War da was?

(Getty Images/Instagram)

Rob Kardashian lebt jetzt mit Blac Chyna, meine Damen und Herren. Das las ich neulich im Internet. Zunächst war ich unsicher, wer oder was Blac Chyna überhaupt sein soll. Eine Pflanze? Eine Krankheit? Bis ich dann erfuhr: die Erzfeindin der Kardashians. Eine junge Dame, deren bisheriger Lebensweg so farbenfrohe, unübersetzbare Stationen umfasst wie «exotic performer», «video vixen» und «urban model». Jedenfalls: «The girls are fuming!» – Ungefähr auf dem gleichen Neuigkeitsniveau bewegte sich letzte Woche diese mittelgrosse Aufregung am Flughafen Zürich-Kloten: Unsere Heimatfluglinie Swiss stellte ihr neuestes Fluggerät vor: die Boeing 777. Grosser Zirkus, so mit Wasserwerfern an der Rollbahn und so weiter. Ich will hier niemandem die Stimmung verhageln – Sie wissen, dass ich ein Freund der Luftfahrt bin –, aber ich kapiere nicht ganz, was hier genau das Ereignis sein soll. Eine Fluggesellschaft kauft sich ein Flugzeug? Und zwar ein Modell, das seit über 20 Jahren (in der Swiss-Variante: seit über 10 Jahren) produziert wird. Das ist überhaupt nicht schlecht, aber es ist keine Neuigkeit, schon gar keine von nationalem Rang. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit der neuen Kabinenkonfiguration. Pff! Das ist Reklame, aber keine Nachricht. Warum also wird so was zum Ereignis? Weil unsere hysteriform beschleunigte spätmoderne Mediengesellschaft permanent die Ereignisschwelle absenkt, deshalb. Und in diesem Geiste möchte ich nun gerne fünf weitere Grossanlässe vorschlagen:

 

  1. Die Credit Suisse entwickelt einen neuen Anlagefonds.

  2. Der Pharmakonzern Roche zieht in ein neues Bürogebäude.

    – Ach nein, halt, das hatten wir ja schon.

  3. Das Zürcher Tram durchbricht die Temposchallmauer von 15,6 Stundenkilometern.

  4. Die Post hat am Samstag landesweit bis 13 Uhr geöffnet.

  5. Christoph Mörgeli entscheidet sich für eine neue Haartönung.

Im Bild oben: Rob Kardashian und Blac Chyna sollen nun angeblich zusammen leben. (Getty Images/Instagram Blac Chyna)

 

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