Gott spielen im Staudenbeet

Laura Fehlmann am Dienstag, den 9. August 2016

Staudenbeet

 

Letzten Herbst legten wir das grosse Staudenbeet neu an. Einige Pflanzen hatten sich zu sehr ausgebreitet und drohten, alles zu überwuchern. Stundenlang gruben wir das Beet bis 50 Zentimeter tief um und suchten akribisch alle Wurzeln von Baumtropfen, Physialis und Winden, pflanzten neue Stauden, die prächtig überwinterten. Alle überlebten, zwischen den Stauden war aber viel Platz, auf dem Winden und Zinnkraut sprossen. Der Dauerregen half ihnen dabei und ich stach Abend für Abend neue Sprösslinge dieser Wildkräuter aus. Dann pflanzte ich Sommerblumen dazwischen: Tagetes, Kapuzinerkresse, Cosmea und Kornblumen.

Die einjährigen Blumen versuchen nun mit Kräften, sich gegen die winterharten Stauden durchzusetzen. Sie bedrängen sich gegenseitig, kämpfen um Platz und Licht und ich stehe ständig vor dem Dilemna: Welche Pflanze lasse ich zugunsten der anderen stehen? Welche muss weg, damit eine andere überlebt? Es widerstrebt mir, Gott zu spielen!

Die Tradition des Lebensbaums

Sibylle Hartmann am Freitag, den 5. August 2016

Blust eines Apfelbaumes. © Hans WŸthrich Diesen Beitrag weiterlesen »

All Creatures Great and Small

Natalie Escher am Mittwoch, den 3. August 2016

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Ich staune immer wieder, wie erbarmungslos Gärtner mit den Mitbewohnern in ihrem Garten umgehen. Haben sie vier Beine und ein Fell, ist alles i.O. (oh, jöh, hesch gseh, es Igeli isch i üsem Garte gsi!). Haben sie sechs Beine, wird es schon etwas ungemütlicher für die Tiere. Flattern sie nicht mit schön bunten Flügeln über die Blumen oder bestäuben fleissig Obst- und Gemüseblüten, dann sind sie eklig, unnütz oder gar schädlich. Wobei dies alles Attribute sind, die von einer anthropozentrischen Betrachtungsweise ausgehen.

Ja, auch ich ärgere mich über die Spanischen Nacktschnecken. Aber nein, die Blattläuse lassen mich kalt. Und auch die Ameisen, die sich vor allem im Frühjahr breit machen, nerven mich nicht. Der Buchsbaumzünsler tangiert mich nicht, da wir keinen Buchs im Garten haben und Dickmaulrüssler ertrage ich mit stoischer Ruhe und lasse die Natur die Sache regeln. Das Einzige, das mein Herz bluten lässt, ist der doofe Mehltau, der fast alle meine Rosengewächse zum Striptease zwingt. Aber Mehltau ist ja auch kein Tierchen.

Es war ein nasser Frühling und Frühsommer, deshalb haben meine Kletterrose und der Weissdorn dieses Jahr wieder mal schon im Sommer Herbstgefühle und sind nackig.

Blattläuse habe ich in grossen Mengen nur über zwei bis drei Wochen im Frühling. Es stimmt, meine Pflanzen haben dann ein hartes Los, aber sie bekommen recht schnell Unterstützung von Marienkäfern, Florfliegen und Ohrwürmern. Denen ich übrigens die Nahrungsgrundlage entzogen hätte, wäre ich mit Gift hinter die Blattsauger gegangen. All die Jahre ist mir noch nie eine Pflanze wegen Blattlausbefall eingegangen.

Die Nacktschnecken sammle ich ein und bringe sie auf eine Schafweide. Nein, weder zerschneide ich sie, noch ertränke oder überbrühe ich sie. Mit Schneckenringen, Einsammeln und ansäen von immer wieder anderen Blumenarten versuche ich, eine erträgliche Koexistenz zu erreichen.

Ameisen? Habe ich bis jetzt nie als Schädlinge angesehen. Im Verlauf des Frühjahres «büschelen» sie sich und haben sich bis zum Sommer ihre Unterkünfte an den Rändern des Gartens und unter Töpfen gesucht.

