Ausnahmeerscheinung Männertreu

Laura Fehlmann am Freitag, den 19. August 2016

Mnnertreu

Kürzlich im Hochgebirge habe ich das Schwarzes Männertreu angetroffen, (Nigritella nigra Orchidaceae) eine Orchideenart, klein und unscheinbar. Man nennt es auch Kohlröschen. Das Blümchen wächst bis 2500 Metern über Meer. Ich legte mich auf den Boden, um seinen wunderbaren, vanilleähnlichen Duft zu geniessen.

Meine Begleiter hatten die Blume nicht wahrgenommen. Für sie hat sie nicht dieselbe Bedeutung wie für mich, die immer noch ein getrocknetes Exemplar aus dem Südtirol aufbewahrt, das mir meine Oma vor etwa 50 Jahren (!) mit einem Brief geschickt hat.

Das Wahrnehmen von Pflanzen ist ein grosses Thema.  Die Fähigkeit, zu erinnern, wann und wo wir eine Pflanze gesehen haben, ist ein seltenes Geschenk. Man hat sie, oder hat sie nicht. Auf besagter Wanderung rief einer meiner Begleiter begeistert: “Schau, Männertreu – so selten ist die gar nicht!” Es waren verblühte Thymianblüten… Männertreu ist eben wirklich äusserst rar.

Modelmasse

Natalie Escher am Dienstag, den 16. August 2016

Ich weiss nicht, was in meinem Garten los ist, alles stängelt hoch. Die Mariendisteln hatte ich ja schon thematisiert. Sie sind aber beileibe nicht die einzigen Pflanzen, die auf Heidi Klum machen, also lang und dürr. Meine Herbstastern schiessen in die Höhe und statt dass sie schön buschig und üppig blühen, wachsen lediglich einzelne riesige Stängel. Die Knospen nehmen es gemütlich und gehen im Wochenabstand eine nach der anderen auf. Farbexplosion sieht anders aus. Desgleichen zittern die Cosmeenblüten und die wunderschöne Rose aus England auf dünnen Stängelchen einzeln und mager in Richtung Himmel.

P1100984Das ganze Trauerspiel wiederholt sich im Gemüsebeet. Statt dass der Lauch an Umfang zunimmt, wird er hoch und dünn und blüht bereits, obwohl er erst fingerdick ist und auch der Fenchel bleibt lieber schlank. Letzterer blüht nun aber wirklich sehr üppig und ich lasse eh immer eine Knolle im Beet für die Tiere. Ich erlaube auch immer einer oder zwei Lauchpflanzen zu blühen, aber eben, eigentlich nicht mehr.

Am Meisten hat mich der Blumenkohl enttäuscht. 6 Setzlinge, keine Köpfe. Nix. Nada. Irgendwie ging es vom Setzling direkt zur blühenden Pflanze über.

Nein, heuer ist irgendwie nicht mein Gartenjahr.

Wege des Wassers – Garten bewässern

Balz Rigendinger am Freitag, den 12. August 2016
Garten bewässer - Schläuche

Garten bewässern: Blau geht in die Erde, grün kommt vom Regenfass, rechts der kommune Gartenschlauch. Elegant ist das nicht, aber sehr nützlich.

Diese Woche war mein bescheidenes Härdöpfelfeld bereit zur Ernte. Ich nahm die Grabgabel und wurde von einer Goldgräberstimmung erfasst: Ran an die gelben Knollen.

Den Garten bewässern – ein Beispiel

Weil ich also ziemlich viel Eifer entwickelte, dachte ich nicht mehr an die kleinen Bewässerungsschläuche, die ich im Frühling 20 Zentimeter unter der Oberfläche fachmännisch in die Erde gelegt hatte. Prompt zerstach ich einen. Ein guter Anlass, um an dieser Stelle einmal transparent zu machen, wie man als Hobbygärtner den Garten bewässern kann.

Garten bewässern - unterirdisch

Bewässerungsschlauf nach dem Härdöpfelstechen. Links die inzwischen wieder geflickte Stelle.

Mein erstes Gartenjahr im Eigenheim war letztes Jahr, das war – wie jeder weiss – geprägt von diesem Brutalo-Sommer mit Wochen von regenloser Hitze. Was schleppte man da Giesskannen, und bei mir kam all das Wasser aus dem Brunnentrog, den ich täglich morgens füllte und abends wieder leerte. 300 Liter im Tag, das war der Schnitt, und billig war das nicht, Leitungswasser eben.

