Unkräuter als Gourmet-Zutat, Dünger und Proteinquelle

Es gibt Leute, die kaufen Löwenzahn, Brennnesseln und Bärlauch auf dem Markt. Ich nicht. Bei mir wachsen diese Pflanzen im Überfluss, sodass ich glatt Marktfahrerin werden könnte. Wer weiss, vielleicht wären einige Leser froh darüber? Vorläufig bewirtschafte ich meine Unkräuter nebenberuflich. Zum Beispiel mische ich im Frühling regelmässig junge Löwenzahnblätter in den Salat. Diese sollen blutreinigend und gut für die Leber sein.

Brennnessel (Urtica).

Ungeeignet für Salat sind hingegen Brennnesseln. Denn auch die ganz kleinen brennen bereits. Apropos: Die Brennhaare sollen gut gegen Rheuma sein. Vermutlich brennen die Stiche tagelang, sodass man die rheumatischen Schmerzen nicht mehr spürt…

Ich koch damit lieber ein Süppchen. Für zwei Personen ernte ich etwa ein Pfund der obersten zwei Blattreihen mit der Schere (mit Handschuhen) und lege das unkrautige Gemüse in Essigwasser ein. Angeblich entschärft der Essig die Brennhaare. Ich vertraue trotzdem lieber auf die Gummihandschuhe. Nun werden die Brennnesseln gespült und die harten Stängel entfernt. Nun mische ich sie mit einem Dutzend gewachsener Bärlauchblätter.

Bärlauch (Allium ursinum).

In der Pfanne schmilzt ein Stück Butter, und ein Gemüsebouillonwürfel wird aufgelöst. Darin dünste ich nun Bärlauch und Brennnesseln sanft an, gebe eine Handvoll gehackte glatte Petersilie dazu.

Mmh — wie gut das riecht! Ich füge gut einen Liter Wasser hinzu. Das Ganze wird fünf Minuten geköchelt und mit zwei Dezilitern Milch, in der zwei Teelöffel Maizena aufgelöst wurden, durchgekocht. Schliesslich wird das Gebräu mit dem Stabmixer püriert. Fertig ist die Naturgemüsesuppe.

Sie schmeckt wunderbar aromatisch und ist fast gratis. Im Restaurant würde sie sicher 10 Franken kosten. Ich empfehle, das Rezept möglichst bald nachzukochen, weil man Bärlauch nur ernten soll, solange er nicht blüht. Meiner hat schon Knospen. Auch die Nesseln sollten nur bis zum Blühen geerntet werden.

Wer nicht wochenlang Suppe essen will, kann die Blätter trocknen und den Rest des Jahres Detox-Tee daraus zubereiten. Dieser wirkt reinigend. Gemischt mit einem Schuss Apfelessig, macht er wunderschön glänzende Haare.

Zuletzt noch ein Tipp für Eiweiss-Junkies: Brennnessel-Samen enthalten viel pflanzliches Protein. Sie können getrocknet und ins Müsli gemischt werden. Sie sollen nussig schmecken. Bleibt zu hoffen, dass die Sämchen keine Brennhaare haben.

PS: Auch im Garten sind Nesseln nützlich. In Wasser vergärt, entsteht eine stinkende Brühe, mit der Pflanzen gedüngt werden können.

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