So wird der Abend perfekt

Der Gast ist König
Vor der → Rezeptsuche muss man die Allergien der Gäste kennen. Es gibt nichts Schlimmeres als folgende Panne, die mir einmal passiert ist: Ein Gast erwähnte zufälligerweise beim Apéro, dass er allergisch auf Gurken ist und seit 12 Jahren keine mehr gegessen hat. Ich stürzte in die Küche und stellte fest, dass die Gurke noch nicht geschnitten war und sie keine anderen Zutaten berührt hatte. Auch Vorlieben sollte man klären: Ein anderer Gast hasst Fenchel, der omnipräsent in der Vorspeise war. Gekochte Tomaten mag er nicht, die in der Hauptspeise als Sauce natürlich alles andere «kontaminiert» hatten. Als guter Gastgeber fragt man bei seinen Gästen – wenn man sie nicht gut kennt – nach, ob sie Vegetarier oder Veganer sind. Immerhin machen diese zwei Gruppen zusammengerechnet über ein Zehntel der Bevölkerung aus. Letzthin hatte ich ein Menü zusammengestellt, als ich merkte, dass eine vegane Freundin zugesagt hatte. Somit zurück zum Start. Kleine Aufmerksamkeiten machen Gäste glücklich. Eine Freundin liebt Churros, weshalb ich die ins Menü integrieren wollte. Das Lächeln bei solchen Überraschungen ist unbezahlbar. Und vielleicht verzieh sie mir dafür, dass ich den Rest versaute.

Die Rezepte sind yummy


Nie Rezepte kochen, die man nicht kennt, sonst geht sicher etwas schief, und man blamiert sich. Hier plaudere ich lieber nicht über Vergangenes, ich koche immer nach neuen Rezepten. Ich setze dabei auf die Kochbücher von Yotam Ottolenghi oder auf die Page Essen-und-trinken.de, von wo bisher jedes Rezept sensationell war. Toll fand ich die neue Plattform von Coop, Fooby, und wählte einen Dreigänger aus. Die Vorspeise war eine Avocado-Bündnerfleisch-Taco, wobei die Taco wegen falscher Mengenangaben hart wie eine Schuhsohle war. Der Hauptgang war ein Braten, bei dem ich die Hitze- und die Zeitangabe reduzierte, weil ich einen neuen Ofen habe. Doch leider wurde das Fleisch staubtrocken. Nach dem Experiment setze ich wieder auf Altbewährtes.

Das Einkaufen ist locker
Wenn ich Gäste an Samstagen einlade, gehe ich am Donnerstag einkaufen. Das hat drei Gründe: Erstens ist niemand in den Lebensmittelläden, weil alle lieber ins Apéro gehen. Zweitens laufe ich nicht Gefahr, dass eine Ingredienz ausverkauft ist, und falls doch, habe ich zwei weitere Tage Zeit. Drittens, weil ich spezielle Zutaten vielleicht nicht in der Migros finde, sondern einen Umweg in einen Spezialitätenladen machen muss. Unbedingt auch ans → Dekorieren des Tisches denken: Servietten und Dekomaterial auf die Einkaufsliste setzen. Auf der Liste muss natürlich auch der → Wein sein, bei dem man eine Flasche mehr einkaufen sollte, da eine der Flaschen Zapfen haben könnte. Eine Flasche mehr zu haben, hilft auch, falls das → Gespräch abflauen sollte. Koffeinfreien Kaffee einkaufen.

Der Wein ist passend


Ist das Menü ausgewählt, sucht man den passenden Wein. Das tut meist mein Lieblingsmensch, der den Weinkeller mit der App Vivino nachpflegt. Oder man lässt sich vom Weinhändler des Vertrauens beraten, indem man die Rezepte kurz beschreibt. Wer sich lieber daheim in Ruhe entscheidet, sollte die App «Winestein» von Google ausprobieren. Zu unpassendem Wein habe ich auch eine Anekdote: Als ich mich noch nicht um den gegärten Traubensaft scherte, habe ich einen Rotwein zu einer Zitronen-Vinaigrette ausgeschenkt. Der Gast war ein Kenner und nahm demonstrativ keinen einzigen Schluck.

Die Kräuter sind frisch

Ähnlich essenziell wie der Wein sind frische Kräuter. Und die sind teuer, bei einem Mehrgänger gebe ich gut und gerne 15 Franken allein dafür aus. Deshalb habe ich die gängigsten Kräuter auf der Terrasse. In der Küche ist das nicht ratsam, auch wenn es toll aussieht. Die Pflanzen leiden bald unter Vergeilung, sie werden gelb, weil ihnen Nährstoffe fehlen. Ausserdem brauchen sie Wind, was Wissenschaftler mit einer Streichelmaschine zu kompensieren versuchen. Die Kräuter umtopfen, denn meist sind sie viel zu eng beieinander gepflanzt. Petersilie und Schnittlauch nicht nebeneinander setzen, da sie sich nicht mögen. Katzen hingegen mögen Basilikum, daher dieses aufhängen. Mit wenigen Töpfchen hat man immer frische Kräuter auf Lager und muss nur so viel abschneiden, wie für das Menü nötig sind.

