Berner Köchinnen: Retro kochen

Alles am «Berner Kochbuch» ist etwas retro: Das Layout, immerhin kam die letzte Ausgabe 1996 heraus. Die Nahrungsmitteltabelle im Anhang, die rät, Kohlenhydrate «je nach Appetit» zu sich zu nehmen. Und viele der Rezepte, die «Gleichschwerkuchen» statt «Matcha-Quinoa-Cupcakes» oder Rindszunge statt «Geräucherter Tofu» umfassen. Anlass für uns, ein ganzes Retro-Menü zu kochen.

Zum Auftakt gibt’s einen hundsgewöhnlichen Blattsalat, mit einer Sauce, die rockt. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle Leserinnen und Leser, die sich mit ihren «perfekten» Saucen bei uns gemeldet haben. Tatsächlich haben «Die Berner Köchinnen» mittlerweile aufgrund der Einsendungen zu einem  Hausdressing gefunden, das sich sehen, beziehungsweise schmecken lassen kann: Olivenöl (nicht Sonnenblumenöl!), Essig, Mayo und Senf, frische Kräuter und – Retro-Trommelwirbel – Maggi-Würze!

Zum Hauptgang servieren wir Riz Casimir. Nicht etwa mit einer Fertigsauce von Maggi, sondern einer selbst angerührten. Der erste Versuch nach dem «Berner Kochbuch» scheitert. Einmal mehr weiss Mutter Rat: Mehl in Butter anbraten und die Masse erst einmal abkühlen lassen. Dann geht’s weiter mit Milch und Currypulver, fertig! Das Ergebnis mundet, ist aber ein bisschen sehr scharf geraten, da wird versehentlich zur schärfsten Currymischung des Hauses gegriffen haben… Die Früchte, selbstredend aus der Dose, arrangieren wir mandalaartig. Das muss sogleich fotografisch festgehalten werden.  Mit einem Retro-Filter, versteht sich.

Zum Dessert backen wir die «Gleichschwertorte». Weil der Name lustig klingt und uns der Kuchen geschmacklich in die Kindheit zurückversetzt.  Rhabarber, die kurz vor ihrem Saisonende noch bei uns rumliegen, landen kurzerhand und kleingeschnitten in der Masse. So ist vielleicht das Gleichgewicht des Originalrezepts gestört, dem Geschmack tut dies aber keinen Abstrich. Wir essen uns zufrieden in die Achtzigerjahre und katapultieren uns erst mit dem Absackerli, einem hippen «Ingwerer»-Schnaps, zurück in die Gegenwart.

 

(Catoon: Max Spring)

In der Serie «Berner Köchinnen» arbeiten sich die «Magazin»-Redaktorinnen Stefanie Christ und Nina Kobelt durch das gesamte «Berner Kochbuch» (Ausgabe 1996).

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