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Foto: Chord & Sorcery

Haben Sie eine lose Moral?

Hier sind 5 Anzeichen dafür.

«Neben dem Geschlechtstrieb bestimmt kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit.» Diese Erkenntnis stammt von Franz Werfel, meine Damen und Herren. In der Tat sieht unser Gehirn ja ungefähr wie folgt aus: Es gibt das archaische Belohnungszentrum, das permanent Essen und Sex will, das ebenso archaische Angstzentrum, das andauernd panisch davor warnt, und das Vernunftsystem, das zu vermitteln versucht – und am schwächsten ist. Einige Leute hinwiederum konzentrieren sich vorzüglich auf den Geschlechtstrieb, und das sind nicht die schlechtesten, weil sie ihrer Umgebung weniger auf die Nerven fallen. (Meistens.) Und ist der Ruf erst ruiniert … Sie wissen schon.

Doch aufgepasst: Wenn man kein Kind von Traurigkeit ist, hat das Leben einen gewissen Zauber und die Partys sind herrlich – aber falls man nicht aufpasst, gibt man bald sein gesamtes Geld für Schmuck und enge Hosen aus. Und dann wacht man eines Vormittags in einem Best-Western-Hotel auf. Zusammen mit zwei Roadies von Whitesnake. Das weiss ich natürlich nur aus der Theorie.

Ausserdem weiss ich: Fünf Anzeichen, die auf eine tendenziell eher lockere Moral hindeuten. Hier kommt die Liste, anwendbar für jedes Geschlecht und jede Orientierung. Prüfen Sie sich. Wie meistens gilt: Wer sich bei drei oder mehr Punkten wiederfindet, gehört mindestens zur Risikogruppe. Und wie immer gilt: Die Schlüsse, die Sie daraus ziehen, bleiben selbstverständlich völlig Ihnen überlassen. Von mir kommt dazu hier jetzt nur folgender Hinweis: Der offizielle Originalslogan von Google lautet noch immer: «Don’t be evil». Denken Sie mal drüber nach.

  1. Im Nummernverzeichnis Ihres Telefons finden sich überwiegend Vornamen.

  2. Ihre Freunde fragen immer sehr interessiert, wie Ihr Wochenende war, und wollen jede Einzelheit hören. Aber niemand hat Sie je gefragt, ob Sie Gotte oder Götti werden wollen.

  3. In Ihrem Medikamentenschrank finden sich neben mexikanischen Schmerzmitteln aus dem Internet sowohl Viagra wie Provigil. Manchmal findet sich all das auch in einer alten Keksdose bei Ihnen in der Küche. Sofern Sie überhaupt wissen, was eine Küche ist.

  4. Sie erscheinen nicht selten auf Partys mit Leuten, die Sie gar nicht kennen. Meist waren Sie auch gar nicht eingeladen. Sie sind unübertroffen im Gate Crashing. Dabei kommt Ihnen zu Hilfe, dass Sie oft noch ein Glas vom vorherigen Anlass in der Hand halten. Und wenn Sie irgendwann feststellen: «Noch einen Mimosa, dann gehe ich nach Hause!», ernten Sie herzliches Gelächter vom Barpersonal.

  5. Ihr Therapeut hat resigniert. Und das war nicht der erste. Der erste wollte sich mit Ihnen verloben.

Bild oben: Die Band Whitesnake um 1987. Mann stelle sich ihre Roadies vor, im Jahr 2015 natürlich.

«Tinglers Fünf» erscheint neu immer sonntags im Blog Mag und gleichzeitig auch in der «SonntagsZeitung».

Philipp Tingler

Dr. Philipp Tingler hilft Ihnen, Ihr Leben zu verbessern. Oder wenigstens an was anderes zu denken. Folgen Sie ihm auf Twitter.


Publiziert am 17. Mai 2015

11 Kommentare

  1. Zufferey Marcel says:

    Provigil, aha: Trotz Google nicht schlau geworden! Ist das nun eine pharmakologische Metapher auf unsere Kultur (was ich befürchte: nach Wikipedia ist das ein Medikament gegen Schlafapnoe, Angstzustände und dergleichen mehr) oder ein diskreter Hinweis auf eine total geile Off-Label-Sex- oder Partydroge..? Stellen Sie doch Ihre Amoral unter Beweis- und antworten Sie mir online ganz ehrlich, Herr Tingler: Ich werde auch ganz, ganz diskret reagieren, versprochen..!

    • Philipp Tingler says:

      Beides: Metapher UND Off-Label Gebrauch. Beides aber eher mit Blick auf die Leistungssteigerung im Arbeitsleben, also durchaus nicht jenseits der Moral.

  2. Mike says:

    Ich waer ja lieber mit Groupies von Whitesnake erwacht, als mit ihren Roadies.

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  1. Zufferey Marcel says:

    Provigil, aha: Trotz Google nicht schlau geworden! Ist das nun eine pharmakologische Metapher auf unsere Kultur (was ich befürchte: nach Wikipedia ist das ein Medikament gegen Schlafapnoe, Angstzustände und dergleichen mehr) oder ein diskreter Hinweis auf eine total geile Off-Label-Sex- oder Partydroge..? Stellen Sie doch Ihre Amoral unter Beweis- und antworten Sie mir online ganz ehrlich, Herr Tingler: Ich werde auch ganz, ganz diskret reagieren, versprochen..!

    • Philipp Tingler says:

      Beides: Metapher UND Off-Label Gebrauch. Beides aber eher mit Blick auf die Leistungssteigerung im Arbeitsleben, also durchaus nicht jenseits der Moral.

  2. Mike says:

    Ich waer ja lieber mit Groupies von Whitesnake erwacht, als mit ihren Roadies.

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