Ja, so bin ich halt. Ich liebe meine Gartentierchen, auch wenn sie mich manchmal nerven.

Schlafender Mohn

Laura Fehlmann am Sonntag, den 31. Juli 2016

Mohnkapsel

Heimlich öffnete ich als kleines Mädchen geschlossene geschlossene Knospen von Schlafmohn (Papaver somniferum), versuchte, die zerknitterten Blütenblätter zu glätten, die bald abfielen war mir ein schlechtes Gewissen machte. Dieses packte mich wieder, wenn ich im Südtirol im Garten der Tante halbreife Mohnkapseln klaute. Die frischen Samen entwickeln beim Kauen einen nussigen Geschmack, der süchtig macht – ist es das darin enthaltene Morphin? Ich konnte jedenfalls fast nicht aufhören, von diesen Samen zu naschen.

Mohnfeld

In Südtirol sieht man bis heute kleine Mohnfelder. Werden die Kapseln trocken und braun, hebt sich das Hütchen, die Samen lassen sich durch kleine Löcher herausschütteln. Was für ein Wunderwerk! In meinem Garten versamt sich der Schlafmohn selber, keimt zuverlässig und die zarten Blüten machen Freude.

Viele Kapseln

Verwendet werden sie unter anderem für Krapfen, ein Festtagsgebäck.

Ernte

Krapfenteig ist aus Roggenteig, auf dünn ausgewallte Kreise wird eine Füllung mit gemahlenem Mohn, Topfen (eine Art Quark), Rosinen oder Marmelade gelegt. Zur Hälfte zusammengelegt, mit Wasser zugeklebt und im Öl ausgebacken schmecken sie wunderbar – vor allem mit Mohn aus dem Garten. Mehr Informationen zu Schlafmohn finden Sie hier.

Urban Gardening-Trend schon vorbei?

Sibylle Hartmann am Dienstag, den 26. Juli 2016

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Der Urban Gardening-Trend hält an, keine Frage! Ein Blick in das Lorraine-Pärkli, wo in der dritten Saison jeweils zwölf glückliche Quartierbewohner eine Gartenparzelle beackern dürfen, könnte jedoch das eine oder andere Fragezeichen diesbezüglich aufwerfen. Ein Abschnitt ist regelrecht überwuchert. Eine weitere Parzelle liegt gar brach. Was ist da los? Ist nach zwei Jahren bereits die Luft raus und von Urban Gardening wird mehr gesprochen, als es in der Tat betrieben wird?

Andreas Jans, Bindeglied zwischen Stadtgrün Bern und den Gartenpächtern der Parzellen im Lorraine-Pärkli, winkt ab. Im Gegenteil: Auf die Entwicklung in der dritten Saison angesprochen, gerät er ins Schwärmen. «Es wächst alles so gut und hoch wie noch nie.» Der Grund dafür liege darin, dass im Garten mitten im Lorraine-Pärkli einige Änderungen vorgenommen wurden. «Letzten Herbst hat Stadtgrün in 70 Zentimeter Tiefe eine Vlies verlegt, damit die Wurzeln der umliegenden Bäume dem Garten nicht die Nährstoffe und das Wasser entziehen», erzählt Jans. Weiter seien diesen Frühling die Beete mit Bio Chair Erde angereichert worden.

Die Salate, Rhabarbern, Tomatenstauden und diverse Blumen zeugen davon. «Alle sind happy», so Jans. So happy, dass neu einmal im Monat ein Apéro im Lorraine-Pärkli veranstaltet werde. Aber Moment, was ist mit den beiden Sorgenkindern, dem brachliegenden und dem überwucherten Abschnitt?

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«Wenn alles so gut wächst, gilt das natürlich auch für das Unkraut», sagt Jans und lacht. Das Tempo ist wohl den beiden Parteien im wahrsten Sinne über den Kopf gewachsen. Die eine gibt per Herbst auf – sehr zur Freude der obersten Person auf der Warteliste. Die andere hat sich offenbar für einen kompletten Neustart entschieden – wenn auch mitten im Sommer. Der Urban Gardening Trend hält im Lorraine-Pärkli also trotzdem ungebrochen an.

