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Weniger Klicks für die Swiss wegen Buchungsgebühr

Von DB, 18. März 2016 8 Kommentare »
Die Zusatzgebühren der Swiss bei Buchungen im Reisebüro sind bei den Kunden gar nicht gut angekommen. Das zeigt eine Analyse des Vergleichportals Kayak.
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Von Barnaby Skinner und Matthias Pfander

Bei Flügen aus der Schweiz oder in die Schweiz dominiert die Swiss die Abfragen der Vergleichs-Plattform Kayak.ch. Doch die Kundengunst gegenüber der Airline schwankt beträchtlich, wie eine Auswertung zeigt.

Bei den ausgewerteten Daten handelt es sich um die Anzahl Aufrufe von Swiss-Flügen via dem Kayak-Portal. Darunter auch solche, die schliesslich in eine Flugbuchung mündeten. Die Zahl wurde mit dem Wert 100 per Januar 2015 indexiert. Die Auswertung gibt also einen Hinweis darauf, inwieweit die Beliebtheit der Airline schwankt.

Auffällig ist, dass Zu- und Abnahme der Swiss-Aufrufe via Kayak zeitlich mit Änderungen der Tarif- und Gebührenmodelle zusammenfallen. Mit solchen Anpassungen geriet die Airline im vergangenen Jahr gleich mehrmals in die Schlagzeilen.

 

Die Einführung der drei neuen Tarifstufen in der Economy-Klasse liess das Interesse an Swiss-Flügen bei den Kayak-Nutzern messbar ansteigen. Zur Erinnerung: Seit dem 23. Juni 2015 ist der sogenannte Light-Tarif im Angebot, der nur Handgepäck zulässt und keinen zugewiesenen Sitzplatz enthält. Im Unterschied zum Classic-Tarif, der ein Freigepäck bis 23 und einen zugewiesenen Sitzplatz enthält. Mit dem teuersten Flex-Tarif erhält der Passagier darüber hinaus einen Sitzplatz in einer bevorzugten Zone, kann umbuchen und gegen eine Gebühr den Flug stornieren.

Nicht gut angekommen ist die neue Buchungsgebühr der Swiss, die den Reisebüros aufgezwungen wurde. Seit dem September werden 16 Franken verrechnet, wenn das Ticket in einem Reisebüro über die dort etablierten Buchungssysteme gekauft wird.

Die Gebühr wurde innerhalb des ganzen Konzerns der Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa eingeführt. Die Reisebüros werfen der Fluggesellschaft Diskriminierung ihres Vertriebskanals vor und haben juristische Schritte eingeleitet. In der Auswertung der Kayak-Daten fällt auf, dass genau auf den Einführungstermin dieser Gebühr, September 2015, die Kurve mit den Zugriffszahlen abknickt.

Der Aviatikexperte Thomas Jaeger von Ch-Aviation sieht ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den Nachfrageschwankungen und den neuen Gebühren. Der Hintergedanke der neuen Buchungsgebühr liege für Jaeger auf der Hand: die Swiss sei daran interessiert, dass Kunden direkt auf ihre eigene Website buchen, und nicht bei Zwischenhändlern. So verdiene sie am meisten.

Die Swiss sagte auf Anfrage: «Wir gehen nicht davon aus, dass die genannten Ereignisse die Treiber der Click-Entwicklung auf Angebote bei Kayak darstellen.» Sie seien vielmehr von zahlreichen anderen Faktoren abhängig, wie Angebot und Nachfrage, der Wettbewerbssituation und saisonalen Nachfrageschwankungen.

Doch die Kayak-Zugriffszahlen haben auch bei der Lufthansa nachgelassen, nachdem die Buchungsgebühr eingeführt wurde.

In einer weiteren Auswertung hat Kayak neben Swiss-Verbindungen die Nachfrage via Portal bei zehn weiteren Airlines einander gegenüber gestellt. Als Richtwert und damit auf 100 indexiert, dienten dabei die Aufrufe der Air Berlin. Air Berlin, mit Etihad aus Abu Dhabi als grösstem Teilhaber, ist nach der Swiss in der Schweiz die zweitbeliebteste Airline der Schweiz.

Die Zahl der Air-Berlin-Aufrufe wurde per 1. Januar 2015 mit 100 indexiert. Alle Folgemonate und die weiteren Airlines wurden dazu in Beziehung gesetzt. Die Auswertung zeigt beispielsweise, dass die Lufthansa auf dem Portal von Kayak im Januar 2015 verglichen mit Januar 2016 über 30 Prozent weniger Abfragen verzeichnete. Dass die erwähnte Buchungsgebühr dabei eine Rolle spielte, ist naheliegend.

