Blätter trinken

Ich fühle mich krank, und so kommt mir der Kurs vom Vitaminkurier gerade recht: Grüne Smoothies. Karin Jüni führt diesen Kurs in Ostermundigen im  Nice Cream an der oberen Zollgasse durch. Sie führt das Unternehmen seit 2013 und ist 47-jährig. 

Mein Smoothiekonsum hält sich generell in Grenzen (besonders um die grünen, wo man kuriosen Plunder wie Federkohl drin findet, mache ich einen Bogen). Dann kommt noch eine dubiose Angst dazu, dass sie schlecht gemixt sind und ich zum Sitzungsgespött werde: Irgendwo zwischen den Zähnen klebt sicher noch ein grüner Rest. 

Nach einem kurzen Input zu Chlorophyll (Blattgrün) und Fotosynthese fangen wir mit den fünf Rezepten an. Die Harässchen an Gemüse und Früchten leeren sich erstaunlich schnell. Auch Weizengras (Bilder unten) hat Karin Jüni mitgebracht, das wir entsaften und das ein doch eher spezielles Geschmackserlebnis ist. 

10 Aha-Erlebnisse: 

  1. In einen grünen Smoothie gehören nur Blätter, kein Gemüse. 
  2. «Mägerlimucks» nehmen natürlich Wasser als Flüssigkeit. Besser wird es mit Apfel- oder Birnensaft, süsser mit Datteln und Agavendicksaft. 
  3. Bei bitteren Zutaten wie Chicorée, Löwenzahn oder Rucola hilft Zitrone.
  4. Blätter von Radiesli, Randen, Rüebli und Kohlrabi haben mehr Wertstoffe als die Knolle selber. Plus wir sind ja alle gegen Foodwaste, also rein damit.
  5. Löwenzahn, Brennnessel und Co. gibt es gratis auf der Wiese. Ausser deine Katze braucht die Wiese als Klo. 
  6. Rot und grün gibt eine braune Flüssigkeit, bei der wir alle ans Gleiche denken.
  7. Mit der Faustregel 50 Prozent Blätter, 50 Prozent Flüssigkeit geht es auch ohne Waage. 
  8. Nicht jeder verträgt die Smoothies, dann eher entsaften. 
  9. Entsafter darf nur langsam laufen, dass der Saft nicht erwärmt. Der Mixer braucht mindestens 20’000 Touren, damit die Zellwände geöffnet werden. Tipp von Karin Jüni: Schwingerprinz für 250 Franken. 
  10. Blätter zuletzt rein, damit sie vom Sog runtergezogen werden.  

Nach den Säften Münzegrüen, Grüenhorn, Grüenzouber, Grüens Wunder und Picante wurde die 7-köpfige Truppe kreativ. Schluckweise tasteten wir uns an den perfekten Smoothie ran, hier zu viel Löwenzahn, da zu wässrig. Mein Bauch war voll, mein Energiespeicher komischerweise auch. Ich ging heim, checkte meine Zähne auf Grünzeug. Test bestanden. 

Lieblingsrezept von Jünis Kreationen war der Picante: 

150 g Orangensaft

120 g Salatgurke

20 g Rucola

10 g Leinsamen

15 g Petersilie

5 g Chili

2 Prisen Kurkurma

Mein Liebling unter den Kurskreationen: 

Sprossen

wenig Löwenzahn

1 «Hämpfeli» Portulak

1,5 bis 2 dl Birnensaft

3 cm Ingwer

1/2 Limette

1/2 Papaya

2 Datteln

PS Mehr Kursdaten gibt es auf Vitaminkurier.ch. Bald dürfte es auch in der Stadt Bern Kurse geben. 

PPS Wer keine Smoothies mag, kann ab dem 18. März bei Nice Cream wieder Ice-Cream essen.

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