Der Widerspenstigen Zähmung

Natalie Escher am Dienstag, den 21. Juni 2016

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Gibt es in der weiten Gartenwelt da draussen einen Hundsrosebesitzer (weibliche Personen sind auch angesprochen), der sein Gewächs bedingungslos, ohne Wenn und Aber liebt? Ganz ohne Vorbehalt? Ja? Dann soll er oder sie sich doch bitte bei mir melden, ich kann das nämlich nicht glauben. Da hat jemand schlicht und einfach die rosa Brille auf.

Ich meinerseits leide und kämpfe jedes Jahr von Neuem mit meinen Hundsrosen. Jawohl, Mehrzahl, denn die Pflanze breitet sich aus wie Unkraut. Durch jahrelange Zusammenarbeit habe ich gelernt, dass ich meine Pflanzenmonster nur geschützt durch Langarmkleidung und Lederhandschuhe zurück schneiden sollte. Das Gewächs hat die ganze Dornen-Palette: von grossen, dicken Enterhaken bis zu kleinen, ganz gemeinen Dörnchen, die unbemerkt unter die Haut gehen und dort nach einigen Tagen eine fiese Entzündung auslösen.

Jedes Jahr schimpfe ich vor mich hin, drohe, verzweifle, leide, bis schliesslich die alten Triebe entfernt sind und ich total zerzaust und zerkratzt dastehe. Wenn sie dann aber im Frühsommer in voller Blüte steht, meine Rosa canina, und so vielen Insekten Nahrung bietet, dann habe ich mich wieder ausgesöhnt. Und ich liebe sie wieder. Bis zum nächsten Jahr…

 

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Schöne ewige Nässe

Balz Rigendinger am Donnerstag, den 16. Juni 2016

Es regnet seit Tagen. Jammern nützt nichts. Die schönen Seiten der ewigen Nässe.

Der Brokkoli scheint imprägniert

Der Brokkoli scheint imprägniert

Auch am Kohlrabi perlt der Regen ab

Auch am Kohlrabi perlt der Regen ab

Roter Mohn

Roter Mohn

Erdanziehung und Oberflächenspannung im freundschaftlichen Wettstreit

Erdanziehung und Oberflächenspannung im freundschaftlichen Wettstreit

Wird die schwarze Johannisbeere schwarz

Wird die schwarze Johannisbeere je schwarz?

Gelbe Rose lässt den Kopf hängen

Gelbe Rose lässt den Kopf hängen

Feuchtnasse Rose

Feuchtnasse Rose

Gammelndes Kletterröschen, aber das nächste macht sich schon bereit

Gammelndes Kletterröschen, aber das nächste macht sich schon bereit

Vollgesogenes Margritli

Vollgesogenes Margritli

Pflotschnasse Buschblüte

Pflotschnasse Buschblüte

Weisser Mohn

Weisser Mohn

Noch eine pflotschnasse Buschblüte

Noch eine pflotschnasse Buschblüte

Ast mit Regentropfen

Ast mit Regentropfen

Ihr scheints zu gefallen

Ihr scheints zu gefallen

Geknickter Kohlrabi im Wasserbad

Geknickter Kohlrabi im Wasserbad

Gut benetztes Löienmüli

Gut benetztes Löienmüli

Erdbeeren, kaum reif sind sie schon faul

Erdbeeren, kaum reif sind sie schon faul

Damit soll der Regen nicht gelobt sein. Gemüse und Obst leiden grausam. Man muss im Juni 2016 froh sein, wenn man nicht Bauer ist. Arme Bauern. Hundsgemeine ewige Nässe.

 

Kuhfladen statt Kunstdünger

Laura Fehlmann am Dienstag, den 14. Juni 2016

Salat

 

Manchmal kommen mir die Pflanzen in meinem Bio-Garten mickrig vor. Trotz Komposterde und einer Gabe Hornspäne, die im Frühling auf die Beete kommen, sehen meine Pflanzen selten richtig üppig aus. So bediene ich mich ab und zu auf der angrenzenden Weide, wo Kühe ihre Fladen liegen lassen. Mein Rezept: Eine Giesskanne mit (Regen)wasser, etwa die Hälfte eines frischen Kuhfladens, mischen, rühren und fertig ist das Dünger-Konzentrat. Ein Sprutz davon ins Giesswasser sollte Salat- und Kohlköpfe gross und kräftig werden lassen. Das hatte ich gehofft. Weil der Regen derzeit aber die Erde durchschwemmt, kriegen meine Pflanzen zu wenig Nährstoffe ab – trotz Kuhfladen. Zudem ist giessen jetzt mehr als überflüssig und somit auch das Anwenden meiner Geheimrezeptur. Aber die Giesskanne mit meinem Bio-Dünger steht bereit.