Mit Wasser ökonomischer an die Wurzeln

Also begann ich mir im Winter Gedanken zu machen, wie man Wasser ökonomischer zu den Pflanzen bringen könnte.

Hier gilt es kurz eine Klammer zu öffnen: Als wir vor zwei Jahren den Bagger auf dem Grundstück hatten, wälzte ich die Idee, einen 2000-Liter-Regenwassertank in die Erde zu setzen, aber meine Partnerin winkte ab, das war ihr irgendwie zu mächtig für etwas, das unter der Erde schlummern würde. Klammer zu.

Zunächst stellte ich diesen Frühling also unter jeden der beiden Dachabläufe einen 300 Liter Wassertank. Einem der beiden verpasste ich einen Überlauf-Schlauch in den Brunnentrog, das setzte meine Gesamt-Regenwassersammelkapazität auf 900 Liter, was okay ist. Dann stolperte ich im Internet auf ein unterirdisches Bewässerungssystem, das mich überzeugte. Es bringt das Wasser direkt und tröpfchenweise zu den Wurzeln, kein Streuverlust durch Verdunstung, kein Rumspritzen mit dem Sprinkler, kein Giesskannen-Schleppen, einfach toll. Wem langweilig ist, empfehle ich dieses Video des Herstellers, er wird sich so schnell nicht mehr langweilen.

Garten bewässern - Regenfass und Brunnentrog

Regenfass (rechts) und Brunnentrog macht 600 Liter Regenwasser, immerhin.

Ich habe diese Anschaffung – auch wenn die Verlegung nicht frei von Pannen war – nie bereut.

Regenwassertank unterirdisch?

Natürlich ist ein solches Bewässerungssystem (ich kaufte die Profivariante) für einen Garten, der eine Grösse wie den meinen hat, etwas übertrieben. Ich kann mit diesem kleinen Fleck Irrationalität in meiner Biografie bisher recht gut umgehen. Denn einmal die Woche eine halbe Stunde den Garten bewässern, das reicht – und das wiederum scheint mir sehr vernünftig.

 

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Dicke Mulchschicht aus Hamsterhanf für den Oleander.

Ohne Mulchen läuft gar nichts

Gemulcht habe ich dennoch, das macht einfach Sinn: Eine Mulchschicht bremst die Bodenverdunstung ganz enorm, einerseits, weil sich die Oberfläche gar nicht so sehr aufheizt, andererseits, weil das verdunstende Wasser in der Schicht gefangen wird.

Hamsterhanf aus der Tierabteilung

Dieses Jahr mulchte ich nebst den Beeten auch ganz satt in den Töpfen, und ich staune: Die Oleander habe ich diesen Sommer noch nicht ein einziges Mal giessen müssen, die Erde war immer schön feucht. Sie hatten anfangs Sommer eine 4 cm Mulchschicht erhalten, etwas Rasenschnitt zunächst, und dann – weil es am billigsten ist – Hamsterstreu, also gehacktes Hanf. Das mutet ganz ähnlich an wie Schilfmulch, kostet aber weniger und ist überdies recht hübsch. Man findet es in der Tierabteilung jedes Do-It-Geschäfts.

Ich gebe dies den Töpfen und den Tomaten. Auf die Beete kommt kommuner Rasenschnitt und einfach alles, was ich jäte oder sonst auf dem Kompost landen könnte, sämtlicher Pflanzenabfall. Sofern er samenfrei ist, natürlich.

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Alles ist Mulch.

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Mulch ist alles.

Gott spielen im Staudenbeet

Laura Fehlmann am Dienstag, den 9. August 2016

Staudenbeet

 

Letzten Herbst legten wir das grosse Staudenbeet neu an. Einige Pflanzen hatten sich zu sehr ausgebreitet und drohten, alles zu überwuchern. Stundenlang gruben wir das Beet bis 50 Zentimeter tief um und suchten akribisch alle Wurzeln von Baumtropfen, Physialis und Winden, pflanzten neue Stauden, die prächtig überwinterten. Alle überlebten, zwischen den Stauden war aber viel Platz, auf dem Winden und Zinnkraut sprossen. Der Dauerregen half ihnen dabei und ich stach Abend für Abend neue Sprösslinge dieser Wildkräuter aus. Dann pflanzte ich Sommerblumen dazwischen: Tagetes, Kapuzinerkresse, Cosmea und Kornblumen.