Das Essen ist vorbereitet

Damit man beim Apéro ruhig dabei sein kann, ist das Allerwichtigste die Mise en Place. Alles schnippeln, was die Farbe und die Frische dadurch nicht verliert. Pürees und Suppen fertig kochen. Die meisten Desserts können auch schon vorbereitet werden. Saucen bis vors Abschmecken fertig kochen. Wenn das Fleisch ein Niedergarstück ist, anbraten und in den Ofen schieben. Dabei die Zeit ausrechnen, wann man den Hauptgang ungefähr einnehmen will. Weisswein und Bier kalt stellen. Wer wenig Zeit zwischen Feierabend und dem Eintreffen der Gäste hat, sollte am Vorabend anfangen. Als Belohnung genehmige ich mir dazu ein Glas → Wein.

Der Tisch ist dekoriert

Den Tisch decken, das Besteck und die Weingläser nachpolieren. Wasserglas und -karaffe plus Salz und Pfeffer nicht vergessen. Bei der Deko versuche ich immer eine Farbe, die im Essen oft vorkommt, aufzunehmen. Dazu kaufe ich passende Servietten und Dekomaterial → Einkaufen. Dabei muss es auch nichts Teures sein, manchmal reichen grüne Konfetti aus. Manchmal kaufe ich im «Lolly Pop» alle Gummidinger in einer Farbe, was den Tisch richtig farbig macht. Oder ich sortiere aus meiner Münzsammlung nur die goldenen Münzen raus. Dazu Engelshaar von der letzten Weihnacht, und fertig ist der Tisch.

Der Gast ist im Anflug

Das Fleisch aus dem Kühlschrank nehmen, damit es Raumtemperatur hat. Falls es länger braucht → Vorbereiten. Auch den Wein aufmachen und auf «Zapfen» testen. Wer selber nicht raucht, sollte trotzdem einen Aschenbecher auf dem Balkon bereitstellen, sonst muss man sicherlich während einer stressigen Kochphase einen suchen gehen. Ich sage meinen Gästen, sie sollen nichts bringen, aber die meisten schaffen es nicht, mit leeren Händen aufzutauchen. Geschenkte Blumen müssen sofort in die Vase. Einmal habe ich Pfingstrosen erst nach einer Stunde in die Kälte gestellt. Zwei Tage später liessen die Blumen den Kopf hängen. Und ich auch.

Das Essen ist aufgegessen

Die Teller stehen zum Vorwärmen im Ofen, und die Ingredienzen sind bereit. Nach dem Anrichten den Teller servieren, allfällige Kleckereien putzen. Den Teller von links servieren und so ausrichten, dass das Fleisch vor dem Gast ist. Wenn fünf Personen das Essen vor sich haben, dürfen sie laut Knigge essen. Als Gastgeber nicht vergessen, zu erzählen, welchen Wein man trinkt. Und anstossen, sonst wagt sicher kein Gast einen Schluck zu nehmen. Während des Essens das Übriggebliebene warm halten, vielleicht möchte jemand einen Nachschlag. Zwischen Vorspeise und Hauptgang erwähnen, wie viele Gänge es gibt. Vielleicht lässt ein Gast lieber eine zweite Runde weg, wenn es noch Käse und Dessert gibt.

Das Gespräch ist spannend
Es darf nur still werden, wenn das Essen gerade serviert wurde. Denn das heisst, alle geniessen die ersten Bisse. Ich habe das Gefühl, dass es bei guten Freunden und einem Tisch voller Menschen, die sich wohl fühlen, gar nicht still werden kann. Mit folgenden Themen könnte man ein Gespräch wieder in Gang bringen: Arbeit (falls laufender Vertrag), Fussball, Ferienpläne. Diese Themen besser nicht ansprechen: Arbeit (falls kein laufender Vertrag), Liebesleben, Gewicht, Kinderwünsche. Sollte mehrmals eine unangenehme Stille eintreten, war es wohl das letzte gemeinsame Essen.

Der Hunger ist weg

Nach Vorspeise und Hauptgang beobachte ich die Gäste. Halten sie sich den Bauch, gibt es eine Pause bis zum Käsegang. Jammern sie, lassen wir Käse oder Dessert gleich aus. Sobald alle satt sind, schiebe ich den Schnapswagen vor. Und biete einen Kaffee an. Viele vertragen Koffein nicht, was man beim → Einkaufen beachten sollte, und man sollte koffeinfreien Kaffee daheim haben. Wer den Abschluss wie ein Punktekoch machen möchte, hat ein Give-Away vorbereitet. Zum Beispiel ein selber gemischtes Müsli. Das muss am Vortag schon fertig sein → Vorbereiten.

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