Grünzone auf Bahngleisen

Sibylle Hartmann am Freitag, den 10. Juni 2016

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Während in der Stadt Bern mittlerweile an diversen Ecken alte Eisenbahn- und grüne Plastikkisten zwecks Urban Gardening aufgestellt sind, musste man sich hier in New York diesbezüglich etwas anderes einfallen lassen. Oder wer will schon Gemüse essen, dass auf Höhe der Abertausend Auspuffe von Yellow Cabs, Polizeiwagen und allen anderen Autos in die Höhe gesprossen ist? Nicht umsonst steht auf jeder Packung mindesten einmal 100 «Percent organic».

So wurde vor zehn Jahren die High Line, eine ehemalige Hochbahnhstrasse für Güterzüge im Westen von Manhatten in eine Grünfläche umgewandelt. 2009 wurde der erste Teil des sogenannten High Line Parks eröffnet. Wer hier allerdings gärtnernde New Yorker erwartet, liegt falsch. Die Parkanlage ist mehr etwas für die Seele anstatt für den Magen.

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Die 2,33 km lange ehemalige Güterstrasse ist ein sorgfältig gepflegter Spazierweg, zwischen den Bahngleisen spriessen Büsche und Wildblumen und alle paar Meter laden originell designte Bänke zum Verweilen ein.

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Und sogar Kunstliebhaber kommen hier auf ihre Kosten:

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Auch wenn im High Line Park nicht wie vermutet dem Urban Gardening gefrönt werden kann, 15 Meter über dem Trudeln der Stadt lässt es sich herrlich entspannen und definitiv freier atmen.

 

 

Bienchen, wo bist du denn?

Natalie Escher am Dienstag, den 7. Juni 2016

Ackerstreifen

Sie kennen die Aussage «Früher hat es so viele Schmetterlinge gegeben und jetzt sieht man kaum noch welche»? Und zwar vorgetragen in einem leicht vorwurfsvollen Ton, als ob das Gegenüber daran Schuld wäre? Ja? Sie haben diesen Satz auch schon geäussert? Ich selber kann diese Feststellung weder bestätigen noch verneinen, ich erinnere mich schlicht und einfach nicht mehr daran. Was ich aber mit grosser Bestimmtheit weiss, weil es nämlich durch wissenschaftliche Studien belegt ist, ist die Tatsache, dass die Biodiversität im Agrarraum massiv abgenommen hat. Jetzt könnte man gelangweilt mit den Achseln zucken und es als Luxusproblem einiger verklärter Naturschützer und romantischen Blogschreiberinnen abtun, die es beklagen, dass es weniger «Blüemli» und «Tierli» hat. So eine Haltung zeugt jedoch von krasser Ignoranz und Fehlen von minimalem Wissen um die Bedeutung von artenreichen Ökosystemen und deren Wichtigkeit.

Fettwiese

Mit der Entfernung der Ackerbegleitflora geht nicht nur die Nahrungsgrundlage enorm vieler Insekten verloren, sondern auch die Speisekarte von Insektenfressern wird enorm reduziert. Es passiert immer wieder, dass Vogelbruten schlicht und einfach verhungern, weil Insekten fehlen. Wenn jedoch die Räuber fehlen, und dies sind mitnichten nur Vögel, sondern beispielsweise auch viele verschiedene andere Insektenarten, dann haben die Schädlinge leichtes Spiel und vermehren sich in einem ungesunden Masse. Was passiert? Mensch spritzt Insektizid. Und die bereits dezimierten Insektenfresser haben es nun noch schwerer, Nahrung zu finden, bzw. werden selber auch gleich entfernt, wenn sie als Insekten zur selben Tierklasse wie die Schädlinge gehören. Es ist eine Abwärtsspirale sondergleichen, aber leider ist dies noch nicht bis zur Mehrheit der Bevölkerung unseres Landes durchgedrungen.

