Primel-Überdruss

Gerade komme ich vom Garten herein, wo ich mal wieder geschaut habe, was bei diesem Wetter wohl so wächst. Nicht allzu viel, da erzähle ich Ihnen bestimmt nichts Neues. Eine aber guckt immer und überall aus dem Boden – die Primel. In jeder Ecke des Gartens habe ich sie schon ausgezupft, unter jeder Staude hervorgeholt und hinter jedem Strauch ausgerissen. Egal ob Sonne oder Schatten, sie wächst. Egal ob zwischen Bodendeckern, mitten in der Fetthenne oder links und rechts vom Rosenstock, sie wächst.

Nicht nur, dass sie mir im Grossverteiler jeweils schon nachgeworfen wird, wenn draussen weit und breit noch nichts gedeiht, weil nämlich tiefer Winter ist. Bis weit in den Frühsommer hinein begleitet sie mich dann auf meinen täglichen Gängen, im Dorf, in der Stadt, auf dem Weg zur Arbeit. Auf den 500 Metern vom Bahnhof zum Büro komme ich an zig Blumenkästen vorbei, in denen sie blüht. Oder verblüht noch ein bisschen verweilen darf, weil gerade die Zeit fehlt, etwas Neues zu pflanzen. Und so eine verdorrte Primel, das muss selbst der grösste Fan eingestehen, ist kein schöner Anblick.

Kommt sie dann trotzdem mal raus aus dem Kistchen, hat sie ihr Leben noch lange nicht ausgehaucht. Denn sie ist ja eine Dankbare. Verpflanzt man sie in den Garten, gedeiht sie dort prächtig weiter, überwuchert ganze Landstriche und macht allem anderen den Garaus (s. oben). Dabei, ich schwöre es, habe ich in den letzten 10 Jahren keine Primel mehr in meine Beete gesetzt. Ist mir eines dieser Gewächse zugetragen worden, was im Frühling ja immer mal wieder geschieht, weil sie, siehe noch einmal oben, zu Millionen verkauft werden, habe ich es einen Moment lang gegossen, dann – meist nicht ganz unabsichtlich – vergessen und schliesslich entsorgt. Nicht auf dem Kompost, wohlverstanden, weil Unkraut gehört dort nicht hin. Wo also kommen all die Primeln in meinem Garten her? Ich weiss es nicht. Eines aber ist gewiss: Sie haben hier nichts verloren.

Sie mögen recht haben, wenn Sie denken, dass ich jetzt gerade ein bisschen übertreibe. Aber meine Geduld mit der kleinen, feinen Primel ist endgültig zu Ende. Denn wie gesagt: Gerade komme ich vom Garten herein. Und was guckt aus dem Boden, dort, wo eigentlich das Frauenherz in voller Blüte stehen sollte? Eine Primel! Frost- und winterhart ist sie zu allem Ungemach ja auch noch.

1 Kommentar zu «Primel-Überdruss»

  • Laura Fehlmann sagt:

    Dieses Problem habe ich mit meinen Erdbeeren. Vor 2 Jahren kaufte ich eine Art Monatserdbeeren, die mehr Ableger als Beeren produzieren. Ein Bodendecker, der den ganzen Garten überwuchen würde, liesse man ihn.

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