Rassismuskritikkritik

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Ich sitze so in Zürich im Tram, meine Damen und Herren, und fahre von A nach B, und mein Blick fällt auf diesen Veranstaltungshinweis. Siehe oben. Endlich! Endlich ein rassismuskritisches Humorfestival. Das scheint so ungefähr dasselbe zu sein wie konfliktfreie Bananen. Was für ein wohltuender Unterschied zu all den anderen Humorfestivals, die demzufolge nicht rassismuskritisch sind, jedenfalls nicht explizit. Ich muss sofort im Internet nachgucken. Dort steht: «Das Festival will für rassistische Strukturen in Witz und Comedy sensibilisieren, rassismuskritische Positionen im Schweizer (Humor-)Diskurs entwickeln und Formen des Humors fördern, die bestehende Stereotype überwinden und den von rassistischer Ausgrenzung Betroffenen eine Stimme verleihen.»

Humor mit erzieherischer Absicht, also. Das ist immer eine Garantie für Lacher. Ich lese mal weiter: «Diskussionsrunden, Podien und Workshops vermitteln die verhandelten Themen und sollen zur Reflexion des eigenen Lachens anregen.» Auch das klingt nach Tonnen von Spass. Und schliesslich: «Das Festival ist eine Koproduktion mit dem ‹Verein zur Förderung rassismuskritischer Öffentlichkeiten›. Es wird von der Fachstelle für Rassismusbekämpfung/Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements des Innern und der Stiftung ‹Humor und Gesundheit› und der Stiftung Mercator Schweiz unterstützt.»

Der Kampf gegen Rassismus ist wichtig. Aber wie bei jedem Kampf stellt sich die Frage der Mittel. Hier nun würde auch ich gerne einen unterstützenden Beitrag leisten, verehrte Leserschaft, und zwar in der Tradition des grossen Humoristen Kurt Tucholsky, indem ich die Veranstalter auf folgenden, relativ banalen und zeitlosen Umstand hinweisen möchte: «Humor» und «Workshops» sind Gegensätze an sich. Eine Antinomie. So wie «Literatur» und «Schweizer Buchpreis».