Bungalow scheint es also ein probates Mittel.

Übrigens: Wenn der Mensch seine Klimaerwärmung zu Ende entwickelt hat und dereinst wegen ihr vom Planeten verschwunden sein wird, wer übernimmt dann die Weltherrschaft? Es könnten die Ameisen sein, wegen ihrer kollektiven Intelligenz und ihrer hoch entwickelten Kommunikationsfähigkeiten, das sagen nicht wenige Forscher, wissen  kann es niemand.

Es ist auch darum nicht das Abwegigste, den Krieg mit der Ameise allmählich mit einer gewissen Ernsthaftigkeit anzugehen. Wer es tut, ist übrigens immer in guter Gesellschaft, wir Ameisenskeptiker verstehen uns.

Nicht verschweigen wollen wir aber: Ohne Mensch hätte die Erde plötzlich viel Freude und würde sich prächtig erholen. Ohne Ameisen? Das wäre für alle Ökosysteme die totale, sofortige Superkatastrophe.

Heissa, die Ernte!

Balz Rigendinger am Mittwoch den 6. Juli 2016

Heute habe ich den ersten Brokkoli dem Erdreich entrissen. Und wenn ich mich so in den Beeten umschaue – die nächsten Wochen gibt es täglich was Eigenes auf den Tisch.

Der Sommer hat also gerade noch den Rank gekriegt. Die Erdbeeren faulten ja schon, das Gemüse machte einen auf Bonsai, der Fenchel einen auf Zwerg und die Schnecken einen auf Riesen. So machte es keinen Spass. Bohnen gibt es heuer nicht bei mir, das kümmerliche Kraut schaffte es knapp zur Erde raus und ging dann ein. Gut, es hatte nicht den sonnigsten Fleck Erde gekriegt, doch in jedem andern Jahr wär dies kein Problem gewesen.

Jetzt aber explodiert es im Beet. Am lustigsten ist ein Kürbis, der sich selbständig und völlig ungefragt entwickelt hat. Ein Samen muss den Kompost überlebt haben. Die Pflanze machte sich zunächst im Frühbeet breit. Dann rankte sie wild in den Rasen. Ich ziehe sie nun auf die Buchenhecke, da ist noch Platz obendrauf.

Der  Bauer kam gerade vorbei mit seinem Angebot. Seinen Salat muss er verramschen, weil alles aufs Mal kommt, und die Kirschen sind klein, mit Regenfrass. Ich habe sie ihm trotzdem abgekauft. Auch die schlechteste Kirschenzeit ist noch immer viel zu schnell vorbei.

 

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Der erste Brokkoli, ein paar Radiesli, die gabs schon länger.

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Wuchslustiger Kürbis, der den Rahmen des Frühbeets sprengt. Er soll nun auf der Buchenhecke ranken.

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Salat, Gurken und Blumenkohl machen sich allmählich bereit für den Teller.

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Dieser Kohlrabi will auch bald geerntet sein.

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Diese Fenchel hatte ich schon fast aufgegeben, die machten im Monsunmonat Juni ja nicht den geringsten Wank.

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Snackgurke – eine völlig überzüchtete und extrem ergiebige Hybride, macht in meinem Fall aber Sinn, weil die Kinder so täglich ihre Gurken holen können.

Schöne ewige Nässe

Balz Rigendinger am Donnerstag den 16. Juni 2016

Es regnet seit Tagen. Jammern nützt nichts. Die schönen Seiten der ewigen Nässe.

Der Brokkoli scheint imprägniert

Der Brokkoli scheint imprägniert

Auch am Kohlrabi perlt der Regen ab

Auch am Kohlrabi perlt der Regen ab

Roter Mohn

Roter Mohn

Erdanziehung und Oberflächenspannung im freundschaftlichen Wettstreit

Erdanziehung und Oberflächenspannung im freundschaftlichen Wettstreit

Wird die schwarze Johannisbeere schwarz

Wird die schwarze Johannisbeere je schwarz?

