Barbie, in pragmatischer Hinsicht

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So oft sich der Mensch das Schicksal fasslich zu machen suchte, meine Damen und Herren, hat er stets den Eindruck von etwas Weiblichem empfangen, von Moiren, Parzen und Nornen. Ich gehe also neulich auf die Post und kriege dreimal die Sechs. Wenn Sie das googeln, kommt alles Mögliche: Dreieckszahl, Magisches Quadrat, das Tier, der Antichrist, das Spiel des Teufels. Purer Zufall, sagen Sie. Der Zufall ist klassischerweise ebenfalls weiblich: Tyche, launische Göttin der Vorsehung, der Fügung und des Zufalls. Der höchste Gott ist nie das Schicksal selbst, sondern er vertritt oder beherrscht es. Wie der Mann das Weib, würden nun die Chauvinisten anfügen. Also höchst unvollkommen, könnten daraufhin die Feministinnen erwidern.

Apropos: 90-60-90 ist eine andere Zahlenmagie, die sich hartnäckig hält. In Barbies Fall waren das bisher sogar die Masse 99-46-84: realitätsfern respektive schlicht nicht möglich im wirklichen Leben, und aufrecht stehen kann Barbie mit einem solchen Körper auch nicht. Jedenfalls nicht ohne High Heels. Dafür allerdings hat sie sich lange gehalten. Doch nun wird alles anders: Barbie ist jetzt «body-positive» und erscheint (zusätzlich zu den 99-46-84, deren Unterleib übrigens auch nicht genug Raum für alle notwendigen Organe böte) in drei Ausführungen: «tall», «petite» und «curvy». Das Ganze erinnert mich irgendwie an Starbucks. Und wo lässt eigentlich Sarah Jessica Parker ihre Organe? Damit genug für heute. Getreu der Einsicht Immanuel Kants: «Der grösste Sinnengenuss, der gar keine Beimischung von Ekel bei sich führt, ist, in gesundem Zustande, Ruhe nach der Arbeit.» So erkannte es der grosse Denker des Idealismus in seinem letzten Werk, der «Anthropologie in pragmatischer Hinsicht». Mit der 777 befassen wir uns dann übermorn. Cheerio.

Vorbei mit Traummassen: Vintage Barbiepuppen. (Flickr/RomitaGirl67)

Vorbei mit Traummassen: Vintage Barbiepuppen. (Flickr/RomitaGirl67)