Lücken füllen

 

Kürzlich brachte die Zustellbeamtin ein Paket. Rechteckig, 10 Kilo schwer und beschriftet: „Lebende Pflanzen“ stand darauf. Darüber war ich recht froh, denn mit toten Pflanzen hätte ich herzlich wenig anzufangen gewusst. Im Paket waren – fein säuberlich jeweils zu zweit in ein grosses, festes Papier gewickelt – 30 kleine Buchsstauden, Sorte Blauer Heinz. Jede von ihnen war zusätzlich mit einem gelben Netz umwickelt, wohl damit die zarten Triebe nicht brechen.

Die Blauen Heinze werden in diesen Tagen in den Garten umquartiert, um dort die Lücken zu schliessen, die der Zünsler letzten Sommer in das vor zwei Jahren gepflanzte Buchsmuster gefressen hat. Natürlich hätte es nicht so weit kommen sollen, natürlich hat man gewusst, dass der Buchsbaumzünsler in allen Gärten rundherum schon zu Besuch war, und natürlich hätte man damit rechnen können – nein, müssen –, dass er bald auch im eigenen auftaucht. Aber nein. Unerschütterlich optimistisch (oder naiv?), wie ich nun mal bin, wenn es um Schädlinge geht, rechnete ich fest damit, dass der Zünsler unsere Beete grossräumig umfliegt.

Die erste Lücke ist gefüllt.

Das tat er natürlich nicht. Darum muss ich nun Lücken füllen. Ich hoffe nur, dass mir diesmal der Muskelkater erspart bleibt, den ich nach der ersten Buchsaktion zu erleiden hatte. Nach der Plackerei war die Treppe tagelang ein schier unüberwindbares Hindernis. Und etwas vom Boden hochzuheben, war eine Aufgabe mit stark erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Hätte ich vor der Aktion geahnt, wie schwer sich Bodendecker, die jahrelang wuchern durften, von ihrem Platz vertreiben lassen, ich hätte die Idee gleich wieder begraben. Und die insgesamt 90 Stauden, die für das geplante Muster nötig waren, pflanzten sich natürlich auch nicht selber ein. Aber ich will mich nicht beklagen. Die Buchse gedeihen und machen sich richtig gut – wenigstens diejenigen, die der Zünsler, respektive dessen Raupe, nicht gefressen hat.

Für diesen Frühling und Sommer gilt auf jeden Fall: Augen auf, Gärtnerin!

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