Gelbe Rose lässt den Kopf hängen

Gelbe Rose lässt den Kopf hängen

Feuchtnasse Rose

Feuchtnasse Rose

Gammelndes Kletterröschen, aber das nächste macht sich schon bereit

Gammelndes Kletterröschen, aber das nächste macht sich schon bereit

Vollgesogenes Margritli

Vollgesogenes Margritli

Pflotschnasse Buschblüte

Pflotschnasse Buschblüte

Weisser Mohn

Weisser Mohn

Noch eine pflotschnasse Buschblüte

Noch eine pflotschnasse Buschblüte

Ast mit Regentropfen

Ast mit Regentropfen

Trauerrede

Sie scheint Trost zu gebrauchen, oder hat sie noch Hoffnung?

Geknickter Kohlrabi im Wasserbad

Geknickter Kohlrabi im Wasserbad

Gut benetztes Löienmüli

Gut benetztes Löienmüli

Erdbeeren, kaum reif sind sie schon faul

Erdbeeren, kaum reif sind sie schon faul

Damit soll der Regen nicht gelobt sein. Gemüse und Obst leiden grausam. Man muss im Juni 2016 froh sein, wenn man nicht Bauer ist. Arme Bauern. Hundsgemeine ewige Nässe.

 

Wenn der Nachbar nicht will

Balz Rigendinger am Freitag den 20. Mai 2016

Letzte Woche kam im TV ein Dok-Film über Nachbarschaftsstreitigkeiten, diese entzünden sich oft an der Grundstücksgrenze, in der Gartenzone also. Nun haben aber auch die Gemüsepflanzen ihre Grundstücksgrenze, und es gibt Nachbarn, die sich vertragen, und Nachbarn, die sich nicht leiden mögen.

Gute Nachbarn machen einander stark und fördern sich gegenseitig, schlechte Nachbarn machen sich das Leben schwer: Die Pflanzen gedeihen schlecht. Hier könnte der Mensch von den Pflanzen was lernen. Unter dem Begriff “Mischkultur Tabelle” finden sich im Internet ganz gute Anleitungen, die sich umsetzen lassen. Ich habe hier folgende Tabelle gefunden:

mischkultur

Ich nahm mir diesen Frühling vor, dies mal ernsthaft zur berücksichtigen. Ich suchte also eigentliche Verträglichkeitscluster und setzte darum nebeneinander

  • Mais – Gurke (mit Dill) – Blumenkohl
  • Kartoffel – Bohnen (mit Bohnenkraut) – Kohlrabi
  • Rüebli – Fenchel – Salat
  • Sellerie – Lauch – Gurke

Eine Entdeckung war für mich, dass sich Tomaten offenbar mit Brokkoli gut vertragen. So ergibt sich am Tomatenstandort nun folgender Verträglichkeitscluster

  • Tomaten – Pfefferminze – Brokkoli – Knoblauch
Erstmals versucht: Brokkoli neben Tomate, umrandet von Minze und Knoblauch.

Erstmals versucht: Brokkoli neben Tomate, umrandet von Minze und Knoblauch.

Ein Klassiker der guten Nachbarschaft: Radieschen (vorne), Rüebli (gesät in den braunen Streifen) Kohlrabi (links), Randen (rechts), dahinter folgen dann die Erdbeeren.

Ein Klassiker der guten Nachbarschaft: Radieschen (vorne), Rüebli (gesät in den braunen Streifen), Kohlrabi (links), Randen (rechts), dahinter folgen dann die Erdbeeren.

Zwei Mitnehmsel aus meiner Beschäftigung damit sind

  • Salat verträgt sich praktisch mit allem, der ideale Lückenbüsser also,
  • Ähnliches gilt für Kohlrabi (ausser mit Gurken), auch diese finden praktisch überall Platz
Die beiden vertragen sich auch.

Die beiden vertragen sich auch.

