Jeden Tag ein Erlebnis

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Ab und zu illustrieren wir hier die These, meine Damen und Herren, dass die nüchterne Spätmoderne mit ihren hochdifferenzierten, anonymen Funktionsabläufen des symbolischen Klebstoffs der bunten Bilder und der verführerischen Dinge bedarf. Dass die kollektiven Träume der Spätmoderne von fluktuierenden Ikonen und semiotisch aufgeladenen Konsumobjekten genährt werden. Denn träumen muss der Mensch. Ein solchermassen aufgeladenes Konsumprodukt sehen Sie auf dem obigen Foto.

Noch schlimmer als die Endlichkeit der diesseitigen Existenz erscheint der Gegenwart allerdings die Angst, etwas zu verpassen. Das ist die nachmetaphysische Todesangst des postindustriellen Menschen. Dagegen knüpft er (oder sie) dichte Ereignisteppiche – als Sichtblenden gegen die verstreichende Zeit (um diese schöne Metapher von Rüdiger Safranski zu gebrauchen). Darinnen liegt die Performanz des spätmodernen Ich. Unterstützt von wundervollen Hilfskonstrukten aus der Welt des Konsums. Zum Beispiel dem richtigen Klopapier. Auch das spätmoderne Klopapier muss ein Ereignis sein, zum Erleben verdichtet und in eine ästhetische Form gebracht werden. Und nach diesen wahnsinnig kritischen Anmerkungen zum Zustand der Gegenwartskultur möchte ich anfügen: Ich gehe nirgends hin ohne feuchte Toilettentücher! Ich habe sie mitgenommen in den javanischen Dschungel, die afrikanische Steppe, an den arktischen Polarkreis und auf die Osterinsel. Sowie auf die Vulkane Hawaiis und in den Nebelwald Ecuadors. Jeden Tag ein Erlebnis! Oder sogar zwei.

3 Kommentare zu «Jeden Tag ein Erlebnis»

  • Anh Toàn sagt:

    „Die Angst etwas zu verpassen“: Soll alles möglich bleiben, wird nichts konkret. Wenn wir etwas erreichen, verpassen wir anderes. Ich habe unter anderem verpasst, früh zu sterben, war mal ein Ideal von mir. Die Vorstellung, ewig leben zu müssen, erscheint mir schlimmer als die Gewissheit meiner Endlichkeit.

  • LiFe sagt:

    Produktive Träume waren immer gut. Vive les „feuchten Toilettentücher!“ Nichts verpasst!

  • Jacques sagt:

    Auch die ewige Qual der Wahl. Mich packt schon ein metaphysisches Gruseln beim Entscheid, Kamille oder Aloe Vera? Also bereits frühmorgens um 10 Uhr 30. Und dann beim Frühstück das gleiche Drama. Darum lasse ich das Mittagessen meistens aus. Abends bin ich viel entscheidungsfreudiger. Tag geschafft. Meist endet es mit ‚Pinot Noir‘.

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