Whisky im Ohr

Kann man mit Whisky besser singen? Vermutlich nicht. Ich habe es zwar selber nie versucht, und so Gott will, wird das auch so bleiben. Karaoke? Nein, danke. Über Whisky zu singen, gehört für mich jedoch zum guten Ton von guten Bands. Auch wenn das für andere nur alter Kram ist.

„Well show me the way / to the next Whisky bar“: So klang das bei The Doors, einer Band, die ich als Teenager entdeckt hatte. Whisky trank ich damals noch nicht. Aber der „Alabama Song“ hatte das gewisse Etwas, so dass ich diesen Song aus den Zwanzigerjahren, der als Cover in den Sechzigern erschien, noch in den Achtzigern gut finden konnte.

Mit etwas zeitlichem Abstand lässt sich behaupten: Beim Whisky verhält es sich ähnlich. Manche Malts haben das gewisse Etwas und das gewisse Alter, andere nicht. Was die Guten von den Schlechten unterscheidet? Ihre Identität, ihr Eigengeschmack. Ich bin überzeugt: Einen Balvenie würde ich in 9 von 10 Fällen erkennen, einen Bruichladdich in 9 von 10 Fällen nicht.

So gehts mir auch oft mit hochprozentigem Liedgut: Von „Whiskey Rock-a-Roller“ oder „Have a Drink on Me“ genügt ein Gitarrenriff, und ich weiss, wer dahintersteckt (Lynyrd Skynyrd beziehungsweise AC/DC). Allerdings sind diese Songs ebenfalls very old school, weil aus den Siebzigerjahren stammend. Kann es sein, dass es inzwischen völlig aus der Mode gekommen ist, über Whisky zu singen? Gegenbeispiele willkommen. Und wenns bloss Ed Sheeran ist, der in „Shape of You“ murmelt: „The bar is where I go / … drinking fast and then we talk slow.“



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