Zwei Worte noch zum Starkregen der vergangenen Woche:

  1. Die Schnecken kamen aus ihren Löchern. Für mich beruhigend: Mein Garten ist noch immer dominiert von Weinbergschnecken. Die fressen offenbar die Eier der weitaus gefrässigeren Nacktschnecken und sind darum das kleinere Übel. Ich lasse sie also gewähren.
  2. Ich vergass den Kompost abzudecken. Die Rotte wurde dadurch zu nassem, stinkigem Mist. Wieder was gelernt.

Wie Bio bin ich?

Balz Rigendinger am Freitag den 29. April 2016

Bis weit über die 70er-Jahre war der Hobbygärtner oft einer vom Schlag des legendären Chabis-Aschi. Die grössten Gurken und die grössten Tomaten, die rundesten und rötesten dazu, das war seine Freud, das war sein Stolz.

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Viele Schrebergärten wurden von Gartenfreunden dieses Format so bewirtschaftet, dass man die Erde hernach besser abtrug. Boden als Missbrauchsopfer, Sondermüll, ja das gabs.

Heute gärtnert man eher bewusst. Dabei ist das Gärtnern stets ein Eingriff. Man gibt den Pflanzen, die man möchte, was sie brauchen. Man vernichtet die Pflanzen, die man nicht will. Und man vernichtet die Einflüsse, die den erwünschten Pflanzen schaden, das sind meist die Schädlinge (gut, im milderen Fall, kann man sie auch einfach vertreiben).

Blattläuse, die meine Stangenbohnen befielen, habe ich letztes Jahr so bekämpft:

  1. Ich tötete mit heissem Wasser die Ameisen, die genüsslich ihre Blattlausherden hegten, und hoffte dann, dass der Marienkäfer übernehme, der kam aber nicht mit der gewünschten Fresslust.
  2. Ich bestäubte die Bohnen in der Folge mit Steinmehl, vor allem aber die Blattläuse. Das Steinmehl nistet sich bei den Läusen zwischen den Gliedern ein, verursacht dort schmerzhafte, für die Läuse wohl laut knirschende Wunden, die führen zum Tod der Laus. Das gilt als Bio, es nützte jedenfalls kaum.
  3. Dann bestäubte ich die Bohnen mit verdünntem Spiritus. Ob das Bio ist? Ich weiss es nicht. Es wirkte, aber auch nicht nachhaltig.

Meinen Birnbaum holte ich im Herbst 2014 von der Bio-Baumschule. Ich schnitt ihn zum Spalier, vor kurzem hat er geblüht.

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Schön, der herzige Birnbaum blüht. Daneben der Oleander, der sich schon mal daran gewöhnen darf, dass die Schweiz auch im Sommer kälter ist als Griechenland.

Im ersten Standjahr habe ich alle Blüten des hübschen Birnbaums abgezwackt, damit er nicht alle Kraft in die Früchte gibt, sondern in die Wurzeln, das gilt als klug.

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Frühlingsboten.

Dieses Jahr liess ich die Blüten dran, aber schauen wir mal genauer hin.

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Schadpilz-Boten.

Was wir hier sehen ist der Birnengitterrost. Der hat dem Baum schon im Herbst zugesetzt. Verursacher ist ein Pilz.

Dieser Pilz überwintert offenbar vor allem am Wachholder, bei mir machte er es sich wohl auf der Brombeere gemütlich.

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Brombeeren hinter dem Haus: Hier hat der Pilz wohl überwintert.

Biologisch bekämpft man Pilze so:

  1. Resistente Sorten wählen (bei Birnengitterrost aber schwierig)
  2. Allgemeine Stärkung der Pflanze (habe ich getan, mit Mist, kein Stress, usw.)
  3. Schachtelhalm-Brühe (ich habe keinen Schachtelhalm, zum Glück)
  4. Knoblauchkreise (das nützt beim Baum aber wenig, der Knoblauch wäre beim Stamm, der Pilz ist in den Blättern).
  5. Milch und Molke sollen auch ganz gut sein.

Ich habe Fungizid gekauft und den kleinen Baum besprüht. Es war das erste Mal, dass ich Fungizid eingesetzt habe. Ich fand es ganz okay.

