Sirenen und Desaster

IMG_4311

Unsere spätmoderne Gesellschaft hat die Eigenschaft, auch ihre Rückschritte marktschreierisch anzupreisen, meine Damen und Herren, und deshalb klingen heutzutage oft bereits die Diagnosen von Problemen gerne wie ihre Lösungen, zum Beispiel bei diesem Ding von Swisscom, das bei uns zu Hause das Glasfaserkabeldingens verwaltet und unter dieser Last gelegentlich zusammenbricht, allerdings nicht ohne besagten Zusammenbruch füglich zu melden, zusammen mit diversen erholenden Aktivitäten, die zeitgleich eingeleitet werden, siehe oben. Man versteht nicht viel, aber irgendwas scheint gemacht zu werden.

Apropos Desaster: Neulich war ja wieder landesweiter Sirenenprobealarm, wie er immer am ersten Mittwochnachmittag im Februar stattfindet, was ich selbstverständlich nie mitkriege, ich weiss einfach nach jahrelanger Konditionierung so düster im Halbbewusstsein, dass es sich, wenn am späten Mittag die Sirenen heulen, hochwahrscheinlich um einen Probealarm handelt. (Was natürlich die Frage nahelegt: Was ist, wenn genau dann wirklich was passiert? Am ersten Mittwoch im Februar?)

Laut offizieller Verlautbarung wird bei jenem Probealarm die Funktionsbereitschaft nicht nur der Sirenen des «Allgemeinen Alarms», sondern auch jener des «Wasseralarms» getestet. Was mir auffiel, war, wie sich heuer mit kurzer Verzögerung ein neuer Sirenenklang über den alten legte, ein fürchterlicher Laut, wie der Schrei eines Fieberträumenden im Delirium, eines Wahnsinnigen …

«Bist du sicher?», fragte Richie, der beste Ehemann von allen, als ich ihm davon berichtete. «Bist du sicher, dass das eine Sirene war – und nicht ich?»

So viel dazu. Und meine aktuelle Twitter-Empfehlung lautet immer noch: #PostATrumpSelfie