Die einjährigen Blumen versuchen nun mit Kräften, sich gegen die winterharten Stauden durchzusetzen. Sie bedrängen sich gegenseitig, kämpfen um Platz und Licht und ich stehe ständig vor dem Dilemna: Welche Pflanze lasse ich zugunsten der anderen stehen? Welche muss weg, damit eine andere überlebt? Es widerstrebt mir, Gott zu spielen!

Die Tradition des Lebensbaums

Sibylle Hartmann am Freitag, den 5. August 2016

Blust eines Apfelbaumes. © Hans WŸthrich Diesen Beitrag weiterlesen »

All Creatures Great and Small

Natalie Escher am Mittwoch, den 3. August 2016

Garten2014048

Ich staune immer wieder, wie erbarmungslos Gärtner mit den Mitbewohnern in ihrem Garten umgehen. Haben sie vier Beine und ein Fell, ist alles i.O. (oh, jöh, hesch gseh, es Igeli isch i üsem Garte gsi!). Haben sie sechs Beine, wird es schon etwas ungemütlicher für die Tiere. Flattern sie nicht mit schön bunten Flügeln über die Blumen oder bestäuben fleissig Obst- und Gemüseblüten, dann sind sie eklig, unnütz oder gar schädlich. Wobei dies alles Attribute sind, die von einer anthropozentrischen Betrachtungsweise ausgehen.

Ja, auch ich ärgere mich über die Spanischen Nacktschnecken. Aber nein, die Blattläuse lassen mich kalt. Und auch die Ameisen, die sich vor allem im Frühjahr breit machen, nerven mich nicht. Der Buchsbaumzünsler tangiert mich nicht, da wir keinen Buchs im Garten haben und Dickmaulrüssler ertrage ich mit stoischer Ruhe und lasse die Natur die Sache regeln. Das Einzige, das mein Herz bluten lässt, ist der doofe Mehltau, der fast alle meine Rosengewächse zum Striptease zwingt. Aber Mehltau ist ja auch kein Tierchen.

Es war ein nasser Frühling und Frühsommer, deshalb haben meine Kletterrose und der Weissdorn dieses Jahr wieder mal schon im Sommer Herbstgefühle und sind nackig.

Blattläuse habe ich in grossen Mengen nur über zwei bis drei Wochen im Frühling. Es stimmt, meine Pflanzen haben dann ein hartes Los, aber sie bekommen recht schnell Unterstützung von Marienkäfern, Florfliegen und Ohrwürmern. Denen ich übrigens die Nahrungsgrundlage entzogen hätte, wäre ich mit Gift hinter die Blattsauger gegangen. All die Jahre ist mir noch nie eine Pflanze wegen Blattlausbefall eingegangen.

Die Nacktschnecken sammle ich ein und bringe sie auf eine Schafweide. Nein, weder zerschneide ich sie, noch ertränke oder überbrühe ich sie. Mit Schneckenringen, Einsammeln und ansäen von immer wieder anderen Blumenarten versuche ich, eine erträgliche Koexistenz zu erreichen.

Ameisen? Habe ich bis jetzt nie als Schädlinge angesehen. Im Verlauf des Frühjahres «büschelen» sie sich und haben sich bis zum Sommer ihre Unterkünfte an den Rändern des Gartens und unter Töpfen gesucht.

Ja, so bin ich halt. Ich liebe meine Gartentierchen, auch wenn sie mich manchmal nerven.

Schlafender Mohn

Laura Fehlmann am Sonntag, den 31. Juli 2016

Mohnkapsel

Heimlich öffnete ich als kleines Mädchen geschlossene geschlossene Knospen von Schlafmohn (Papaver somniferum), versuchte, die zerknitterten Blütenblätter zu glätten, die bald abfielen war mir ein schlechtes Gewissen machte. Dieses packte mich wieder, wenn ich im Südtirol im Garten der Tante halbreife Mohnkapseln klaute. Die frischen Samen entwickeln beim Kauen einen nussigen Geschmack, der süchtig macht – ist es das darin enthaltene Morphin? Ich konnte jedenfalls fast nicht aufhören, von diesen Samen zu naschen.