Tod den Ameisen

Balz Rigendinger am Dienstag, den 19. Juli 2016
Diese hier sind natürlich explizit nicht mitgemeint: Waldameisenhaufen, die Freude jedes Wanderers.

Diese hier sind natürlich explizit nicht mitgemeint: Waldameisenhaufen, die Freude jedes Wanderers.

Wir schreiben Dinge, die empfindliche Gemüter in Aufregung versetzen könnten und empfehlen diesen daher die nachfolgende Lektüre nicht.

Es muss am nassen Frühling liegen, den Ameisen geht es sehr gut. Sie breiten sich aus. Sind sie auch gut? Gewiss für irgendwas, aber nicht für den Garten, also auch nicht für uns Gärtner. Ich habe bereits an anderer Stelle dargelegt, mit welch triumphalem Spass meine Kinder vor kurzem ein Ameisennest ausgehoben haben. Seither habe ich drei weitere entdeckt, die Vernichtungsaktionen sind zur Routine geworden. Sie laufen so:

  1. Zwei Liter heisses Wasser kochen
  2. im Nest rumnodern, bis die Insekten ganz aufgeregt herumkrabbeln
  3. Das kochende Wasser über die ganze Krabbelei ergiessen
  4. Nach einer halben Stunde nachprüfen und den Rest erledigen

Hier nun zeigt sich der Gärtner also von seiner sonst eher verschwiegenen Seite, der brutalen. Aber ja, man zerschneidet auch Schnecken, tötet Blattläuse und eben: Man vernichtet Ameisen völkerweise.

Kürzlich hatte ich einen Kollegen zu Besuch, ein Gartenfreund mit grossem Wissen, er begutachtete meinen kleinen Apfelbaum und murmelte “Ameisen”, noch eher er nahe genug am Baum war, um die Diagnose zu überprüfen. Aber es stimmte. Man sieht einem Gewächs den Ameisenbefall von weitem an. Es geht dem Baum dann einfach nicht gut. Wie ausgetrocknet steht er da. Er wirkt gestresst. Wäre es ein Mensch, man würde ihm Akne, Krätze und Schlaflosigkeit anvermuten.

Dasselbe mit den Rosen: Eine Arbeitskollegin erzählt mir von einem Befall, der noch keine Rose zum Blühen gebracht hat. Wo sonst um diese Jahreszeit die Pracht ja fast schon abklingt oder zum zweiten Mal erscheint.

Und mit dem Salat: Ameisen an den Wurzeln, und der Salat welkt ärger als bei Dauerregen.

Mein Nachbar hat seine eigene Theorie, er vermutet im Ameisenvolk eine Art genetischen Code. Er stellte fest, dass neue Völker in seinem Haus die Wege von Völkern gehen, die er vor Jahren ausgerottet hatte. Das kann auch an Duftspuren liegen. Letztlich zeugt seine Vermutung aber nur von der Verzweiflung, die jeder kennt, der schon Ameisennester im Haus hatte.

Die Kollegin mit den Rosen ging gleich mit Gift dahinter. Das kommt bei meinem Salat oder im Tomatenbeet nicht infrage, die Schadstoffe würden übers Gemüse in den Körper gelangen, und dazu sind sie nicht gedacht.

Es gibt Gärtner, die in den Ameisen nicht nur Schädliches sehen. Sie appellieren daran, sie mit holzwollegefüllten Blumentöpfen umzusiedeln. Man stelle die Töpfe auf ihre Wege, die Insekten lässen sich darin nieder, dann könne man sie wegtragen.

Ausserdem helfe Lavendel, Zitrone oder einiges, was auch sonst stark rieche, das werde von den Tierchen gemieden. Ein Kollege hat es im Ferienbungalow mit Deospray versucht, direkt auf die Strasse gegossen. Es half gut, für zwei Tage. Immerhin, für Zelt und Bungalow scheint es also ein probates Mittel.

