Natürlich! Dünger!

Dünger ist Ideologiefrage. Das merkt man schon nur an der Wortwahl. Der Bauer nennt diese Tätigkeit, die er durchaus nicht ungern ausübt, nicht Streuen oder Düngen, er spricht von Säen. Bis ich auf dem Land wohnte, meinte ich, säen könne man nur etwas, das auch wächst. Seither ist klar: Rücken die motivierten Bauern mit Traktor und einer Ladung blauen oder weissen Kügelchen aus, ist Düngersäen angesagt. Immerhin bekommen die Pflänzchen einen schönen Schub. Was für Auswirkungen das längerfristig für den Boden hat – wiederum Ideologiefrage.

Ich halte es lieber natürlich. Wie Kollegin Fehlmann schon angedeutet hat, eignen sich Brennnesseln ganz vorzüglich als Dünger. Brennnesseljauche (umgangssprachlich natürlich Bschütti) ist ganz einfach herzustellen und wirkt Wunder.

Man nehme so viele Brennnesseln, wie man finden kann. Dabei ist wichtig, dass sie 1. noch nicht blühen und dass man 2. behandschuht ist (wobei das Brennen der Nesseln ja gut gegen Gicht sein soll). Man stopfe diese Nesseln in ein grosses, abschliessbares Gefäss.

Man füge Wasser bei. Ungefähr so viel, dass die Brennnesseln gut bedeckt sind. Man schliesse und warte. Alle paar Tage kann die Brühe umgerüht werden. Sie beginnt schon bald ziemlich zu stinken, und es bilden sich weissliche Blasen. Sehr gut, der Gärungsprozess ist im Gange. Nach zwei, drei Wochen kann die Bschütti zum Einsatz kommen. Unbedingt verdünnt, das heisst, etwa ein Liter Bschütti auf zehn Liter Wasser. Ausser bei Karotten und Zwiebeln ist die Bschütti fast bei allen Pflanzen beliebt.

Und apropos Dünger: Bevor ich anpflanze, hacke ich das Feld und mische etwas zweijährigen Kompost und ein paar Handvoll Hornspäne unter. Auch so bekommen die Pflänzchen einen schönen Schub. Säen ist somit nicht mehr nötig.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.