Perfekte Gartensitter

Laura Fehlmann am Freitag, den 31. Juli 2015

 

Petersilie.

Selber habe ich als Gartensitterin ja so ziemlich versagt. Davon kann Sandra Rutschi ein Liedchen singen. Gott hat mich deshalb aber nicht gestraft, sondern belohnt: Meine Gartensitter haben dafür gesorgt, dass mein Garten nach 3-wöchiger Ferienabwesenheit noch toll aussah. Gut, relativ toll: Zwei Saatreihen sind vertrocknet und die Fuchsie neben der Haustür war braun und dürr. Aber Blumen, Kartoffeln, Kabis, Gurken, Kürbis und Co. sahen trotz mehrwöchiger Gluthitze gut aus. Eine Augenweide war die Petersilie: Sattgrün, 30 Zentimeter hoch, dichtwachsend – eine Freude.

Der eine Gartensitter kocht gern und gut. Nachdem ich über die kulinarische Wüste Ostdeutschland geklagt hatte, zauberte er ein herrliches Menü auf den Tisch: Dicke, saftige Rindersteaks, überbacken mit einer Kruste aus Bröseln, Käse und frischen Kräutern. Auf meine Frage, was er denn da für Grünzeug beigemischt habe, sagte der kochende Gartensitter: “Petersilie.” Ich antwortete hocherfreut: “Fein. Unsere Petersilie wächst heuer ja prächtig.” Der junge Mann, der drei Wochen lang fleissig meinen Garten gewässert hat, macht grosse Augen und sagt: “Ach ja? Ich wusste gar nicht, dass wir Petersilie haben. Ich hab sie im Supermarkt gekauft.”  Fazit: Perfekte Gartensitter müssen sich nicht zwingend mit Pflanzen auskennen.

Fremdgärtnern No. 5

Natalie Escher am Dienstag, den 28. Juli 2015

Very british

Schön war es, im Land der Mixed Borders, der üppigen Cottage Gardens, dem Land mit der nationalen Blumenshow, von der während der Woche, in der sie statt findet, täglich live im Fernsehen berichtet wird. Ja, die Briten sind nicht nur leidenschaftliche Teetrinker, sondern auch hingebungsvolle Gärtner. Wir Schweizer haben unsere Gärtnerin der Nation Sabine Reber, die Briten aber haben gleich mehrere davon. Wöchentlich flimmern die Gartenexperten über den Bildschirm, ausgestrahlt von BBC seit 1968.

Da werde ich zugegebenermassen neidisch, denn so etwas fehlt (mir) bei uns. Ich werkle nicht nur mit viel Liebe und Ausdauer in meinem eigenen Garten, sondern schaue auch sehr gerne zu, wenn andere ihre Tipps und Tricks vorführen und von ihrer Leidenschaft erzählen.

Natürlich darf in den Sendungen der obligate Vorzeigegarten jeweils nicht fehlen, der extra für die Aufnahmen picobello hergerichtet worden ist. Wahrscheinlich wurden noch mit einem Kamm die Grashalme des Rasens alle in eine Richtung gebracht… Wohlwissend, dass mein eigener Chaosgarten nie auch nur im Entferntesten eines Tages so üppig und perfekt blühen wird, erlaube ich es mir trotzdem, davon zu träumen. Das ist zum einen gratis und zum anderen mit null Misserfolgen verbunden.

31 Tage ohne Wasser

Claudia Salzmann am Freitag, den 24. Juli 2015

Im Lorrainebad
Seit nun neun Tagen ist mein Tank mit Grundwasser leer. Zuerst dachte ich, dass meine Pumpe kaputt ist, aber nach zwei Tagen merkte ich: Es ist ernst, der 1500-Liter-Tank ist komplett leer. Kein Wunder, so hat es seit dem 23. Juni nicht mehr richtig geregnet. Es ist erstaunlich, wie schnell die Natur an die Grenzen kommt, wenn es nicht mehr regnet. Nun blüht mir das, was allen blüht: Mit Trinkwasser meinen Garten bewässern.

 

Wenn man Wasser tragen (und bezahlen) muss, setzt man Prioritäten. Der Rasen hätte natürlich auch Wasser nötig, aber der fällt gleich weg. So schlimm wie derjenige im Lorrainebad (siehe Bild) sieht er sowieso noch nicht aus. Der Kiwibaum fällt auch weg, da er eh keine Früchte trägt. Nach jeweils einer halben Stunde schleppen setze ich mich hin und betrachte den Garten. Da fällt mir auf, dass selbst einer der Kirschbäume schon die Blätter hängen lässt. Da kann ich leider keine Abhilfe verschaffen, verdunstet er bei 30 Grad rund 200 Liter Wasser täglich.