Übrigens: Wenn der Mensch seine Klimaerwärmung zu Ende entwickelt hat und dereinst wegen ihr vom Planeten verschwunden sein wird, wer übernimmt dann die Weltherrschaft? Es könnten die Ameisen sein, wegen ihrer kollektiven Intelligenz und ihrer hoch entwickelten Kommunikationsfähigkeiten, das sagen nicht wenige Forscher, wissen  kann es niemand.

Es ist auch darum nicht das Abwegigste, den Krieg mit der Ameise allmählich mit einer gewissen Ernsthaftigkeit anzugehen. Wer es tut, ist übrigens immer in guter Gesellschaft, wir Ameisenskeptiker verstehen uns.

Nicht verschweigen wollen wir aber: Ohne Mensch hätte die Erde plötzlich viel Freude und würde sich prächtig erholen. Ohne Ameisen? Das wäre für alle Ökosysteme die totale, sofortige Superkatastrophe.

Vermisst: Nacktschnecken!

Laura Fehlmann am Dienstag, den 19. Juli 2016

 

 

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Immer wieder Dauerregen. Ich hatte innerlich schon resigniert und mit einer Schneckeninvasion gerechnet. Aber obschon mein Garten nur auf 3 Seiten einen Schneckenzaun hat, ist zu meiner grossen Verwunderung nichts passiert. Nun gut, ein paar Kohlköpfe haben Löcher. Aber Erdbeeren, Salat, Zucchettiblüten – alles intakt. Ich glaube das ja nicht! Haben die sonst so gefrässigen Nacktschnecken plötzlich etwas gegen meinen Biogarten?

Nein. Sie haben bloss etwas gefunden, das ihnen besser passt. Knapp 10 Meter neben dem Garten ist ein kleines Wäldchen. Dort deponieren wir Rasenschnitt, Äste, Unkraut und was sonst noch Grobes anfällt. Das ergibt einen riesigen Walm, auf dem sich hunderte, nein: tausende von Schnecken ernähren. Dazu kommte ein weiterer Grund für die Absenz der schleimigen Gartenplage: zwischen dem Schneckenparadies und dem Garten gibt es verwilderte Ecken mit Gras, Brennesseln, Gebüsch. Dort leben viele, viele Weinbergschnecken. Diese fressen bekanntlich sehr gerne Nacktschneckeneier. Deren Fortpflanzungsphase ist jetzt abgeschlossen. Sie haben ihre Eier abgelegt – ein Paradies für Weinbergschnecken.

Mein Tipp: Legen Sie eine Futterstelle für Schnecken an, möglichst ausserhalb des Gartens. Platzieren Sie ein paar Weinbergschnecken an Stellen, wo Sie Nacktschnecken vermuten. Vertrauen Sie der Natur und verzichten Sie auf Schneckenkörner.

Positive Vibrations in the Matte

Sibylle Hartmann am Mittwoch, den 13. Juli 2016

 

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Negative Schlagzeilen verkaufen sich besser. Ich gebs ja zu, nach dieser Maxime habe auch ich meinen letzten Blogbeitrag gestaltet. Sehr zum Leidwesen meiner besseren Hälfte. Er hatte in seinem Ärger natürlich völlig recht, dass es zig andere, positive Geschichten zu berichten gegeben hätte. Zum Beispiel, wie prächtig ansonsten unser Garten gedeiht.

In der Tat, es ist jeden Tag eine wahre Freude, einen Blick runter zu werfen. Es grünt und blüht, soweit das Auge reicht. Neben dem Salat und den Radieschen, die wir bereits ernten konnten – und natürlich jede Menge Kräuter, die allabendlich in der Pfanne landen –  stehen Gurken, Zuchetti, Auberginen, Chilis und drei riesengrosse Stauden voller Cherrytomaten in den Startlöchern.