Es gibt unzählige nationale und internationale Untersuchungen zum Wert von Ackerstreifen, Hecken und Feldgehölzen. Artenarme Ökosysteme sind sehr anfällig für Störungen. Man legt sein Geld auch nicht in einer Aktiengemeinschaft an, sondern stützt es breit ab, damit das Risiko besser verteilt ist. Mit einem Ökosystem ist es genau dasselbe. Und wer jetzt glaubt, das gehe ihn einen feuchten «Schnägg» an, dem muss ich sagen: Wir sind Teil davon, es geht uns sehr wohl etwas an!

Und zum Schluss, seien wir doch ehrlich: Es öffnet das Herz, wenn man über einen bunten Wiesenstreifen schaut und sich die Zeit nimmt, den Tierchen bei ihrem geschäftigen Tun zuzusehen. Was gut für die Seele ist, hält auch den Körper gesund. Mens sana in corpore sano. Und das freut doch die Krankenkassen.

Kind und Garten – kleine Gebrauchsanweisung

Balz Rigendinger am Freitag, den 3. Juni 2016

Als ich gestern im Dunkeln nach Hause kam, trat ich vor der Haustüre fast auf ein unaufgeräumt daliegendes Etwas. Heute Morgen zeigte es sich bei Licht: ein Werk der Kinder, und nicht das schlechteste, selbst angemalte Schneckenhäuser, garniert mit Tannzapfen, Blättern und Blumen. Die Poesie der Komposition rührt auch aus dem Staunen, dass Kinder völlig Unspektakuläres zum Spektakel machen können. So gesehen sind Kinder auch Pflänzchen, was ohnehin zutrifft. Anlass für ein paar Gedanken über Kinder und Garten.

Mit Wasserfarbe angemalte Schneckenhäuser, Tannzapfen, diverses Blattgrün, Blümchen.

Mit Wasserfarbe angemalte Schneckenhäuser, Tannzapfen, diverses Blattgrün, Blümchen.

Meine Erfahrung ist: Man muss die Kleinen nicht für den Garten begeistern, es kommt von selbst, oder auch nicht, was auch in Ordnung ist. Wenn Eltern das Bedürfnis verspüren, ihre Begeisterung fürs Gärtnern mit den Kindern zu teilen, gilt also wie bei allem:

  1. Einfach sein Ding machen
  2. die Kinder sein lassen
  3. sie imitieren es ohnehin.

Wir waren bei Freunden zu Besuch, den Garten teilen sie mit dem Nachbar, und der ist ein begeisterter Gärtner. Das zeigt sich an seinem Sohn. Der 10-Jährige hantierte die ganze Zeit in den Beetchen, jätete da, hätschelte dort, in ruhiger Zufriedenheit, das Normalste auf der Welt. Später zeigte der Bub meiner Tochter, was er noch so macht. Das war echt hübsch, eine kleine Pflanzenzucht.

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Der Nachbarsbub zeigt, was er so macht.

Bubenwerk: Genau geplant und gewissenhaft umgesetzt.

Bubenwerk: Minutiös geplant, gewissenhaft umgesetzt.

Und es funktioniert sogar.

Und es funktioniert sogar.

Es ist davon auszugehen, dass dieser Bub in ein paar Jahren mit seiner Begeisterung auch das andere Geschlecht für sich begeistern wird können. Hier hat Papa seine Zeit mit dem Jungen also nicht vergeudet.

Schauen wir mal, was Papa macht:

Irgendwoher muss es der Bub ja haben.

Irgendwoher muss es der Bub ja haben.

 

Normalerweise wird ein Kind, vor allem wenn es kleiner ist, aber eher noch spielen wollen. Also sind Schnecken, Würmer und Käfer im Verein mit Gebüsch, Bäumen und Dreck nahezu perfekt.  (Übrigens haben wir diese Woche in meinem Frühbeet – siehe hier – ein Ameisennest ausgehoben, das war ein Riesenabenteuer für die Mädchen.)

Spiel mit mir, sagt dieser Baum.

Spiel mit mir, sagt dieser Baum.

Ich habe vor einiger Zeit meinen Mädchen Kinderwerkzeug gekauft: Eine Harke, eine Schaufel und einen Rechen. Das war nicht die beste Idee, es gibt immer Streit. Wenn ich reche, streiten alle drei um den Rechen. Wenn ich schaufle, streiten sie um die Schaufel. Dasselbe gilt für die Kinder-Gartenhandschuhe, davon gibt es dummerweise auch nur ein Paar, und sie brauchen dieses auch nicht zum Gärtnern, es sind Käferhandschuhe geworden.