Einmal durchhacken, bitte!

Claudia Salzmann am Dienstag, den 21. Juli 2015

Ameisen
In unsere Rabatte inmitten eines Kiesparks schafft es keine Schnecke. Dennoch gibt es Ungeziefer: Wir haben den Verdacht, dass letztes Jahr die Ameisen daran schuld waren, dass die Früchte unserer Kürbispflanze immer bereits im Winzigst-Stadium von der Staude fielen.

Auch in dieser Saison krabbeln die Ameisen munter durch unser Beet. Wenn wir giessen, eilen sie in alle Himmelsrichtungen davon. Nun hat uns jemand den Tipp gegeben, regelmässig den Boden durchzuhacken. Das vertreibe die ungeliebten Untermieter, weil sie dann nicht mehr so einfach auf ihren Bahnen gehen könnten. Also hacken wir, was das Zeug hält – und hoffen, gegen die fleissigen Insekten anzukommen.

Stadt gegen Land

Laura Fehlmann am Dienstag, den 14. Juli 2015

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Nein, ich stelle kein hässliches Bild in diesen Beitrag. Es gibt schliesslich genug Gärten, die man lieber nicht anschaut. Interessant ist, dass die Städter am Aufholen sind. Urban Gardening ist gross in Mode. In den städtischen Quartieren werden die Gärten hergerichtet. Und wer keinen Platz hat, stellt Kübel und Töpfe hin und lässt darin Blumen, Gemüse und Salat spriessen. Auf dem Land hingegen gibt man sich eher städtisch, leert eine Lastwagenladung Steine in den Vorgarten  und hofft, dass das Unkraut sich dort nicht wohlfühlt. Sogar vielen Bäuerinnen fehlt heute die Zeit, einen Hausgarten zu pflegen. Sie arbeiten in der Stadt und bringen Gemüse aus dem Supermarkt ins Dorf. Irgendwie absurd, nicht?

Durstiges Gemüse

Natalie Escher am Freitag, den 10. Juli 2015

 

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Jedes Jahr im Sommer stellt sich landauf, landab die Frage, ob und wem man seinen Garten während der eigenen Ferienabwesenheit anvertraut. Wie es gehen kann, konnte man ja bereits bei meiner Blogkollegin Sandra Rutschi lesen. Wobei sie eigentlich ja ganz schön Glück hatte, da es wirklich nicht sooo heiss gewesen war, zumindest nicht über längere Zeit.

Ich muss zugeben, dass mein Garten vor meiner Gemüsegarten-Ära pflegeleichter gewesen ist. Der Rasen bzw. die Grünfläche, die wir als Rasen bezeichnen, wird grundsätzlich nicht gesprengt. In einem heissen Sommer kann er dann schon mal zur „Trockenwiese“ verkommen, wobei die Betonung mehr auf trocken und weniger auf Wiese wäre. Langlebige Pflanzen werden nur im Frühjahr oder Herbst gesetzt, so dass ich sie selber jeden Tag giessen kann, bis sie gut angewachsen sind und sich selber versorgen können. Blumen in Töpfen sehen zwar schön aus, geben aber viel zu tun. Die habe ich unseren guten Seelen zuliebe, die Haus, Katze und Garten hüten, stark reduziert. Von dem her, gäbe das Giessen unseres Gartens eigentlich gar nicht so viel zu tun, wenn… Ja, wenn ich nun nicht einen Gemüsegarten hätte. Der ist zwar nur klein, will aber trotzdem jeden Tag bewässert werden. Und so betreuen abwechslungsweise meine Eltern und Schwiegereltern mein Grünzeugs.

Da man sich mit Giessen nicht den ganzen Tag beschäftigen kann, hatte sich mein Schwiegervater vor ein paar Jahren nach einem zusätzlichen Betätigungsfeld umgesehen und sich dem „Unkraut“ in meinem Garten angenommen. Nun, mein Bärlauch, den ich nie zurückschneide, sondern verdorren lasse, damit er die ganze Energie in die Knöllchen zurückziehen kann, war dann ausgejätet, als wir von den Ferien wieder zurück waren.