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Sogar die beiden Peperoni-Stauden tragen bereits beachtliche, grüne Früchte. Und die schönen gelben Zuchetti-Blüten sollen bereits so eine Leibspeise sein und werden auf dem Münstergass-Markt für teuer verkauft, wie mir eine Nachbarin verraten hat. Sie in der Küche zu verabreiten, ist etwas vom Ersten, was ich machen werden, sobald das Gurtenfestival vorbei ist. Und um dem positiven Blogbeitrag noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, das Pflanzengiessen teilt sich unter den Nachbaren bestens auf. Also positive Vibrations everywhere in the Matte.

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Auch die Alten wussten nicht alles

Natalie Escher am Samstag, den 9. Juli 2016

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Obwohl ich nun schon steil gegen die 50 zugehe, erinnere ich mich noch sehr lebhaft an folgende Geschichte: Ich war bei meinen Grosseltern, die in einem kleinen Emmentaler Dorf lebten, in den Sommerferien. Sie wohnten im damals einzigen Mehrfamilienhaus, dem «Block», des Dorfes. Über ihnen hatte eine fünfköpfige Familie ihre Wohnung, für Spielgefährten war also gesorgt.

Es war an einem heissen Sommertag, mein Gspänli und ich spielten draussen vor dem Haus, als plötzlich ein Riesenbrummer auftauchte. Grosses Gekreische von dem anderen Mädchen, sie packte mich atemlos am Arm und zerrte mich hinter einen Busch, wo wir in Deckung gingen. Ich muss ehrlich sein, ich hatte keine Ahnung, was los war. Ich wurde aber blitzartig aufgeklärt: Was uns so erbarmungslos attackierte, war eine Hornisse. Ich ging in die erste Klasse und hatte keine Ahnung, was eine Hornisse war. Hornussen, ja, das kannte ich von meinem Grossvater. Aber Hornisse? Auf Berndeutsch heisst es ja noch «Hornussi», also ich konnte beim besten Willen keinen Zusammenhang zwischen den Auszeichnungen, die mein Opa auf dem Buffet ausgestellt hatte zu diesem Insekt herstellen.

Als wir uns wieder aus unserer Deckung hervorwagen konnten, weil das ahnungslose Tier seines Weges weitergeflogen war, rannte ich schnurstracks zu meiner Grossmutter, um ihr zu erzählen, dass ich gerade knapp mit dem Leben davon gekommen war. Und was macht diese Frau? Statt mich schluchzend vor Erleichterung in die Arme zu schliessen, weil ihre geliebte Enkeltochter dem Tod gerade von der Schippe gesprungen war, lachte sie. «Das Tierchen hat mehr Angst vor dir als du von ihm.»

Und Recht hatte sie, die Frau, die in einem Südtiroler Bergweiler aufgewachsen und Aberglaube und Märchen weiss Gott nicht abgeneigt war. Aber sie wusste, dass Hornissen Menschen meiden, ihr Stich nicht gefährlicher als der einer Biene ist (ausser bei Allergikern, versteht sich) und dass keine drei Stiche einen Menschen und keine sieben ein Pferd töten können.

Seit einiger Zeit umschwirren gegen Abend immer einige Hornissen unseren Holunder. Ich denke, dass es irgendwo in der Nähe ein Nest haben muss. Ich hoffe, dass sie dort in Sicherheit sind und in der Nähe von Menschen leben, die wissen, welch wunderbare Nachbarn sie haben.

Heissa, die Ernte!

Balz Rigendinger am Mittwoch, den 6. Juli 2016

Heute habe ich den ersten Brokkoli dem Erdreich entrissen. Und wenn ich mich so in den Beeten umschaue – die nächsten Wochen gibt es täglich was Eigenes auf den Tisch.

Der Sommer hat also gerade noch den Rank gekriegt. Die Erdbeeren faulten ja schon, das Gemüse machte einen auf Bonsai, der Fenchel einen auf Zwerg und die Schnecken einen auf Riesen. So machte es keinen Spass. Bohnen gibt es heuer nicht bei mir, das kümmerliche Kraut schaffte es knapp zur Erde raus und ging dann ein. Gut, es hatte nicht den sonnigsten Fleck Erde gekriegt, doch in jedem andern Jahr wär dies kein Problem gewesen.