Als grosser Gewinner gehen aus der Auswertung die Billig-Airlines Vueling aus Spanien und Easyjet aus Grossbritannien hervor. Der Flughafen Zürich erklärte die Zunahme mit dem in diesem Zeitraum erfolgten Ausbau der Streckennetze bei den beiden Anbietern. Air Berlin dagegen sei wirtschaftlich bedingt gezwungen gewesen, Strecken einzustellen. Für den Rückgang bei der Lufthansa sei die Übernahme von Verbindungen durch die konzerneigene Billig-Fluglinie Germanwings verantwortlich.

Probieren Sie selbst: In der Grafik lässt zwischen den verschiedenen Airlines hin und her schalten.

 

8 Kommentare zu “Weniger Klicks für die Swiss wegen Buchungsgebühr”

  1. Ruedi sagt:

    Ich fliege nach und in Spanien gerne Vueling. Handgepäcklimite 10kg statt nur 8 bei Swiss, das ist viel und dient mir sehr für Kurzreisen. Für 15€ gibt es einen Sitzplatz am Notausgang mit einer enormen Beinfreiheit, dazu einen separaten Priority-Schalter für die Gepäckabgabe und Priority Boarding. Man nehme sich ein Beispiel. Bei easyJet, BA, Iberia gibt es keine Gewichtslimite fürs Handgepäck. Das Volumen ist bei allen dasselbe. Bei der Swiss muss man allerdings den Handgepäckkoffer halb leer lassen um nicht über 8kg zu kommen. Auch da: ich ziehe Alternativen vor wenn es geht. Zudem sind die neuen Sitze eine Zumutung.

  2. Oliver Lüscher sagt:

    … müsste man jetzt nicht auch untersuchen, ob die Anzahl Klicks z.B. auf der eigenen Homepage dagegen zugenommen haben? Zudem sind die Zugriffe im Jan. und Feb. 2015 vs. 2016 sehr ähnlich. Und: Der Hauptunteschied zwischen dem Light- und Classic-Tarif ist die Flexibilität! Der Light-Tarif ist weder umbuch- noch erstattbar. Den Classic-Tarif kann man aber in jedem Fall umbuchen. Gepäck und Sitzplatz sind nur Nebenschauplatz – und auch im Light-Tarif zukaufbar.

    • Ruedi sagt:

      Richtig. Nur ist dieses Umbuchen so eine Sache: meistens zu teuer, da man ja eine allfällige Preisdifferenz auch noch entrichten muss. Ich benötige keinen umbuchbaren Tarif. Buche deshalb “Light” und allenfalls eine Gepäckstück dazu. Kommt günstiger. Die guten Sitzplätze (Notausgang) gibt es auch im Classic-Tarif nicht gratis. Und einen teuren Notausgangplatz für 29.– Fr. buchen wenn man damit rechnen muss, dass dann die Maschine gewechselt wird und man den 29.– Fr. wieder nachrennen muss fällt nur im Traum nicht ein. Was da zudem am Gate wegen des Handgepäck-Gewichts aufgeführt wird ist mehr als peinlich. Da rennt eine Person mit einer Hand-Kofferwaage herum! Das habe ich nicht nötig.

  3. Ruedi sagt:

    “Light-Tarif im Angebot, der nur Handgepäck zulässt und keinen zugewiesenen Sitzplatz enthält.” Was heisst für Sie “keinen zugewiesenen Sitzplatz”. Das ist Unsinn. Man kann einfach keinen Sitzplatz kostenlos reservieren. Wenn das Online-check-in aufgeht kann man aus allen nicht reservierten Plätzen aussuchen. Auch solche, deren Reservation 29 Fr. kosten würde (Notausgang). Vor der Einführung der neuen Tarifstruktur konnte man auf Europaflügen in der Eco gar keinen Platz reservieren. Seit der Einführung der neuen Gebühr sind gewisse Swiss-Flüge über Buchungsportale etwas teurer geworden. Wenn man vergleicht kann man immer noch etwas sparen. Die Portale blenden aber LH und Swiss oft aus.

    • Ruedi sagt:

      Und wenn die Flüge gar nicht angezeigt werden ist es ja klar, dass die Klicks rückläufig sind. Es werden prioritär günstigere Alternativen angezeigt.

  4. […] macht gerne Analysen und diese betrifft die Swiss nach der Einführung der Buchungsgebühr Weniger Klicks für die Swiss wegen Buchungsgebühr | Datenblog Laut dem Blog sind Vueling und Easyjet die grossen Gewinner der […]

  5. M. Kohler sagt:

    Air Berlin ist offiziell nicht mehrheitlich in den Händen der Etihad. Den Arabern gehören – wie gesagt – offiziell nur 49 Prozent – mehr dürfen sie laut EU-Recht nicht besitzen.

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