Mohnfeld

In Südtirol sieht man bis heute kleine Mohnfelder. Werden die Kapseln trocken und braun, hebt sich das Hütchen, die Samen lassen sich durch kleine Löcher herausschütteln. Was für ein Wunderwerk! In meinem Garten versamt sich der Schlafmohn selber, keimt zuverlässig und die zarten Blüten machen Freude.

Viele Kapseln

Verwendet werden sie unter anderem für Krapfen, ein Festtagsgebäck.

Ernte

Krapfenteig ist aus Roggenteig, auf dünn ausgewallte Kreise wird eine Füllung mit gemahlenem Mohn, Topfen (eine Art Quark), Rosinen oder Marmelade gelegt. Zur Hälfte zusammengelegt, mit Wasser zugeklebt und im Öl ausgebacken schmecken sie wunderbar – vor allem mit Mohn aus dem Garten. Mehr Informationen zu Schlafmohn finden Sie hier.

Urban Gardening-Trend schon vorbei?

Sibylle Hartmann am Dienstag, den 26. Juli 2016

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Der Urban Gardening-Trend hält an, keine Frage! Ein Blick in das Lorraine-Pärkli, wo in der dritten Saison jeweils zwölf glückliche Quartierbewohner eine Gartenparzelle beackern dürfen, könnte jedoch das eine oder andere Fragezeichen diesbezüglich aufwerfen. Ein Abschnitt ist regelrecht überwuchert. Eine weitere Parzelle liegt gar brach. Was ist da los? Ist nach zwei Jahren bereits die Luft raus und von Urban Gardening wird mehr gesprochen, als es in der Tat betrieben wird?

Andreas Jans, Bindeglied zwischen Stadtgrün Bern und den Gartenpächtern der Parzellen im Lorraine-Pärkli, winkt ab. Im Gegenteil: Auf die Entwicklung in der dritten Saison angesprochen, gerät er ins Schwärmen. «Es wächst alles so gut und hoch wie noch nie.» Der Grund dafür liege darin, dass im Garten mitten im Lorraine-Pärkli einige Änderungen vorgenommen wurden. «Letzten Herbst hat Stadtgrün in 70 Zentimeter Tiefe eine Vlies verlegt, damit die Wurzeln der umliegenden Bäume dem Garten nicht die Nährstoffe und das Wasser entziehen», erzählt Jans. Weiter seien diesen Frühling die Beete mit Bio Chair Erde angereichert worden.

Die Salate, Rhabarbern, Tomatenstauden und diverse Blumen zeugen davon. «Alle sind happy», so Jans. So happy, dass neu einmal im Monat ein Apéro im Lorraine-Pärkli veranstaltet werde. Aber Moment, was ist mit den beiden Sorgenkindern, dem brachliegenden und dem überwucherten Abschnitt?

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«Wenn alles so gut wächst, gilt das natürlich auch für das Unkraut», sagt Jans und lacht. Das Tempo ist wohl den beiden Parteien im wahrsten Sinne über den Kopf gewachsen. Die eine gibt per Herbst auf – sehr zur Freude der obersten Person auf der Warteliste. Die andere hat sich offenbar für einen kompletten Neustart entschieden – wenn auch mitten im Sommer. Der Urban Gardening Trend hält im Lorraine-Pärkli also trotzdem ungebrochen an.

Tod den Ameisen

Balz Rigendinger am Dienstag, den 19. Juli 2016
Diese hier sind natürlich explizit nicht mitgemeint: Waldameisenhaufen, die Freude jedes Wanderers.

Diese hier sind natürlich explizit nicht mitgemeint: Waldameisenhaufen, die Freude jedes Wanderers.

Wir schreiben Dinge, die empfindliche Gemüter in Aufregung versetzen könnten und empfehlen diesen daher die nachfolgende Lektüre nicht.