Als Klassiker, um Kinder für das Gärtnern zu begeistern, gelten:

  • schnelle Pflanzen wie Kresse und Radieschen, oder eindrückliche Pflanzen wie die Sonnenblume.
  • man gibt dem Kind sein eigenes Beetchen, wo es nach Herzenslust gärtnern darf.

Ich halte wenig von beidem. Aus diesen Gründen:

  • eine schnelle Pflanze wächst für ein Kind noch immer praktisch gar nicht. Sie nehmen Zeit anders wahr, das kann im Garten ein Problem sein.
  • Wenn der Spass mit dem Abstecken des Territoriums vorbei ist, taucht genau dieses Problem auf, oft in Form von Löwenzahn, denn Kinder funktionieren nicht territorial, sondern grenzüberschreitend. Das Beetchendenken kommt dann später.
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Eigenes Beetchen, liebevoll abgesteckt. Aber kennen Sie ein Kind, das Grenzen mag?

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Radieschen gilt als Kinderpflanze, weil es schnell wächst. Aber kennen Sie ein Kind, das Radieschen mag?

Zwei Dinge funktionieren hingegen perfekt:

  1. Das Kind erhält eine eigene Pflanze.
  2. Imitation

Zur Imitation habe ich Ausführungen gemacht, hier noch ein Bild dazu:

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Perfekte Nachahme: Mama hat aus dem Garten ein Sträusschen geholt (links). Tochter hat aus dem Garten auch ein Sträusschen geholt (rechts).

Dem Kind eine eigene Pflanze zu geben – möglichst eine langjährige und pflegeleichte – funktioniert, weil es an den Instinkt des Kindes andockt, sich zu binden (ich bin kein Psychologe und weiss nicht, ob es sowas gibt, aber meine Beobachtung lässt die Vermutung zu).

Wir haben unsern Kindern Rosenbäumchen zugesprochen. Die werden geschätzt, verteidigt, intensiv beobachtet und innerlich geherzt.
Ich überlege mir nun, den drei Mädchen auch Basilikum, Minze und Schnittlauch zuzusprechen. “Hol mir mal vom Schnittlauch”, das klappt bei uns meist nur zufällig. Besser funktionieren wird: “Bringst du mir mal von deinem Schnittlauch?”

 

Glyphosat oder Unkraut jäten?

Laura Fehlmann am Dienstag, den 31. Mai 2016

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Vor einigen Jahren hatten (Schreber)gärtner einen schlechten Ruf. Bodenproben hatten ergeben, dass Gartenerde vielerorts grosse Mengen von Pestiziden enthält. Vor allem in den Städten wurden daraufhin die Vorschriften verschärft, Herbizide und andere Gifte verboten. Viele Gartenfreunde gärtnern deshalb biologisch oder gar bio-dynamisch. Und seit Benzin bleifrei ist, enthält Stadtgemüse auch weniger Schwermetall.

Dagegen, entschuldigen Sie, liebe Bauern, wird auf Feldern und Äckern frischfröhlich gegiftet. Vor allem im Frühling stinkt es öfter nach Kunstdünger als nach Gülle.  Die Bauern spritzen alle Wildkräuter mit Glyphosat zu Tode bevor sie etwas anbauen. Deshalb sehen im Frühjahr viele Äcker tot aus. Die Pflanzen werden gelb und braun, sterben.  Erst wenn der Regen das Gift in den Boden und ins Grundwasser geschwemmt hat, kann (giftresistente) Saat ausgebracht werden: Mais beispielsweise, dem Glyphosat nichts anhaben kann.

Kein Wunder finden sich in fast allen Lebensmitteln Spuren von Agro-Giften.

Viele meinen, dass ein Glyphosatverbot eine gute Lösung wäre. Ja, vielleicht für die Erde und das Grundwasser. Kein Glyphosat würde aber bedeuten, dass die Felder gejätet werden müssten. Wer würde das erledigen? Unschädliche Herbizide gibt es nicht. Bioanbau heisst jäten. Wer weiss das besser als wir Gärtner? Wir jäten unzählige Stunden und schonen dabei die Umwelt. Das heisst aber nicht, dass wir uns wegen der Agro-Gifte keine Sorgen machen.

 

 

 

 

 

Hip und historisch

Sibylle Hartmann am Samstag, den 28. Mai 2016

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In unserer Strasse ist definitiv das Gartenfieber ausgebrochen. Kaum scheint die Sonne, wird gepflanzt, gegossen und gewerkelt. Während wir uns immer noch beim Abschleifen und frisch Anstreichen des Gartenbänklis meiner Grossmutter abkämpfen, haben unserer direkten Nachbaren ein neues Beet an die Hausmauer gezimmert und weiter oben an der Strassen hat jemand sogar Reben für eine Pergola angepflanzt. Die Kreativität kennt also keine Grenzen bei uns an der Aare.

