Das Comeback der Höhlenmalerei

achtung

Zu meinen vornehmsten Pflichten im Haushalt, meine Damen und Herren, gehört die grosszügige Verteilung von Mottengift. Auf der Rückseite der Giftpackung prangt der übliche Sicherheitshinweis, begleitet von einer Art Piktogramm, das die verheerenden Wirkungen der unsachgemässen Anwendung im Stile einer jungpaläolithischen Höhlenmalerei darstellt. Siehe Bild.

Apropos Höhlenmalerei: Der Austausch von Textnachrichten stellt offenbar für die allermeisten Menschen die beliebteste Funktion ihres Mobiltelefons dar. Während ein paar Kulturoptimisten behaupten, die Form der Textnachricht bringe die Kunst des Schreibens zurück, gibt es auch Stimmen, die nun entschieden nicht dieser Ansicht sind. Der an dieser Stelle bereits letzte Woche zitierte britische Kulturkritiker A. A. Gill unterscheidet gar zwischen «texten» und «schreiben»; für ihn gehört die Textnachricht, wie Formeln und Floskeln, zur phatischen Kommunikation, also zu jenen Kommunikationsakten, die ausschliesslich eine soziale Funktion erfüllen und keinen eigentlichen Inhalt haben. Und Emojis befördern uns nach Einschätzung von Gill direkt ins Höhlenzeitalter zurück.

Wozu ich nur ergänzen möchte: Wenigstens machen sie keinen Krach. Und nun zurück zum Damn Daniel.

3 Kommentare zu «Das Comeback der Höhlenmalerei»

  • Eos sagt:

    Für «phatisch» muss ich wieder mal mein Fremdwörterbuch konsultieren. Im Ernst: Texten mag im gegebenen Zusammenhang (Mr Gill) weniger Wert gegenüber schreiben haben. Tatsächlich schafft Texten mehr Wert als Schreiben. Sie, Herr Tingler, texten, weben, flechten. Die verwandte τέχνη (gr. téchnē) ist das Handwerk, die Kunst, die List. Ich denke etwa an meine liebste Seite 140 in Ihrem neuesten Buch. Andere, wie etwa der frühere NZZ-Spillmann schrieb nur, mit Adjektiven um sich werfend, aber dennoch denkt man am Ende: Was war nun die Aussage? Auch NZZ-Moritz schreibt bloss. 🙂

  • Jacques sagt:

    Mottengift? Erinnert mich etwas an meine Kindheit. Es stank ja immer sehr ’nüechtelig‘ in diesen alten Kleider-Schränken. Obwohl interessante Kleider vorhanden waren. Sogar für sog. „Jung-Hippies“. Aber dieses Stinken musste bekämpft werden. Klein Löcher von diesen Motten. Auch nicht gut, deshalb mussten diese Motten weg. 1. Viel Licht, Luft -2. Lavendel hilft manchmal – 3. Mottenkugeln (Naphthalin) stinken auch, aber als Antidot geeignet (après 1). 4. Patchuli überdeckte wenigstens diesen Altgeruch – durch Neugeruch. Grand-Père sehr sozial. Vermachte mir so sein Veston. Guter engl. Stoff…

    • Jacques sagt:

      Nur später kam dann die Ernüchterung. Das sang diese Marlene Dietrich im Blauen Engel: „Männer umschwirren mich wie Motten das Licht, und wenn sie verbrennen, ja, dafür kann ich nichts“. Nichts?
      Und sogar ohne Marlene Dietrich-Hosen? Sondern sehr kurz be-rockt. Marlene! Denk bitte etwas nach; ob à la Rousseau oder Voltaire – egal. Denk einfach etwas nach!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.