Es muss am nassen Frühling liegen, den Ameisen geht es sehr gut. Sie breiten sich aus. Sind sie auch gut? Gewiss für irgendwas, aber nicht für den Garten, also auch nicht für uns Gärtner. Ich habe bereits an anderer Stelle dargelegt, mit welch triumphalem Spass meine Kinder vor kurzem ein Ameisennest ausgehoben haben. Seither habe ich drei weitere entdeckt, die Vernichtungsaktionen sind zur Routine geworden. Sie laufen so:

  1. Zwei Liter heisses Wasser kochen
  2. im Nest rumnodern, bis die Insekten ganz aufgeregt herumkrabbeln
  3. Das kochende Wasser über die ganze Krabbelei ergiessen
  4. Nach einer halben Stunde nachprüfen und den Rest erledigen

Hier nun zeigt sich der Gärtner also von seiner sonst eher verschwiegenen Seite, der brutalen. Aber ja, man zerschneidet auch Schnecken, tötet Blattläuse und eben: Man vernichtet Ameisen völkerweise.

Kürzlich hatte ich einen Kollegen zu Besuch, ein Gartenfreund mit grossem Wissen, er begutachtete meinen kleinen Apfelbaum und murmelte “Ameisen”, noch eher er nahe genug am Baum war, um die Diagnose zu überprüfen. Aber es stimmte. Man sieht einem Gewächs den Ameisenbefall von weitem an. Es geht dem Baum dann einfach nicht gut. Wie ausgetrocknet steht er da. Er wirkt gestresst. Wäre es ein Mensch, man würde ihm Akne, Krätze und Schlaflosigkeit anvermuten.

Dasselbe mit den Rosen: Eine Arbeitskollegin erzählt mir von einem Befall, der noch keine Rose zum Blühen gebracht hat. Wo sonst um diese Jahreszeit die Pracht ja fast schon abklingt oder zum zweiten Mal erscheint.

Und mit dem Salat: Ameisen an den Wurzeln, und der Salat welkt ärger als bei Dauerregen.

Mein Nachbar hat seine eigene Theorie, er vermutet im Ameisenvolk eine Art genetischen Code. Er stellte fest, dass neue Völker in seinem Haus die Wege von Völkern gehen, die er vor Jahren ausgerottet hatte. Das kann auch an Duftspuren liegen. Letztlich zeugt seine Vermutung aber nur von der Verzweiflung, die jeder kennt, der schon Ameisennester im Haus hatte.

Die Kollegin mit den Rosen ging gleich mit Gift dahinter. Das kommt bei meinem Salat oder im Tomatenbeet nicht infrage, die Schadstoffe würden übers Gemüse in den Körper gelangen, und dazu sind sie nicht gedacht.

Es gibt Gärtner, die in den Ameisen nicht nur Schädliches sehen. Sie appellieren daran, sie mit holzwollegefüllten Blumentöpfen umzusiedeln. Man stelle die Töpfe auf ihre Wege, die Insekten lässen sich darin nieder, dann könne man sie wegtragen.

Ausserdem helfe Lavendel, Zitrone oder einiges, was auch sonst stark rieche, das werde von den Tierchen gemieden. Ein Kollege hat es im Ferienbungalow mit Deospray versucht, direkt auf die Strasse gegossen. Es half gut, für zwei Tage. Immerhin, für Zelt und Bungalow scheint es also ein probates Mittel.

Übrigens: Wenn der Mensch seine Klimaerwärmung zu Ende entwickelt hat und dereinst wegen ihr vom Planeten verschwunden sein wird, wer übernimmt dann die Weltherrschaft? Es könnten die Ameisen sein, wegen ihrer kollektiven Intelligenz und ihrer hoch entwickelten Kommunikationsfähigkeiten, das sagen nicht wenige Forscher, wissen  kann es niemand.

Es ist auch darum nicht das Abwegigste, den Krieg mit der Ameise allmählich mit einer gewissen Ernsthaftigkeit anzugehen. Wer es tut, ist übrigens immer in guter Gesellschaft, wir Ameisenskeptiker verstehen uns.

Nicht verschweigen wollen wir aber: Ohne Mensch hätte die Erde plötzlich viel Freude und würde sich prächtig erholen. Ohne Ameisen? Das wäre für alle Ökosysteme die totale, sofortige Superkatastrophe.

Vermisst: Nacktschnecken!