Und offenbar grassiert das Gartenfieber nicht nur bei uns, sondern in der ganzen Stadt Bern. Obwohl wir eigentlich jede freie Ecke schon bepflanzt haben und nun wieder mit den wachsenden Pflänzchen mitfiebern, besuchten wir letzten Sonntag den ProSpecieRara-Zierpflanzenmarkt in der Elfenau. Und nicht nur wir hatten diese Idee. Vor den Ständen mit Tomaten, Auberginen und was das Gärtnerherz alles begehrt, in zig verschiedenen Varianten, trat man sich beinahe auf die Füsse. 7200 Besucher haben die siebte Ausgabe des Marktes besucht – so viele wie noch nie.

Wir waren «zum Glück» nur noch auf der Suche nach drei Pflänzchen für den Dreifachtopf, wo vorher die Aprilglocken drin waren. Die Verkäuferin schaute mich schief an. Das sei aber gar nicht gut, Pflanzen in so kleine Töpfe zu stecken. Wie viel Städter, die Urban Gardening betreiben, musste sich diesen Satz wohl anhören? Ich lächelte tapfer und kaufte an einem anderen Stand eine rote und eine gelbe Mohnblume und weisse eine Scabiosa – für sieben Stutz pro Pflänzchen. Nicht ganz billig, aber dafür habe ich etwas zur Erhaltung von historischen Zierpflanzen beigetragen.

Chacun à son goût

Natalie Escher am Dienstag, den 24. Mai 2016

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Wir haben in unserem Garten einen zweigriffligen Weissdorn, der innerhalb von zehn Jahren zu einem Strauch von beachtlicher Grösse herangewachsen ist. Jetzt im Frühjahr steht er in voller Blüte und ist übersät mit hübschen kleinen, weissen Blumen. Verblühen sie, sieht es aus, als ob es geschneit hätte.

Der Strauch gehört zur Familie der Rosengewächse und die Bienen lieben ihn über alles. Wer nun jedoch glaubt, was schön aussieht und mit den Rosen verwandt ist, müsse auch gut riechen, der ist auf dem Holzweg. Denn der Weissdorn stinkt, dass Gott erbarmt. Nicht etwa wie der Flieder, dessen starker Duft man entweder liebt oder hasst, weil er so süss und schwer ist. Nein, der Weissdorn stinkt. Punkt. Die Bienen hingegen werden wie magisch von ihm angezogen. Er verströmt ja auch weit herum reichend seinen Gestank, pardon, Duft. Es summt und brummt im Strauch, als ob er lebendig wäre. Ich mag den Tierchen die reich gedeckte Tafel wirklich gönnen, aber ich frage mich, wie der Honig, der daraus entsteht, wohl schmecken wird…

Wenn der Nachbar nicht will

Balz Rigendinger am Freitag, den 20. Mai 2016

Letzte Woche kam im TV ein Dok-Film über Nachbarschaftsstreitigkeiten, diese entzünden sich oft an der Grundstücksgrenze, in der Gartenzone also. Nun haben aber auch die Gemüsepflanzen ihre Grundstücksgrenze, und es gibt Nachbarn, die sich vertragen, und Nachbarn, die sich nicht leiden mögen.

Gute Nachbarn machen einander stark und fördern sich gegenseitig, schlechte Nachbarn machen sich das Leben schwer: Die Pflanzen gedeihen schlecht. Hier könnte der Mensch von den Pflanzen was lernen. Unter dem Begriff “Mischkultur Tabelle” finden sich im Internet ganz gute Anleitungen, die sich umsetzen lassen. Ich habe hier folgende Tabelle gefunden:

mischkultur

Ich nahm mir diesen Frühling vor, dies mal ernsthaft zur berücksichtigen. Ich suchte also eigentliche Verträglichkeitscluster und setzte darum nebeneinander

  • Mais – Gurke (mit Dill) – Blumenkohl
  • Kartoffel – Bohnen (mit Bohnenkraut) – Kohlrabi
  • Rüebli – Fenchel – Salat
  • Sellerie – Lauch – Gurke

Eine Entdeckung war für mich, dass sich Tomaten offenbar mit Brokkoli gut vertragen. So ergibt sich am Tomatenstandort nun folgender Verträglichkeitscluster

  • Tomaten – Pfefferminze – Brokkoli – Knoblauch
Erstmals versucht: Brokkoli neben Tomate, umrandet von Minze und Knoblauch.

