Frostschutzmittel

Die Beete sind gewappnet für die frostigen Nächte.

Die Sonne brannte, die Vegetation schoss ins Kraut. Auch wir spürten den Frühling. In den letzten Wochen zog es uns hinaus in den Garten. Dort beackerten wir die Beete, und wir säten und pflanzten bereits einiges aus.

Leider. Denn jetzt bricht der Winter in aller Härte nochmals über die zarten Pflanzen herein: –3 Grad Celsius sagen die Meteorologen für den frühen Freitagmorgen voraus, und für die beiden Tage zuvor zwischen 0 und –2 Grad. Die Macher des Wetter-Alarms haben eine Warnung der Stufe 3 verschickt: In den Nächten auf Donnerstag und auf Freitag drohe in der Agglomeration Bern „strenger Frost“.

 

Ein eisiger Wind fegt übers Viererfeld. Wir sind fast allein hier im Familiengarten. Einzig die Arealverantwortliche lässt sich vom unwirtlichen Wetter nicht abschrecken. Sie bestärkt uns in unserem Vorhaben: Wenn die Temperaturen gleich in mehreren Nächten so tief unter den Gefrierpunkt fallen, so rät die erfahrene Gärtnerin, decke man die Beete besser ab. Allerdings seien längst nicht alle Pflanzen gleich sensibel. Die Erdbeeren etwa, die bereits zu blühen begännen, würde sie unbedingt schützen, Gurken und Basilikum sowieso. Weniger empfindlich seien Erbsen. Und auch Salat und Kohlrabi vertrügen Kälte gut.

Mit Wassertropfen: Das Vlies nach einem Tag.

Der Wetterumschwung hat uns kalt erwischt. Wir müssen mit dem alten Vlies durchkommen, das wir auf dem Estrich gefunden haben. Dieses reicht für drei Beete sowie die neue Rose. Die Heidelbeere und die Meertrübeli hingegen müssen selber über die Runden kommen. Die beiden Apfelbäume, die derzeit in voller Blüte stehen, sind sowieso zu gross für wärmende Wickel. Während einige Bauern in ihren Plantagen Riesenföhne anwerfen oder zumindest Wärmekerzen entfachen, müssen wir der Natur freien Lauf lassen.

Das Werk ist vollbracht. Die Bise lässt das Vlies flattern. Beim Betrachten des Schauspiels fragt man sich unweigerlich: Bringt das einfache Abdecken mit (nicht ganz neuem) Vlies überhaupt etwas? Wir machen eine kleine Feldstudie: Auf dem nackten Gartenbeet messen wir 6.7 Grad. Unter dem Vlies hingegen registriert unser Sensor 8.3 Grad. Der Unterschied ist also mit gut eineinhalb Grad eher klein. Aber vielleicht sind gerade diese entscheidend. Zudem schützt das Vlies vor der Bise – und reduziert damit den Windchill-Effekt. Sofern es diesen bei Pflanzen auch gibt.

Wie schützen Sie Ihre Pflanzen bei Kälteeinbrüchen? Wir freuen uns auf Ihre Ratschläge und Hinweise.

6 Kommentare zu «Frostschutzmittel»

  • Marina Bolzli sagt:

    Die blühenden Erdbeeren haben wir mit Plastikbögen gedeckt. Kabis, Kohlrabi und Salat mit Vlies. Vor die Salate und den Fenchel im Tomatenhaus haben wir Vlies und Kartoffelsäcke gespannt. Kefen und Zwiebeln müssen ungeschützt mit dem Wetter klar kommen – allerdings könnte es sein, dass die Zwiebeln später aufstängeln. Und die selbst gezogenen Tomaten- und Peperonisetzlinge haben wir mitsamt Anzuchtkiste ins Haus gezügelt…

    • Jürg Brechbühl sagt:

      In Ihrer Aufzählung sind die Tomaten als einzige frostempflindlich. Beim Fenchel wird allerdings vom Frost das Signal zum Aufstengeln gesetzt. Der ist hinüber.

      • Marina Bolzli sagt:

        Danke, Herr Brechbühl, ich bin nicht ganz einverstanden: Erbeerblüten erfrieren bei Frost, sie wechseln dann von gelb zu schwarz im Innern (geschah übrigens auch letztes Jahr), die Pflanze selbst erfriert natürlich nicht – aber es gibt weniger Erdbeeren. Kabis kann bei grosser Kälte analog zum Fenchel aufstängeln, ebenfalls Zwiebeln (weiss ich von meinem 80-jährigen Nachbarn, der sein Leben lang gegärtnert hat). Und: Ich bin zuversichtlich, dass der Fenchel im Tomatenhaus genug geschützt war.

        • Jürg Brechbühl sagt:

          Ich schätze, das gibt einfach neue Blüten bei den Erdbeeren. Da wird einfach die Ernte verzögert. Aber das kommt vermutlich auf die Sorte an, ob sie neue Blüten macht. Ich pflanze immer einen Teil der Zwiebeln im Herbst und ernte sie als eher kleine Frühlingszwiebeln. Da bekomme ich das Aufstengeln nicht mit. Von Kabis verstehe ich nicht so viel.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Ich weiss nicht, was der Matthias Born von Beruf ist. Aber tagsüber, wenn Sonnenlicht absorbiert wird, unter dem Vlies messen ist nicht grad so stichhaltig, um die Abkühlung in einer Frostnacht abzuschätzen.
    Beim Frost kann das Vlies zwar die Wärmekonvektion vermindern. Jedoch überall dort wo es in direktem Kontakt mit Pflanzengewebe ist, da wird die Wärmeleitung kaum unterbrochen.
    Ich finde es immer härzig, wie verspielte Männer mit ihren Gerätlein die Welt erretten wollen. Aber dem Schweizer Journalismus im allgemeinen würde ein bisschen naturwissenschaftliche Grundkenntnis gut tun.

  • Mathias Born sagt:

    Die Temperatur unter dem Vlies ist in den betreffenden Nächten zweimal unter den Gefrierpunkt gefallen. Der Tiefstwert lag bei -1.8 Grad. Ich hoffe noch immer, dass ich mit der Vlies-Aktion — wenn auch nicht die Welt — wenigstens meine bescheidene Erdbeerernte gerettet habe.

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