Laura Fehlmann am Dienstag, den 19. Juli 2016

 

 

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Immer wieder Dauerregen. Ich hatte innerlich schon resigniert und mit einer Schneckeninvasion gerechnet. Aber obschon mein Garten nur auf 3 Seiten einen Schneckenzaun hat, ist zu meiner grossen Verwunderung nichts passiert. Nun gut, ein paar Kohlköpfe haben Löcher. Aber Erdbeeren, Salat, Zucchettiblüten – alles intakt. Ich glaube das ja nicht! Haben die sonst so gefrässigen Nacktschnecken plötzlich etwas gegen meinen Biogarten?

Nein. Sie haben bloss etwas gefunden, das ihnen besser passt. Knapp 10 Meter neben dem Garten ist ein kleines Wäldchen. Dort deponieren wir Rasenschnitt, Äste, Unkraut und was sonst noch Grobes anfällt. Das ergibt einen riesigen Walm, auf dem sich hunderte, nein: tausende von Schnecken ernähren. Dazu kommte ein weiterer Grund für die Absenz der schleimigen Gartenplage: zwischen dem Schneckenparadies und dem Garten gibt es verwilderte Ecken mit Gras, Brennesseln, Gebüsch. Dort leben viele, viele Weinbergschnecken. Diese fressen bekanntlich sehr gerne Nacktschneckeneier. Deren Fortpflanzungsphase ist jetzt abgeschlossen. Sie haben ihre Eier abgelegt – ein Paradies für Weinbergschnecken.

Mein Tipp: Legen Sie eine Futterstelle für Schnecken an, möglichst ausserhalb des Gartens. Platzieren Sie ein paar Weinbergschnecken an Stellen, wo Sie Nacktschnecken vermuten. Vertrauen Sie der Natur und verzichten Sie auf Schneckenkörner.

  • Sibylle Hartmann

    Sybille Hartmann Sibylle Hartmann (33) arbeitet als Redaktorin bei Bernerzeitung.ch. Aufgewachsen in einem Dorf im Gürbental, empfand sie als Teenager die Gartenarbeit ihrer Eltern als furchtbar spiessig. Als sie vor zwei Jahren in die Matte zog, liess sie sich von ihrem Freund trotz vermeintlich fehlendem grünen Daumen zum Tomatenpflanzen im Hinterhof hinreissen. Und plötzlich fieberte sie täglich mit dem Gemüse mit und wagt nun jährlich mehr punkto Urban Gardening.
  • Laura Fehlmann

    Laura Fehlmann Laura Fehlmann (60) ist seit 20 Jahren Redaktorin im Team Region Bern der Berner Zeitung. Trotz Vollzeitjob und anderen Leidenschaften kann sie das Gärtnern nicht lassen. Sie pflegt ihre Staudenbeete, den Rasen, die Hecke, den Kräuter- und Gemüsegarten, obschon ihr oft alles über den Kopf wächst. Angetrieben wird sie von der Liebe zu den Pflanzen und dem Fernziel, einen englischen Park hinzukriegen.
  • Claudia Salzmann

    Claudia Salzmann Claudia Salzmann (32) arbeitet als stellvertretende Onlineleiterin bei Bernerzeitung.ch. Den grünen Daumen entdeckte sie im mütterlichen Garten im Emmental. Seit 1999 wohnt sie in der Stadt Bern und hat einige Kilo Erde auf Berns Balkone geschleppt. Nun ist sie in die hintere Lorraine umgezogen und kultiviert dort das urbane Gärtnern an der nahen Aare.
  • Natalie Escher

    Natalie Escher Natalie Escher (47) ist Biologin, Familienfrau, leidenschaftliche Gärtnerin und lebt mit ihrer Familie im Emmental. Etwas konzeptlos versucht sie seit Jahren, einen Cottage-Garden zu gestalten, ist aber leider noch Lichtjahre von ihrem Ziel entfernt. Sie gibt aber nicht auf und nimmt jedes Jahr erneut die Chance wahr zur Verwirklichung ihres Traumes.
  • Balz Rigendinger

    Balz Rigendinger (44) ist Redaktor bei der Bernerzeitung und freier Autor. Er hat im Frühjahr 2015 in Biel mit seiner Familie ein Einfamilienhaus bezogen und fand abgesehen von ein paar alten Hecken den ganzen Umschwung als kahle Erde vor. Es gab also viel zu tun, denn er wollte Nutz-, Zier- und Spielgarten anlegen. Zuvor lebte er in Bern und Zürich, wo er einen Schrebergarten zu bewirtschaften versuchte.
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