Heute hat die Nachbarskatze übrigens eine Blindschleiche geholt. Meine Kinder waren entsetzt. Man sagt, die Blindschleiche sei ein tolles Tier, sie zeuge von Biodiversität und fresse allerlei Schädlinge. Nun: Für gewisse Insekten ist die Blindschleiche aber gewiss der grösste Schädling, für die Nachbarskatze ist sie ein Spielzeug, für meine Kinder ein Exot. Ich habe sie der Katze entrissen und hinter dem Haus wieder ausgesetzt. Meine Kinder fanden das heldenhaft. Vielleicht überlebt sie ja. Wenn nicht: alles Natur, immer einen Versuch wert.

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Leicht verletzte Blindschleiche, soeben der Katze entrissen. Am Hals sieht man noch die Spuren ihrer verspielten Tatzenschläge.

Frühe Flut an Frischsalat

Balz Rigendinger am Freitag den 15. April 2016

Ich habe mir ein Frühbeet gebaut im Winter. Hier das Resultat.

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Frischepackung Salat.

Beim Aushub im November staunte ich erstmal, wieviele Schubkarren Erde so ein Erdloch hergab. Ich kippte sie alle in den Wald. Das Teil war schnell gebaut: Zugeschnittenes Holz vom Zimmermann (nur verleimt, sonst unbehandelt). Akkuschrauber, Wasserwage, die Fenster vom Baumarkt auf Mass zugeschnitten, Aluleisten, Alurahmen und verschraubt.

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Holz nicht behandeln, sonst hat man Gift im Salat. Ein Frühbeet will verrotten und so soll es sein.

Hier der Bauplan, er stammt aus meinem Lieblingsbuch.

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Alte Schule. Das Loch muss 50 Zentimeter tief sein. Respekt nun vor den Totengräbern. Ihr Job war nicht nur psychisch anstrengend, ihre Last lag in der Schaufel.

 

Mein Lieblingsbuch hat mich übrigens gefunden, als ich in Zürich 2009 einen Schrebergarten pachtete – leider wars ein Schattenplatz am Waldrand. Besser war das Buch, es lag zusammen mit ein paar Samen, trockenen Fliegen und alten Zeitungen im Schopf. Ich müsste es auswendig vortragen können, so oft habe ich es schon gelesen, das werd ich aber nie können. Ich kann mir Gewächse-Namen einfach nicht merken.

 

Zwölf-Monate-im-Garten-Frühbeet

Der Titel sagt es: 380 Seiten verdichtetes Gartenwissen ohne Stimmungsbilder und Typofirlefanz – es wäre mein Kauftipp, scheint aber vergriffen.

Es gibt zwei Sorten Pferdemist, den alten vergorenen und den frischen, den braucht man fürs Frühbeet. Er zersetzt sich und gibt dabei Wärme ab. Das ist im Frühbeet die Bodenheizung für die Würzelchen im Februar. Den alten vergorenen Mist hatte ich im November schon geholt und auf die Beete getan, auf die Baumscheiben, eigentlich auf fast alles, was mir lieb ist. Frischer Mist wäre dafür zu scharf, Ammoniak, damit putzt man Fenster.

Ich kleidete im Dezember also meinen Kofferraum mit einer Blache aus, fuhr zum Misthaufen und zurück, kippte den Mist ins vorbereitete Erdloch. Dann stampfte ich ihn fest. Weg war das Volumen. Ich fuhr an diesem Tag noch zweimal zum Pferdehof  und füllte nun nicht nur den Kofferaum, sondern den ganzen Kombi. Zum Glück mag meine Frau den Geruch, er war noch Wochen im Auto. Wie gesagt, es ist scharfer Mist und so riecht er auch.

Die Bodenheizung kommt mit Wasser in Gang, drei Giesskannen. Nach drei Tagen dampft es. Dann Erde drauf, hier lohnt sich – wie eigentlich immer – die beste Qualität, die macht den Wurzeln einfach mehr Spass. Dann Setzlinge rein.