Etwas traurig betrachtete ich meine nackte Bärlauch-Ecke schon. Unsere heiss geliebte Tigerkatze strich mir während dessen gesund und munter um die Beine. Für unsere Süsse war sehr gut gesorgt worden und das ist doch das Allerwichtigste überhaupt!

Fremdgärtnern No.4

Sandra Rutschi am Donnerstag, den 9. Juli 2015

In Sachen urbanes Gärtnern unternimmt die Stadt Bern derzeit viel. Nicht nur bei uns im Lorrainepark, sondern auch auf dem Areal des alten Tramdepots und bei der Markuskirche können Anwohner gärtnern. Dort allerdings in Einkaufswagen, Kisten und Säcken.

Das neuste Projekt, das erst seit dieser Saison läuft, sind die Hängenden Gärten von Bern im Breitenrain. Rund 20 Familien bepflanzen an einem Gerüst auf dem Spielplatz an der Ecke Kasernenstrasse/Beundenfeldstrasse Gemüsekisten, Weidekörbe und Kunststoffsäcke. Wer selber gerne in urbaner Erde wühlt, lässt sich so etwas natürlich nicht entgehen.

Auf einem Spaziergang entdecken wir in den Kisten eine Gemüsevielfalt, wie wir sie auf solch engem Raum nicht erwartet hätten. Da ranken Tomaten mit Stangenbohnen um die Wette, da werden die Kohlrabi in den Kisten immer dicker, da quillt der Salat aus den Blumenkistchen. Und wer genau hinschaut, entdeckt hier eine Peperoni, dort eine Aubergine – und sogar ein paar Erdbeeren.

Blühendes Chaos

Sandra Rutschi am Dienstag, den 7. Juli 2015

Ich weiss, ich weiss. Wer zurzeit an unserem Gärtchen vorbei spaziert, wird wahrscheinlich die Lippen zusammenkneifen, die Augen verdrehen oder den Kopf schütteln. Gepflegt sieht anders aus, da sind sich auch mein Liebster und ich einig. Und doch schaffen wir es nicht, gegen das Chaos anzugehen.

Denn das Chaos blüht so wunderschön! Nur ein paar Tage fanden wir keine Zeit, im Gärtchen vorbei zu gehen. Danach umfasste uns eine Mischung aus Schrecken, Staunen, Scham und – Entzücken. Denn die hübschen hellblauen Blumen des Salats hatten beste Gesellschaft gekriegt. Die Radieschen steuern weisse Schneeblümchen bei, und Lauch und Zwiebeln buschige Bummel, die kaum von einander zu unterscheiden sind.

Seither wissen wir nicht so recht, was wir tun sollen: Das blühende Chaos noch weiter bewundern, oder endlich das Gemüse ernten. Bislang siegte unsere Freude an den Blumen.

Zwangsferien

Laura Fehlmann am Dienstag, den 30. Juni 2015

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Unser Garten erduldet  zwangsweise Ferien. Er bleibt da, ich fahre in ein paar Tagen weg, ungern eigentlich, weil wir doch endlich schönstes Sommerwetter haben. Bleibt die Hoffnung, dass meine liebe  Wohngenossin, die gerne gärtnert, sich ein bisschen kümmert. Ich glaube daran, dass die Pflanzen überleben. Leider verlangen es die Umstände, ausgerechnet jetzt  wegzufahren, wenn Gemüse und Beeren erntereif sind. Aber ich will nicht klagen. Bei der Rückkehr werde ich Bohnen ernten können, Herbsthimbeeren, Kabis, Zwiebeln, Gurken  und frischen Schnittsalat. Zweijahresblüher sind ebenfalls gesät. So wird alles fröhlich spriessen. Vor allem das Unkraut.

Vorsicht, stink!

Natalie Escher am Freitag, den 26. Juni 2015

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Die starken Gewitter, die vor ein paar Wochen einigen Gegenden der Schweiz zugesetzt haben, sind auch an meinem Garten nicht spurlos vorbei gegangen. Etliche Stauden waren geknickt und meine Brennnessel wuchs nicht mehr aufrecht, sondern kroch dem Boden nach.

Die Brennnesseln hatte ich vor ein paar Jahren gepflanzt, in der Hoffnung, dass der kleine Fuchs, das Tagpfauenauge, Weinbergschnecken und anderes Getier meinen Garten als ihr neues Heim betrachten würden. Brennnesseln sind Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele nützliche, schöne und selten gewordene Tierarten.

