Berner Köchinnen: Die Waffeln der Frauen

Etwas Einfaches zu Beginn: Für das Experiment «Berner Köchinnen» (siehe unten) wählte ich ein kleines Rezept auf Seite 126 des «Berner Kochbuchs»: Mit Waffeln, so dachte ich, kann ich nichts falsch machen.

Ich kann backen. Und Waffeln, so dachte ich weiter, sind etwas für An­fänger, für Nullen, die sich nicht an richtige Kuchen wagen. Und erst das Waffeleisen – Kinderkram (ich hatte es von Kollege W. ausgeliehen, einem Mann, der jedes Kochutensil besitzt, das in der Schweiz erhältlich ist)!

Item. So ein Teig ist schnell gemacht, Butter, Salz, Eier, Mehl und Rahm. Ich setze auf die Vollkornversion, weil ich in meinem Haushalt kein Weissmehl finde (auch das eine Folge des Diktats all dieser supertrendigen, supergesunden Kochbücher). Ich schliesse das Eisen an den Strom und fülle Teig in das Waffeleisen. Wow – nach zehn Sekunden die Sauerei! Zu viel Teig, ach, und es ist bereits zu spät für Korrekturen. Also warte ich.

Ein Triumphgefühl stellt sich ein, als es nach frischen Waffeln zu riechen beginnt. Wie auf dem Jahrmarkt! Himmlisch! Ich bin eine Waffelkönigin!

Tja. Vielleicht ist es das Vollkornmehl, wahrscheinlicher aber werde ich gerade von meiner Überheblichkeit verdroschen: Die Waffeln kleben am Eisen. Der Teig ist überall, nur nicht in den Einbuchtungen, die ich grosszügig eingebuttert hatte. Also öffne und schliesse ich das Eisen immer wieder, es ist wie eine Sucht, ich machs bestimmt 30 Mal, und weil trotzdem nichts passiert, lass ich meine Krüppelwaffeln stehen. So lange, bis es verbrannt riecht. Pah.

Essbar, aber viel zu hart: die einzigen zwei Waffeln, die ich aus dem Eisen kratzen konnte.

Ich bin keine Waffelkönigin. Die Waffeln der Frauen sehen doch eh anders aus. Aber: Beim nächsten Rezept übe ich mich in Demut. Erst muss ich aber das Waffeleisen putzen.

P.S. Leserin Therese Griessen hat uns ein Uralt-Rezept geschickt, es stammt aus dem «Neuem Berner Kochbuch» von 1861 (siehe auch hier). Vielen Dank!

P.P.S. Mich hätte noch interessiert, warum Wernlis Jura-Waffeln Jura-Waffeln heissen. Doch die Firma Wernli resp. die Besitzerin Hug AG konnte mir nur so halb Auskunft geben, ist aber trotzdem total interessant!

Vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an unseren Jura-Waffeln. Wieso unsere Wernli Waffeln schon seit 90 Jahren «Jura Waffeln» heissen, wissen wir heute leider nicht mehr so genau. Wir vermuten aber, dass der Name daher kommt, dass der Herkunfts- und Produktionsort Trimbach am Jura-Südfuss liegt. Auf den einzelnen Waffelblättern der Jura-Waffeln sind ja die drei Tannen aus dem Oltener Stadtwappen abgebildet. Auch diese Prägung würde für die Herkunftsbezeichnung von Olten am Jura-Südfuss sprechen.

 

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.