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“So legst du ein Frühbeet an”, steht unter diesem alten Bild. Es ist die gleiche Ansprache wie beim Hornbach. Merke: Das Frühbeet ist ein DIY-Projekt, das war schon immer so.

Mit der Post aus Deutschland kamen die automatischen Fensterheber, das klingt schlimmer als es ist: Erstens habe ich in der Schweiz was ähnlich Passendes nicht gefunden, zweitens sind es keine elektrischen Fensterheber, es ist reine Physik: Wachs dehnt sich aus, wenn der Sonnenschein im Beet das Mikroklima aufheizt. Und so geht über einen Hebel der Fensterheber hoch. Folglich bleibt das Klima immer schön tropisch warm, auch im Februar.

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Fensterheber: Er lüftet, wennes heiss ist, schliesst bei Nacht, für den Fall, dass der Frost rein will.

Vor einer Woche habe ich mit den Kindern ein paar Blumen gesät, das kam gut und machte Lust auf mehr. Gestern habe ich einen Avocado-Kern in den Boden gesteckt, ich bin gespannt.

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Schnelle Blumen.

Die Tomaten wollte ich heuer eigentlich wie immer als Setzlinge vom Markt holen. Ich hatte mit der Setzlingsproduktion noch nie Glück, das ist mir zu filigran. Sie waren immer zu trocken oder zu nass, dann vergass ich sie wieder, und am Schluss wuchsen schlanke braune Pilze. Jetzt habe ich trotzdem nochmals ein paar Samen in die Erde getan, weil es so einfach scheint: Berner Rosen und Ochsenherz, das übliche.

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Tomatensetzlinge, rechts die pikierten.

Was der algenartige Belag auf den beiden Bildern soll, ist mir noch rätselhaft, das kann man sicher leicht wegharken und weglüften, scheint den Pflanzen aber zu passen. Immer schön feucht, immer schön warm – es gibt viele, die das mögen. Ich habe seit Februar erst dreimal gegossen, die Feuchtigkeit geht also kaum raus. Faszinierend bleibt auch, was auf diesem Boden alles kreucht und fleucht: Tausendfüssler, Milben und Krabbler aller Art. Alles Tiere, wie man sie vielleicht nur sieht, wenn man gelernt hat, dass Erde nicht gleich Erde ist und dass man Erde ganz lang anschauen kann, ohne dass das weiter langweilig würde. Die vielen Tierchen kommen wohl vom Pferdemist hoch. Ich habe noch nie so tierlebendige Erde gesehen wie jene im Frühbeet. Was für ein Käferfest für die Würzelchen, grossartig.

Gartenblog Balz Rigendinger

Radieschen zwischen den Salaten, sie schossen dreimal schneller als jene unter der Beetfolie.

Alles in allem ist das Frühbeet also ein grosser Spass mit viel Erfolgserlebnissen und Vorteilen.

  1. Hält dich den Winter durch beschäftigt
  2. Lässt dich im Februar schon wieder gärtnern
  3. Turbosalate und Turbo-Was-Du-Willst
  4. Perfekt für allerlei Anzuchten
  5. Im Herbst nimmst du den Pferdemist raus, dann hast du deinen vergorenen Mist als Dünger für die Beete

Aber es ist natürlich wie mit dem Fischen: Nichts ist teurer als eine selbstgefangene Forelle. Und so ist auch dieses Frühbeet ökonomisch eine Katastrophe, alleine schon wegen der Fahrten zum Misthaufen, auch wenn der Mist noch gratis war. Vergleichsweise günstig war noch der Holzkasten, er kostete mich 140 Franken, und die Fensteröffner: 100 Franken. Die Fenster dann waren das echt happig, ca. 200 pro Stück, Doppelstegplatten 10 mm. Das kann man jedoch sehr viel günstiger haben mit einem Holzrahmen und Plastik draufspannen, da ist kein grosser Unterschied. Meine Salate aus dem Frühbeet sind also echt teuer. Aber klar, wer billigen Salat will, hat heute Möglichkeiten.