Seit ich aber Gemüse anpflanze, habe ich noch einen anderen Verwendungsweck für die Pflanze gefunden: Brennnessel-Jauche, zum düngen der Starkzehrer. Also z. B. Zucchetti, Gurken und Tomaten.

Zur Herstellung platziere ich ein grösseres Gefäss an einem sonnigen Platz, befülle dieses mit zerkleinerter Brennnessel (die ich vorher von den darin lebenden Tierchen befreit habe), überdecke das Ganze mit Wasser aus der Regentonne, gebe noch eine Handvoll Gesteinsmehl darüber, lasse die Brühe für einige Tage an der Sonne stehen und rühre täglich kräftig um. Et voilà, habe ich meinen preisgünstigen Naturdünger. Wenn man das Gesteinsmehl weglässt, ist er sogar gratis.

Es wird immer behauptet, es rieche ganz furchtbar (deshalb auch das Gesteinsmehl zur Geruchsbindung). Da entweder mein Geruchsorgan nicht von erstklassiger Qualität ist oder ich schon etwas abgehärtet bin (weil ich auf dem Land wohne und gar manche Bschütti-Aktion geruchstechnisch mitbekommen habe), finde ich das mit dem Stinken der Brennnessel-Jauche gar nicht sooo schlimm.

Wenn das Süppchen nicht mehr schäumt, schöpfe ich die Pflanzenteile ab und führe sie dem Kompost zu. Die Brühe verdünne ich vor dem Giessen etwa 1:10. So einfach, und die Gefahr einer Überdüngung ist kaum möglich. Ausser ich giesse das Zeugs pur an mein Gemüse, dann könnte es schon sein, dass es hops geht…

  • Sibylle Hartmann

    Sybille Hartmann Sibylle Hartmann (33) arbeitet als Redaktorin bei Bernerzeitung.ch. Aufgewachsen in einem Dorf im Gürbental, empfand sie als Teenager die Gartenarbeit ihrer Eltern als furchtbar spiessig. Als sie vor zwei Jahren in die Matte zog, liess sie sich von ihrem Freund trotz vermeintlich fehlendem grünen Daumen zum Tomatenpflanzen im Hinterhof hinreissen. Und plötzlich fieberte sie täglich mit dem Gemüse mit und wagt nun jährlich mehr punkto Urban Gardening.
  • Laura Fehlmann

    Laura Fehlmann Laura Fehlmann (60) ist seit 20 Jahren Redaktorin im Team Region Bern der Berner Zeitung. Trotz Vollzeitjob und anderen Leidenschaften kann sie das Gärtnern nicht lassen. Sie pflegt ihre Staudenbeete, den Rasen, die Hecke, den Kräuter- und Gemüsegarten, obschon ihr oft alles über den Kopf wächst. Angetrieben wird sie von der Liebe zu den Pflanzen und dem Fernziel, einen englischen Park hinzukriegen.
  • Claudia Salzmann

    Claudia Salzmann Claudia Salzmann (32) arbeitet als stellvertretende Onlineleiterin bei Bernerzeitung.ch. Den grünen Daumen entdeckte sie im mütterlichen Garten im Emmental. Seit 1999 wohnt sie in der Stadt Bern und hat einige Kilo Erde auf Berns Balkone geschleppt. Nun ist sie in die hintere Lorraine umgezogen und kultiviert dort das urbane Gärtnern an der nahen Aare.
  • Natalie Escher

    Natalie Escher Natalie Escher (47) ist Biologin, Familienfrau, leidenschaftliche Gärtnerin und lebt mit ihrer Familie im Emmental. Etwas konzeptlos versucht sie seit Jahren, einen Cottage-Garden zu gestalten, ist aber leider noch Lichtjahre von ihrem Ziel entfernt. Sie gibt aber nicht auf und nimmt jedes Jahr erneut die Chance wahr zur Verwirklichung ihres Traumes.
  • Balz Rigendinger

    Balz Rigendinger (44) ist Redaktor bei der Bernerzeitung und freier Autor. Er hat im Frühjahr 2015 in Biel mit seiner Familie ein Einfamilienhaus bezogen und fand abgesehen von ein paar alten Hecken den ganzen Umschwung als kahle Erde vor. Es gab also viel zu tun, denn er wollte Nutz-, Zier- und Spielgarten anlegen. Zuvor lebte er in Bern und Zürich, wo er einen Schrebergarten zu bewirtschaften versuchte.
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