Veränderung ist die Konstante

 

Die Beziehung zu meinem Garten ist einer der wenigen roten Fäden in meinem Leben. 1983, als ich ins uralte, in den Jahren davor unbewohnte Bauernhaus einzog, stand dieses in einem Meer von Brennnesseln. Beim Roden merkte man, dass da irgendwer irgendwann schon gegärtnert haben musste. In der Erde waren Reste eines Maschendrahtzauns und Betonfundamente von Zaunpfosten.

1984 wurde der lehmige Boden umgegraben, Gras und Wurzeln entfernt, Erbsen gesteckt, damit sich die Erde mit Stickstoff anreichert. Es folgte eine reiche Ernte. Im nächsten Jahr entstanden Beete für Gemüse, das meist schon im Keimstadium von Schnecken gefressen wurde. Der daraufhin angelegte Schneckenzaun hält die gefrässigen Viecher jetzt ab. Bei mir sieht der Zaun allerdings nicht mehr so aus wie auf dem Bild.

Der Aushub aus dem Keller wurde zur Basis des Staudenbeets. Bald blühten darauf Klatschmohn, Kamille, Winden und Baumtropfen, dazwischen wucherten Brombeertriebe. Die drei Letzteren erheben bis heute Anspruch auf einen Platz im Staudenbeet, das mittlerweile mein Stolz ist.

Am besten gedeihen Pflanzen, wenn sie ihren Standort selber aussuchen. Beispielsweise der kleine Farn, der sich in die Steinumrandung des Kräutergartens krallt. Oder Randen und Mohnblumen, die man immer an Ort und Stelle aussäen sollte, weil sie sich nur ungern verpflanzen lassen.

Der Garten verändert sich ständig und macht mich konstant glücklich, auch wenn ich oft stöhne, wenn mir die Arbeit buchstäblich über den Kopf wächst.

6 Kommentare zu «Veränderung ist die Konstante»

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Mich wundert, dass Sie nach mehr als 30 Jahren immer noch gegen Ihren Baumtropfen kämpfen. Mit Jäten vermehrt man den Baumtropfen. Dieser ist an die Störung angepasst, weil aus jedem Stückelchen Rhizom eine neue Pflanze entsteht.

    Man könnte den Baumtropfen auskonkurrenzieren, indem man etwas einsät, das rasch den Boden deckt und das Licht nimmt. Weissklee (Trifolium repens) bildet Ausläufer und füllt Lücken sehr schnell. Man würde alle zwei Wochen alle neuen kleinen Baumtropfen-Stengel ausreissen, aber nicht hacken und nicht den Boden stören. Auch alles andere, was den Bodendecker konkurrenziert, muss herausgejätet werden. So wird der Weissklee die Lücken sehr rasch immer wieder füllen.
    Im Staudenbeet wäre auch das kleine Immergrün (Vinca minor) attraktiv als Lichtkonkurrent.

    • Jürg Brechbühl sagt:

      Meine Idee ist, dass mit Lichtkonkurrenz und Stengelausreissen der Baumtropfen innert zwei Jahren ganz verschwindet. Die Rhizome dienen als Reserveorgan. Wenn diese immer neue Triebe bilden müssen und diese Triebe rasch entfernt werden und wegen der Lichtkonkurrenz das Rhizom nicht mehr nähren, dann wird seine Nährstoffreserve erschöpft und der
      Baumtropfen verhungert.

      Die Alternative wäre roundup. Roundup ist ein Pflanzenhormon, das das Wachstum der Pflanze dermassen beschleunigt, dass die Nährstoff- und Wasserversorgung nicht mehr mithält. Das Gift wird über die Blätter aufgenommen. Die Pflanze verdurstet. Roundup gibt es in der Landi als Gel, das gezielt auf die Blätter gechmiert werden kann. Wenn Sie Glück haben, überlebt das ganze Staudenbeet mit Ausnahme des Baumtropfens.

      • Jürg Brechbühl sagt:

        Sie widersprechen mir nicht wirklich. Ich sehe an Ihrem Einwand nichts, was das Immergrün als Lichtkonkurrent des Baumtropfens ausschliesst.
        Sie können ja das Immergrün solange behalten bis der Baumtropfen verschwunden ist und es danach wieder ausjäten. Also hätten Sie vielleicht zwei oder drei Jahre Schneckenplage aber dafür nicht weitere 20 oder 30 Jahre Baumtropfen.

        Ich habe einfach zwei mögliche Bodendecker aufgeschrieben, die mir in den Sinn kamen. Man könnte auch Stauden suchen, die tiefer wurzeln als der Baumtropfen und dann das ganze vom Wurzelraum her aushungern, zum Beispiel auf einen trockenen Sommer warten oder ein Zelt spannen und den Regen abhalten.

        Bleibt immer noch das round up. Aber das sehe ich eher als Verzweiflungstat und weniger als Ratschlag für den Gärtner.

    • Laura Fehlmann sagt:

      Bezüglich Immergrün muss ich Ihnen widersprechen Herr Brechbühl: Es wuchert zu stark und bietet den Schnecken Unterschlupf.

      • Bolzli Marina sagt:

        Freunde von mir haben es so gemacht wie Sie, Herr Brechbühl, sie entschieden sich aber für Walderdbeeren als Bodendecker. Nach gut einem Jahr dominieren die Walderdbeeren etwa 2/3 der Fläche – ich bin erstaunt und beeindruckt. Zudem freuen sich auch die Kinder daran. Nächsten Frühling werde ich „unserem Baumtropf“ mit Walderdbeeren zu Leibe rücken. Und Laura, dein Garten sieht wunderbar aus!

        • Laura Fehlmann sagt:

          Walderdbeeren habe ich letztes bei den Heidelbeersträuchern als Unterpflanzung gesetzt. Sie vermehren sich fleissig, Unkraut wächst dort nicht mehr. Allerdings bieten die Erdbeeren den Schnecken einen wunderbar kühlen, schattigen Unterschlupf.

Kommentar

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