Alte Möbel in neuem Glanz

Ein bisschen Regen sollte ihnen nun nicht mehr schaden: Die restaurierten Gartenmöbel.

Die Gartenmöbel sind sichtlich in die Jahre gekommen. Die Tischplatte ist von zahlreichen Unebenheiten gezeichnet. Noch schlimmer steht es um die Holzteile der Stühle und des Bankes. An einigen Stellen wächst Schimmelpilz, vielerorts blättert die Farbe ab. Und dies, obwohl wir die Möbel erst vor wenigen Jahren in stundenlanger Arbeit geschliffen und gestrichen haben.

Bevor die Terrassensaison beginnt, sollen die Möbel restauriert werden. Sie zu entsorgen, kommt nicht in Frage. Sie sind ein Andenken an die verstorbene Grossmutter. Zudem sind die von der Firma Bigla etwa Mitte des letzten Jahrhunderts hergestellten Möbel heute wieder en vogue.

 

Zum Glück haben wir einen Maler gleich um die Ecke. Es ist noch winterlich kalt, als er auf unserer Terrasse einen Augenschein nimmt. Ihn wundert nicht, dass die Farbe abblättert. Das Holz und das Metall hätten vor dem Streichen besser geschliffen werden müssen, sagt er. Zudem eigne sich die Acrylfarbe, die uns damals im Fachgeschäft verkauft worden ist, schlecht für Möbel, die jahrein-, jahraus der Witterung ausgesetzt sind. Und er zählt uns auf, was es alles zu tun gibt, damit die Möbel künftig wetterfester sind.

Dass es einen anderen Anstrich braucht, bestätigt wenig später auch ein Schreiner. Die Acrylfarbe versiegle die Oberfläche des Holzes, sagt er. Das schützt dieses zwar vor der Witterung. Dringt aber doch mal Wasser durch einen Riss ein, kann es kaum noch entweichen. Dann bildet sich Schimmel, das Holz beginnt zu faulen. Und es entstehen immer mehr Risse in der Farbschicht. Zumindest in einem Punkt gibt der Schreiner Entwarnung: Die Holzteile seien in einem genügend guten Zustand, um geschliffen und neu gestrichen zu werden. Das sei weitaus günstiger, als die teils geschwungenen Holzteile ohne die Originalmaschinen von damals neu herzustellen.

Dieses Mal, so beschliessen wir, legen wir nicht selber Hand an. Dazu fehlt uns nebst dem Knowhow schlicht die Zeit. Wir schlucken aber leer, als wir die Offerte des Schreiners und des Malers erhalten. Wenigstens für die Tischplatte finden wir eine vergleichsweise günstige Lösung: Sie wird gesandstrahlt und neu gespritzt. Bei den Holzteilen und den Gestellen legt schliesslich ein Maler Hand an. Die Restauration ist aufwändig ̣und entsprechend teuer, obwohl uns der Handwerker sogar noch etwas entgegenkommt und auch die Transporte nicht verrechnet.

Schliesslich sind die Teile in der gewünschten neuen Farbe wieder zurück. In einer Ikea-Tasche liegen die Holzlatten vorerst da. Noch fehlen die passenden Schrauben, um sie wieder zu montieren. Bei der Suche nach den richtigen Ersatzteilen machen wir nochmals fast die Schraube. Nach einer langen Recherche wird klar: Senkkopf-Schlitzschrauben, wie sie damals verwendet wurden, sind in dieser Länge heutzutage nicht mehr erhältlich. Wir bestellen schliesslich andere Schrauben beim Spezialisten im Oberland. Auch das hat seinen Preis: über 100 Franken.

Immerhin: Der Abend, an dem wir die neuen Holzlatten selber wieder auf die Gestelle montierten, verlief weit entspannter als gedacht. Jede Latte hatte ihre Nummer, und so war klar, wo sie hingehörte.

Ziemlich viel haben die neuen alten Terrassenmöbel gekostet. Nicht nur was die Nerven angeht, sondern auch was den Kontostand betrifft. Im Bauhaus kriegt man fürs gleiche Geld ein bis zwei dieser modernen Garten-Lounges. Aber: Bei diesen wird sich in 65 Jahren niemand die Mühe machen, auch nur ein Detail zu renovieren.

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