Jetzt aber explodiert es im Beet. Am lustigsten ist ein Kürbis, der sich selbständig und völlig ungefragt entwickelt hat. Ein Samen muss den Kompost überlebt haben. Die Pflanze machte sich zunächst im Frühbeet breit. Dann rankte sie wild in den Rasen. Ich ziehe sie nun auf die Buchenhecke, da ist noch Platz obendrauf.

Der  Bauer kam gerade vorbei mit seinem Angebot. Seinen Salat muss er verramschen, weil alles aufs Mal kommt, und die Kirschen sind klein, mit Regenfrass. Ich habe sie ihm trotzdem abgekauft. Auch die schlechteste Kirschenzeit ist noch immer viel zu schnell vorbei.

 

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Der erste Brokkoli, ein paar Radiesli, die gabs schon länger.

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Wuchslustiger Kürbis, der den Rahmen des Frühbeets sprengt. Er soll nun auf der Buchenhecke ranken.

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Salat, Gurken und Blumenkohl machen sich allmählich bereit für den Teller.

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Dieser Kohlrabi will auch bald geerntet sein.

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Diese Fenchel hatte ich schon fast aufgegeben, die machten im Monsunmonat Juni ja nicht den geringsten Wank.

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Snackgurke – eine völlig überzüchtete und extrem ergiebige Hybride, macht in meinem Fall aber Sinn, weil die Kinder so täglich ihre Gurken holen können.

  • Sibylle Hartmann

    Sybille Hartmann Sibylle Hartmann (33) arbeitet als Redaktorin bei Bernerzeitung.ch. Aufgewachsen in einem Dorf im Gürbental, empfand sie als Teenager die Gartenarbeit ihrer Eltern als furchtbar spiessig. Als sie vor zwei Jahren in die Matte zog, liess sie sich von ihrem Freund trotz vermeintlich fehlendem grünen Daumen zum Tomatenpflanzen im Hinterhof hinreissen. Und plötzlich fieberte sie täglich mit dem Gemüse mit und wagt nun jährlich mehr punkto Urban Gardening.
  • Laura Fehlmann

    Laura Fehlmann Laura Fehlmann (60) ist seit 20 Jahren Redaktorin im Team Region Bern der Berner Zeitung. Trotz Vollzeitjob und anderen Leidenschaften kann sie das Gärtnern nicht lassen. Sie pflegt ihre Staudenbeete, den Rasen, die Hecke, den Kräuter- und Gemüsegarten, obschon ihr oft alles über den Kopf wächst. Angetrieben wird sie von der Liebe zu den Pflanzen und dem Fernziel, einen englischen Park hinzukriegen.
  • Claudia Salzmann

    Claudia Salzmann Claudia Salzmann (32) arbeitet als stellvertretende Onlineleiterin bei Bernerzeitung.ch. Den grünen Daumen entdeckte sie im mütterlichen Garten im Emmental. Seit 1999 wohnt sie in der Stadt Bern und hat einige Kilo Erde auf Berns Balkone geschleppt. Nun ist sie in die hintere Lorraine umgezogen und kultiviert dort das urbane Gärtnern an der nahen Aare.
  • Natalie Escher

    Natalie Escher Natalie Escher (47) ist Biologin, Familienfrau, leidenschaftliche Gärtnerin und lebt mit ihrer Familie im Emmental. Etwas konzeptlos versucht sie seit Jahren, einen Cottage-Garden zu gestalten, ist aber leider noch Lichtjahre von ihrem Ziel entfernt. Sie gibt aber nicht auf und nimmt jedes Jahr erneut die Chance wahr zur Verwirklichung ihres Traumes.
  • Balz Rigendinger

    Balz Rigendinger (44) ist Redaktor bei der Bernerzeitung und freier Autor. Er hat im Frühjahr 2015 in Biel mit seiner Familie ein Einfamilienhaus bezogen und fand abgesehen von ein paar alten Hecken den ganzen Umschwung als kahle Erde vor. Es gab also viel zu tun, denn er wollte Nutz-, Zier- und Spielgarten anlegen. Zuvor lebte er in Bern und Zürich, wo er einen Schrebergarten zu bewirtschaften versuchte.
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