Man muss wissen: Das Frühbeet stammt aus einer anderen Zeit, aus Grossvaters Ära.  In den 50-Jahren war das Pferd nicht weit, die Leute hatten Mist, Platz, Schaufeln und Zeit. 1945 machten die Ausgaben für Lebensmittel 35 Prozent der Haushaltskosten aus, heute noch 7 Prozent, der Rest geht sonst weg.

Ich zum Beispiel wollte letzten Sommer für 2000 Franken ein kleines Treibhaus kaufen, gute Qualität. Dann stornierte ich aber die Bestellung in letzter Minute. Ein Treibhaus ist wie ein Kuhstall, dachte ich mir, da musst du täglich zweimal rein. Dann ist es auch ein Gebäude. Ich habe diesen Platz kaum. Die Kinder wollen ihren Rasen, Papa seine Beete und die Nachbarn ihre Aussicht. So war das Frühbeet die perfekte Alternative.

Und für mich geht es auch ökonomisch auf. Ich mach das ja nicht nur wegen den Salaten, sondern wegen den Vorteilen:

6. Du lernst eine neue Art Erde zu betrachten und langweilst dich dabei nicht, das ist Zen.
7. Mit einem Frühbeet verblödest du nicht. Unbezahlbar.

 

 

  • Sibylle Hartmann

    Sybille Hartmann Sibylle Hartmann (33) arbeitet als Redaktorin bei Bernerzeitung.ch. Aufgewachsen in einem Dorf im Gürbental, empfand sie als Teenager die Gartenarbeit ihrer Eltern als furchtbar spiessig. Als sie vor zwei Jahren in die Matte zog, liess sie sich von ihrem Freund trotz vermeintlich fehlendem grünen Daumen zum Tomatenpflanzen im Hinterhof hinreissen. Und plötzlich fieberte sie täglich mit dem Gemüse mit und wagt nun jährlich mehr punkto Urban Gardening.
  • Laura Fehlmann

    Laura Fehlmann Laura Fehlmann (60) ist seit 20 Jahren Redaktorin im Team Region Bern der Berner Zeitung. Trotz Vollzeitjob und anderen Leidenschaften kann sie das Gärtnern nicht lassen. Sie pflegt ihre Staudenbeete, den Rasen, die Hecke, den Kräuter- und Gemüsegarten, obschon ihr oft alles über den Kopf wächst. Angetrieben wird sie von der Liebe zu den Pflanzen und dem Fernziel, einen englischen Park hinzukriegen.
  • Claudia Salzmann

    Claudia Salzmann Claudia Salzmann (32) arbeitet als stellvertretende Onlineleiterin bei Bernerzeitung.ch. Den grünen Daumen entdeckte sie im mütterlichen Garten im Emmental. Seit 1999 wohnt sie in der Stadt Bern und hat einige Kilo Erde auf Berns Balkone geschleppt. Nun ist sie in die hintere Lorraine umgezogen und kultiviert dort das urbane Gärtnern an der nahen Aare.
  • Natalie Escher

    Natalie Escher Natalie Escher (47) ist Biologin, Familienfrau, leidenschaftliche Gärtnerin und lebt mit ihrer Familie im Emmental. Etwas konzeptlos versucht sie seit Jahren, einen Cottage-Garden zu gestalten, ist aber leider noch Lichtjahre von ihrem Ziel entfernt. Sie gibt aber nicht auf und nimmt jedes Jahr erneut die Chance wahr zur Verwirklichung ihres Traumes.
  • Balz Rigendinger

    Balz Rigendinger (44) ist Redaktor bei der Bernerzeitung und freier Autor. Er hat im Frühjahr 2015 in Biel mit seiner Familie ein Einfamilienhaus bezogen und fand abgesehen von ein paar alten Hecken den ganzen Umschwung als kahle Erde vor. Es gab also viel zu tun, denn er wollte Nutz-, Zier- und Spielgarten anlegen. Zuvor lebte er in Bern und Zürich, wo er einen Schrebergarten zu bewirtschaften versuchte.
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