Erstmals versucht: Brokkoli neben Tomate, umrandet von Minze und Knoblauch.

Ein Klassiker der guten Nachbarschaft: Radieschen (vorne), Rüebli (gesät in den braunen Streifen) Kohlrabi (links), Randen (rechts), dahinter folgen dann die Erdbeeren.

Ein Klassiker der guten Nachbarschaft: Radieschen (vorne), Rüebli (gesät in den braunen Streifen), Kohlrabi (links), Randen (rechts), dahinter folgen dann die Erdbeeren.

Zwei Mitnehmsel aus meiner Beschäftigung damit sind

  • Salat verträgt sich praktisch mit allem, der ideale Lückenbüsser also,
  • Ähnliches gilt für Kohlrabi (ausser mit Gurken), auch diese finden praktisch überall Platz
Die beiden vertragen sich auch.

Die beiden vertragen sich auch.

Zwei Worte noch zum Starkregen der vergangenen Woche:

  1. Die Schnecken kamen aus ihren Löchern. Für mich beruhigend: Mein Garten ist noch immer dominiert von Weinbergschnecken. Die fressen offenbar die Eier der weitaus gefrässigeren Nacktschnecken und sind darum das kleinere Übel. Ich lasse sie also gewähren.
  2. Ich vergass den Kompost abzudecken. Die Rotte wurde dadurch zu nassem, stinkigem Mist. Wieder was gelernt.

  • Sibylle Hartmann

    Sybille Hartmann Sibylle Hartmann (33) arbeitet als Redaktorin bei Bernerzeitung.ch. Aufgewachsen in einem Dorf im Gürbental, empfand sie als Teenager die Gartenarbeit ihrer Eltern als furchtbar spiessig. Als sie vor zwei Jahren in die Matte zog, liess sie sich von ihrem Freund trotz vermeintlich fehlendem grünen Daumen zum Tomatenpflanzen im Hinterhof hinreissen. Und plötzlich fieberte sie täglich mit dem Gemüse mit und wagt nun jährlich mehr punkto Urban Gardening.
  • Laura Fehlmann

    Laura Fehlmann Laura Fehlmann (60) ist seit 20 Jahren Redaktorin im Team Region Bern der Berner Zeitung. Trotz Vollzeitjob und anderen Leidenschaften kann sie das Gärtnern nicht lassen. Sie pflegt ihre Staudenbeete, den Rasen, die Hecke, den Kräuter- und Gemüsegarten, obschon ihr oft alles über den Kopf wächst. Angetrieben wird sie von der Liebe zu den Pflanzen und dem Fernziel, einen englischen Park hinzukriegen.
  • Claudia Salzmann

    Claudia Salzmann Claudia Salzmann (32) arbeitet als stellvertretende Onlineleiterin bei Bernerzeitung.ch. Den grünen Daumen entdeckte sie im mütterlichen Garten im Emmental. Seit 1999 wohnt sie in der Stadt Bern und hat einige Kilo Erde auf Berns Balkone geschleppt. Nun ist sie in die hintere Lorraine umgezogen und kultiviert dort das urbane Gärtnern an der nahen Aare.
  • Natalie Escher

    Natalie Escher Natalie Escher (47) ist Biologin, Familienfrau, leidenschaftliche Gärtnerin und lebt mit ihrer Familie im Emmental. Etwas konzeptlos versucht sie seit Jahren, einen Cottage-Garden zu gestalten, ist aber leider noch Lichtjahre von ihrem Ziel entfernt. Sie gibt aber nicht auf und nimmt jedes Jahr erneut die Chance wahr zur Verwirklichung ihres Traumes.
  • Balz Rigendinger

    Balz Rigendinger (44) ist Redaktor bei der Bernerzeitung und freier Autor. Er hat im Frühjahr 2015 in Biel mit seiner Familie ein Einfamilienhaus bezogen und fand abgesehen von ein paar alten Hecken den ganzen Umschwung als kahle Erde vor. Es gab also viel zu tun, denn er wollte Nutz-, Zier- und Spielgarten anlegen. Zuvor lebte er in Bern und Zürich, wo er einen Schrebergarten zu bewirtschaften versuchte.
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